Hallo die Katze!
Ein interessanter Thread. Zunächst habe ich eine Buchempfehlung für Dich, "Die Frau, die nie im Mondschein aß" von Anita Johnston, gibts in der Taschenbuchausgabe schon um 10 Euronen, sollte also auch für einen sehr mageren (kleiner Wortwitz) Geldbeutel zu erhalten sein.
Ich mochte das Buch sehr, weil es unendlich einfühlsam und mit großer Selbstliebe das Thema aufgreift.
Ich selbst darf mich wohl zur Kategorie curvy bis normal zählen. Bin mit 1.78 ziemlich groß und war nie schlank oder wirklich fett, nun ja es gab hin und wieder mal Kampfgewichtszeiten, die sind allerdings wirklich weit von den Dimensionen, die hier zT diskutiert werden entfernt.
Leider habe ich zum Thema Gewicht auch keine immer mehr sondern eher eine beständig immer ein kleines bißchen weniger Geschichte für Dich. Ich war zu Teenagerzeiten deutlich dicker als ich es jetzt bin. Das waren allerdings gleichzeitig auch die Zeiten, in denen curvy noch kein Wort war und alle dem Dro./Opiat-Chique hinterherhechelten, den Leute wie Kate Moos oder Cobain eben wahrscheinlich auch nur durch die Zuführung der Substanz erzielen konnten. Da waren die Zeiten schlecht für groß gewachsene Blondinen mit Weiblichkeit.

Ich habe aber ein ähnliches dem Zucker verwandtes Thema selbst am Start. Daher ein paar Gedanken.
Irgendwo am Anfang beschreibst Du, daß es Dich wütend macht, daß Menschen (reden wir von Menschen oder Männern) nicht hinter die Fassade schauen.
Ein schönes Stichwort: Wie sollen andere Menschen dies tun (können), wenn man selbst dann doch eher weniger hinter die eigene blicken mag, als mehr sie zu eigenen Gunsten zu verschieben sucht?
Deine Aufzählung der gewichtigen Stationen in Deinem Leben hat mich sehr berührt und es ist gut, daß Du anerkennen kannst, daß das Gewicht eben Ergebnis dieser ist. NUR: wie bei jeder mathematischen Gleichung ändert sich das Ergebnis erst nachhaltig dadurch, daß man an der Gleichung etwas tut.
Die Schritte, die Du jetzt gehst, Ernährungsumstellung, Yoga etc sind richtige und wichtige, aber, und das ist schon zugrundeliegendes Thema bei allen Threads von Dir, der Schritt, den es zu tun gilt, nämlich an der Gleichung etwas zu ändern, der gelingt Dir noch nicht.
Schau mal, ein jedes Zuviel, egal ob Essen, Tbk, Hopfenkaltschalen, Shopping, Glücksspiel oder was auch immer, ein jeder Konsum, der von einem gelegentlichen, genießerischen, in einen übervollen, maßlosen wandert, erfüllt einen Zweck.
Der Zweck liegt in der Emotionsregulierung.
Neben all den schlauen Dingen, die hier ja schon über Motivation oder eben auch das recht wenig hilfreiche, man müsse sich halt zusammen reißen, schon erwähnt wurden, glaube ich tief und fest, daß ich nur langfristig Veränderung erzielen kann, wenn ich lerne, meine Traumata zu verarbeiten und nachhaltig an meiner Fähigkeit arbeite, mit Emotionen besser, jedenfalls anders umzugehen.
Es mag natürlich zusätzliche Komponenten geben, es gibt zudem eben auch die bekannten Ausnahmen einer Regeln, aber zu viel zu essen, zu viel zu rauchen, ein zu viel von, ist Ausdruck eines fehlgeleiteten Schutz- und Ausgleichsmechanismus.
In letzter Konsequenz Ausdruck von fehlender Selbstliebe.
Und jetzt liebe Katze kommen wir zu dem Ding, was wir seit Monaten diskutieren: Du mußt mit einem Profi an die echten Baustellen ran.
Natürlich ist es schön, daß Du im Moment richtige Schritte gehst, aber fällt Dir nicht auf, wie Du genau das gleiche Muster wie bei Zweiradfahrer umsetzt?
Es ist exakt das gleiche Muster: Es gibt nen Auslöser, was auch immer, Du bist ur motiviert und wirst ihn nie, nie wieder kontaktieren. Je nach Phase, alles nachlesbar, hält das ein paar Tage, Wochen oder Monate. BIS zu dem Moment und wir gehen zurück auf Los.
Schau mal, das Muster ist genau das gleiche jetzt. Ur motiviert und dann doch wieder zurück auf los.
Da mußt Du raus, daran mußt Du arbeiten und das wiederum wird eben auch nicht dadurch gelöst, sich selbst oder andere als missverstandene Opfer aller anderen zu sehen.
