Hallo Schnattchen5,
das ist ja eine üble Geschichte.
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich hier mutmaßen soll, dass er einen anderen Grund für die Trennung hatte und simple Schuldumkehr betrieb, um dich mit "weißer Weste" loswerden zu können, oder ob ich dir versichern kann, dass mit einem Mann, der einen solchen Minderwertigkeitskomplex hat dass er mit "Konkurrenz aus der Vergangenheit" nicht zurechtkommt, eine erfüllende Beziehung auf Augenhöhe auf Dauer ohnehin nur schwer möglich geworden wäre.
Ich bin jemand der grundsätzlich sehr befürwortet, Beziehungen langsam anzugehen - ruhig etwas länger als anscheinend "üblich" zu warten bis zum ersten Sex während eines Kennenlernens, auf keinen Fall zusammenziehen im Rausch der Verliebtheit, sondern frühestens wenn sich die Beziehung auch nach zwei, drei Jahren im Alltag bewährt hat und dergleichen - aber die auch in vielen Antworten hier mitschwingende Botschaft, nach der es verständlich sein soll dass dein Freund ein Problem damit hat dass du einige unverbindliche sexuelle Kontakte in deinen jungen Jahren hattest, ist mir unbegreiflich. Ja, leider kann man auch im Jahr 2022 als Frau noch seinen Ruf damit ruinieren, das ist wohl so, aber
Verständnis für die Haltung deines Exfreundes aufzubringen empfinde ich tatsächlich als antiquiert und diskriminierend Frauen gegenüber.
Zitat von bravecat: Oh mein Gott .. sorry, aber wir leben im Jahr 2022
Denn so ist es,
Zitat von Blattfrosch: einen Mann der mit einer promiskuitiven Frau nicht klarkommt, der offenbart dadurch seinen Sexismus
und so ist es auch.
Ich an deiner Stelle würde so langsam eine gehörige Wut auf einen Mann entwickeln, der mich mit etwas abserviert, von dem er von Anfang an wusste und der mich ein Jahr lang immer wieder mit seinem Unvermögen, es wie ein Mann zu tragen (!) drangsaliert hat. Um mich letztlich mit demselben Mist als lahmer Begründung zu verlassen.
Nicht
du hast ihm die schlimmsten Stunden beschert, das war er ganz allein selbst, mit seiner Unfähigkeit, Verantwortung für seine Eifersucht und seine Moralvorstellungen zu übernehmen. Er will dir die emotionale Verantwortung überstülpen für etwas, mit dem er nicht zurechtkommt, aber das ist seine Zuständigkeit, nicht deine. Zieh dir den Schuh bloß nicht an!
Zitat von Schnattchen5: das Thema hat uns ein Jahr lang begleitet. Er wusste von Anfang an was "Sache" ist, also, dass ich eine bewegtere Phase in meinem Leben hatte. Dann nach einem Jahr wurde der Schlussstrich gezogen
Weißt du, vielleicht vereint er ja auch beide Mutmaßungen von mir, die ich oben erwähnt hatte. Er hat ein geringes Selbstwertgefühl, was seine übertriebene Eifersucht/moralisierende Bewertung deiner Vergangenheit erklärt, sowie brauchte eine Erklärung, die dir die Schuld für seinen eigenen Trennungswunsch zuschiebt.
Ich habe es schon erlebt, dass jemand der selbst völlig grundlos sehr eifersüchtig war, dann genau derjenige war, der das getan hat was er seiner Partnerin permanent unterstellt hat. Alles in allem betrachtet, wünsche ich dir eine gehörige Portion Empörung über die Situation, in die er dich gebracht hat, und dass du auch in Zukunft zu dir und deiner Vergangeheit stehst. Es gibt genug Männer, die groß genug sind, damit zurecht zu kommen, oder damit umzugehen weil sie wissen, dass in verschiedenen Lebensphasen nunmal verschiedene (sexuelle und beziehungsmäßige) Entwicklungsstadien stattfinden.