Minna
Gast
Das brachte natürlich eine gehörige Portion Verlustangst mit sich. Ein Mann (38), der jede haben könnte (und viele hatte, darunter aber auch lange Beziehungen)- der war jetzt mit mir zusammen. Eigentlich hätte alles perfekt sein können, aber durch unsere Jobs aufgrund derer wir viel unterwegs sind, stiegen meine Ängste und meine Eifersucht. Das waren eigentlich unsere einzigen, realen Probleme.
Oft sagte ich, ich kann so nicht leben, obwohl ich ihn niemals verlassen hätte. Ich bin sehr schnell bei ihm eingezogen, was er auch wollte und es war eine Sache mit Bestand. Aber irgendwann führte ein erneuert Streit dazu, dass er wollte, dass ich für eine Weile gehe.
Die Zeit war unendlich schwer für mich, aber mir wurde auch klar, dass ich nicht zu schätzen wusste, was ich hatte und dass ich sehr an mir, meiner Unabhängigkeit und meinem Selbstwert arbeiten muss. Er hat es immer gehasst, wenn ich schlecht von mir sprach und dass er sich ständig Sorgen machen musste, dass ich ihn, wenn er weg war, zu schmerzlich vermisse.
Als es dann zum Gespräch kam, waren wir sehr liebevoll. Aber er sagte mir, dass er erst gemerkt habe, dass in ihm eine Schwere herrscht, die erst weg war, als auch ich weg war. Dass er glaubt, dass es notwendig ist, dass ich ein inneres Fundament aufbaue und mich erst mal um mich selbst kümmere. Dass das alles nicht heißt, dass er mich nicht liebt, aber dass er Angst hat, dass wir jetzt 2 Monate so weitermachen und es dann doch knallt.
Und dann saß ich vor der Tür. Ohne Chance. Alle Hoffnungen und Träume, alles weg. Und wir wussten immer, dass wir von Zukunft sprechen und nicht einfach so eine lose Beziehung haben. Ich bin zusammengebrochen und kam in eine Klinik. Er weiß davon nichts. Soll er auch nicht. Wir hatten Kontakt, haben vernünftig und mit Tränen gegesprochen, aber sein Entschluß steht fest.
Ich zerbreche. Diese Trennung spiegelt all meine Ängste wieder und nun bin ich am absoluten Tiefpunkt. Abgemagert, bei meinen Eltern wohnend, einen Platz in einer psychosomatischen Klinik beantragend. Dazu riet mir meine Therapeutin weil auch sie denkt, das ist alles mehr als nur eine Trennung. Ich komme mit meinem ganzen Leben nicht klar. Aber alles, was mich auch nur 5 Minuten durchhalten lässt, ist die Hoffnung. Dass er zur Ruhe kommt. Sich besinnt. Er sagte nach der Trennung, ich sei die beste Frau, die es gibt. Ich habe wirklich viel für ihn getan. Ich bin nicht unterwürfig oder still wenn mich was stört- aber ich habe ihm wirklich bei allem geholfen. Ich habe schreckliche Angst, dass er mit der Freundschaftsnummer kommt.
Unsere Gefühle für einander waren so groß! Seine Ex hatte sehr viel schwerwiegendere Probleme, aber bei ihr ist er 4 Jahre lang geblieben. Mag sein, dass er dadurch ein gebranntes Kind ist, aber warum wollte er nicht für mich kämpfen. Oder ist das jetzt sein Kampf? Er geht wieder feiern. Er versteht es, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Aber der Gedanke, dass er vielleicht nie mit seiner Entscheidung hadert, tötet mich. Ich lebe nur für die Hoffnung auch wenn ich alleine wieder auf die Beine kommen muss.
Es gab Zeiten, da fragte er mich 50 mal am Tag, ob ich ihn liebe. Warum ist das jetzt nichts mehr wert? Wir haben uns so geliebt. Mein Umkreis verachtet ihn mittlerweile, weil es mir so furchtbar schlecht geht und er so einen bequemen Weg eingeschlagen hat. Aber ich kann ihn nicht hassen. Ich liebe ihn ja. Und ich wünsche mir so sehr, dass er mich wenigstens vermisst und ich nicht einfach eine Episode war. Und dass es vielleicht, wenn ich stabiler bin und unabhängiger, noch mal eine Chance für uns gibt.
Aber wie?
Danke fürs Lesen.