Und nun noch zu der von Dir aufgeworfenen Problematik: Weißt Du, ich glaube nicht, daß so viele Menschen besonders dicke Leute als unbedingt faul wahrnehmen. Ich denke, daß die meisten Menschen, dicke Menschen oder eben Menschen die besonders viel dieses oder jenes tun, als maßlos wahrnehmen. Dies wiederum ist ja aber nicht völlig falsch, weil der jeweilige Konsum eben ein auch maßloser ist.
Und ich glaube zudem nicht, daß der erste Gedanke, der ist, man ist die/der faul. Der erste Gedanke scheint mir eher der, puh ich bin froh, daß ich nicht so dick bin. Keine schöne Haltung aber eine sehr menschliche, weil sie uns selbst hilft, uns einzureden, daß das Leben beherrschbar wäre.
Es wäre sehr wünschenswert, wenn wir alle liebender und emphatischer miteinander umgingen. Da stimme ich Dir zu.
Aber die Haltung, andere würden einfach nicht hinter die Fassade blicken wollen, ist problematisch.
Denn damit machst Du es Dir ganz schön einfach. Deine Haltung ist ja schon, zu sagen, daß Du es wahnsinnig oberflächlich findest, daß andere dicke Menschen als faul abstempeln. Das ist eine Behauptung und auch Du machst Dir nicht die Mühe mal zu schauen, ob die stimmt oder ob, falls sie stimmen würde, es dafür Gründe hinter der Fassade des anderen gibt, warum dieser so denkt. Guck mal da:
Zitat von Katzenmosaik:Selbst mit einem Penner kann man sich besser unterhalten, als man denkt.
Wer schaut jetzt nicht hinter die Fassade?
Warum ein Obdachloser in der Lage ist, in der aktuell ist.
Wie sollen andere hinter die Fassade schauen (können), wenn Du weder hinter Deine eigene noch wirklich hinter die der anderen schauen magst?
Ich wiederhole mich: Zweiradfahrer war ein Resultat, 145kg sind ein Resultat, sie sind nicht das Problem, in dem Sinne jedenfalls nicht die Ursache. Genauso wenig, wie was andere vermeintlich oder nicht, generalisiert über eine ebenfalls generalisierte Gruppe von Menschen denken mögen.
Die Verletzungen, die Du erfahren hast sind extrem schwerwiegend, da kannst Du nicht einfach ein Pflaster drüber kleben und sagen, wird schon, da braucht es Profis, die Dir helfen, diese anzuerkennen und einen Heilungsprozess in Gang zu setzen.
Das wiederum ermöglicht Dir aus dieser absolut ritualisierten Opferhaltung, die Du immer wieder aufs Neue an den Tag legst, herauszukommen.
Katze, was Dir widerfahren ist, tut mir unendlich leid für Dich. Aber ich stelle mich wieder und wieder und wieder hin und sage, das gibt Dir dennoch nicht das Recht, sich hinzustellen und von anderen zu verlangen, was Du selbst nicht ein bißchen erbringst.
Du steigst auf ein moralisch ver.dammt hohes Roß, die Oberflächlichkeit anderer zu beklagen, wenn Du selbst nicht bereit bist, hinter die eigene Oberfläche zu schauen.
Da wird aus einem Typen, der nie wirklich mit Dir zusammen war, ein Volldepp, der Dich vermeintlich als Freudenmädchen gebraucht. Dann wird noch mal in die Kiste als vermeintlicher Befreiungsschlag gefeiert, um kurz danach alle Männer in Sippenhaft zu nehmen. Dann willst Du endlich wieder zurück in die Werkstatt und die Aufgabe dieser Arbeit, weil es doch irgendwie viel im Moment ist, wird wieder als Befreiung verkauft. Der Termin beim Therapeuten gemacht, aber hingehen ist dann doch nicht weil nun ja auch dafür gab es natürlich einen guten Grund.
Dazwischen immer wieder, warum kämpft niemand mehr für eine Beziehung und jetzt eben die hübsche Generalisierung in diesem Thread. Von anderen sehr schwierigen Themen dazwischen, mag ich jetzt nicht anfangen.
Aber für den Satz "SELBST ein Penner" reicht es natürlich doch noch.
Liebe Katze, So lange Du nicht Deine Verletzungen angehst, wirst Du keine echte Empathie entwickeln können, weil Du dafür nun mal keine Kapazitäten hast. So lange aber bleibt, daß was Du für Mitgefühl hältst und Dir zuschreibst, in Mitleid stecken, vor allem in solches für Dich selbst.
Warum gibst denn keinen neuen Therapietermin? Beim letzten ging es nicht, aber was hindert Dich, einen neuen zu vereinbaren?
Alles Gute und ein schönes WE.
Und PS, die Frau die nie im Mondschein aß.
