Zitat von WhosThatGirl:Interessant. Ich selbst bin nämlich alles andere als eine "Gutmenschin". Bin eher "ich-bezogen" und schaute darauf was mir gut tut und führte in Situationen, in welchen ich mich unwohl fühlte, schnell eine Lösung herbei.
Es gibt einen großen Unterschied wie Egoismus gelebt wird. Man kann ihn leben ohne dabei ständig anderen auf die Füße zu treten oder gleichzeitig unaufrichtig zu werden.
Natürlich konnte auch ich ihn verstehen. Aber genau dieses "Verständnis" hat mich viel zu lange in dieser Affäre festkleben lassen.
Da muss man sich (viel schneller) klar abgrenzen.
Letztlich war es das Verständnis, dass der "zerrissene" Mann aus großer Verantwortung sich nicht trennen will, aber dafür jahrelang Fremdgehen und betrügen kann/konnte.
Sowas würde ich mir selbst nie rausnehmen.
und genau dies ist der Unterschied, wie man Egoismus definieren will. Wie du richtig sagst, der Begriff als solches ist ja ausschliesslich negativ konnotiert. Dass es aber durchaus postitiven Egoismus gibt - nähmlich sich selber gut schauen, ohne andere dabei zu hintergehen - ist ne gute Sache.
Diese Begriffsdiskussion führten wir auch, Zitat AM: "Es scheint fast, dass wenn ich schaue, dass es mir mit dir gut geht, meine positiven Seiten zutage treten und es dir dann auch gut geht. Folglich erziele ich ja mit meinem Egoismus (dem heimlichen Fremdgehen) einen positiven Effekt, also ist's kein Egoismus (er vertrat ja auch die Idee, dass er seiner Frau weder was wegnähme und sie nicht verletze, solange sie nichts weiss). Und schliesslich finde ich, dass ich das Recht darauf habe, glücklich zu sein. "
In diesen beiden Sätzen (und da gabs noch Tausende), ist im Grunde alles drin, was eine Affärenkonstellation - den Gefühlskleister- ausmacht. Das einzige, was meine selektive Wahrnehmung hörte, war: was bin ich doch toll, wie schön, dass ich jemanden so glücklich machen kann. Dass ich damit nicht glücklich bin, mit seiner Haltung seiner Ehefrau gegenüber, hab ich immer wieder verdrängt.
Und: ich hab auch immer ausgeblendet, dass jemand wie er wohl zwingend auch mich belügen muss. Egal wie viel er von Offenheit, Respekt, auf Augenhöhe sein, schwafelt. Ich wäre die Einzige, bei der er über sein Innerstes reden konnte, ich hätte ihn als Mensch intuitiv verstanden, sonst niemand (neee klar, darum heiratet man ja jemanden, der dich niemals richtig verstanden hat und der Sex von Anfang an nicht so prickelnd war. Aber bei der Frau will man aber trotzdem den Rest seines Lebens bleiben).
Macht voll Sinn, nur ich war ja ab und an so gemein, diesbezüglich in wachen Momenten eine kritische Haltung einzunehmen: Also, willst du mich nur oberflächlich als Schönwettermann, oder willst du mich ganz und gar mit all meinen Fehlern und Restriktionen? Ich halte dieses Gefühlkarussell nicht aus, es macht mich völlig fertig, wenn du immer wieder mal so misstrauisch wirst und nicht an mich glaubst!
Der gute Mann hat sich übrigens gezielt online eine Affäre gesucht. Nicht dass wir uns im Reallife über den Weg gelaufen wären und er sich fremdverliebt hätte - was ja durchaus vorkommen kann.
Aber nein, man bleibt blind und doof, lässt sich immer und imer wieder einwickeln und misstraut schlussendlich dem eigenen latent immer vorhandenen schlechten Bauchgefühl.
Mir ist grad ziemlich übel
