Es ist nun eine ganze Weile vergangen. Nun war das erste Weihnachtsfest, eines das mir immer sehr wichtig war, in meiner neuen Situation vorbei gezogen. Es war ok und ich habe das Beste daraus gemacht. Aber ohne den Kindern beim Freuen zuzusehen ist es eben nicht das Gleiche. Klar waren sie am 1. Weihnachtstag da - aber das ist eben nicht das Gleiche.
Ich habe die letzten Monate einiges verändert. Aber das wichtigste ist wohl, ich habe akzeptiert, dass ich nicht mehr der gleiche Mensch bin, der ich vor der Ehe war. Ich habe mich allerdings bereits in den letzten Monaten der Ehe verändert. Und ich habe für nich die Gewissheit, und das mag jetzt erstmal überheblich klingen, dass die Trennung nicht meine Schuld war.
Ich habe mich hier oft gefragt, warum reden immer alle von Narzissten, was ist so schlimm daran? Ich habe meine Antwort gefunden.
Meine Geschichte ist ein Parade-Beispiel für eine Beziehung einer verdeckten Narzisstin und einem Co-Narzisst.
Normalerweise bringt es frischen Wind in eine Ehe, wenn sich der Partner durch Sport wieder körperlich positiv verändert, wenn er durch Energie neue( auch, aber nicht nur gemeinsame) Aktivitäten sucht, sich insgesamt um den Partner bemüht, usw.
Nicht so in einer kranken. Denn die körperliche Veränderung, die Austrahlung von festem Willen und die Selbstsicherheit führen zu Lob aus dem eigenen Dunstkreis. Und der führt hier nicht zu Stolz auf den Partner, sondern zu Neid und zwingt somit zum Handeln. Und wenn es nicht mehr funktioniert und es nicht mehr gelingt den Partner klein zu reden, vor allem auch bei Freunden, dann verlässt man die Bühne und tritt auf eine neue... einfach so, ohne ein vernünftiges Gespräch, ohne Reue. Gerne auch mit samt eines neuen Dunstkreises, denn denen kann man alles erzählen, Sie kennen die andere Seite nicht.
Da Freunde den Kampf und das Bemühen natürlich mitbekommen haben, wird eine phantastische Geschichte erfunden und verbreitet. Die Freunde, die einen eigenen Kopf haben werden ebenso fallen gelassen und so bleibt nur das gewünscht Publikum über. Aber die Opferrolle beherrscht meine Nochfrau - in jeder Situation - in Perfektion.
Und das ist es, was eine Trennung in dieser Konstellation so langwierig und belastend macht: man fühlt sich schuldig, weiß aber nicht warum. Man bekommt das Gefühl seltsam zu sein und offensichtliche Dinge nicht zu erkennen. Man zweifelt ständig an seiner Kompetenz, Beziehungsfähigkeit. Man sieht, wie der Expartner plötzlich all das schafft, was er in der Beziehung nicht hinbekommen hat und glaubt somit noch mehr, der Grund für all das zu sein.
Das ist kompletter Mist!
Ich habe mich immer gefragt, warum meine Frau keine echte Freundin hat, jemanden, mit dem sich auch über intimste Dinge reden lässt.
Warum konnte meine Frau, wenn Besuch da war, es allen recht machen und eine perfekte Gastgeberin sein, aber wenn wir alleine waren, war sie so müde und ausgelaugt, dass für UNS nichts mehr übrig war, nicht mal ein Gespräch?
Warum hat sie jahrelang nichts mit den Kindern gemacht, kaum gekocht, sich kaum bemüht?
Die Antwort ist so einfach und banal, dass man Abstand braucht um darauf zu kommen: Diese Menschen leben in der ständigen Angst, jemand könnte etwas in ihnen sehen, was sie verletzt. Ihr Leben ist tatsächlich wie das auf einer Bühne. Es braucht Publikum.
Weil es irgendwann normal ist und niemand mehr hinschaut wird es gelassen.
Daher gelingt auch jetzt wieder alles, denn es gilt die eigene Reputation wieder herzustellen, dem neuen Mann zu zeigen wie sehr sie doch alles managen kann, der Welt zu beweisen, dass der Alte Kerl der Klotz am Bein war. Und um das zu erreichen werden wirklich alle Register gezogen. Auch Expartner von mir wurden über wirklich jeden meiner jemals begangenen Fehler unterrichtet und es wurden Geschichten so aus dem Zusammenhang gerissen, dass sie möglichst abscheulich wirken. Um mich zu verletzen? Nein! Um sich selber als Opfer darzustellen und Aufmerksamkeit zu bekommen.
Und daher muss die neue Liebe auch öffentlich sein. Was bringt es denn im Stillen verliebt zu sein, wenn keiner applaudiert? Leider ist Bewunderung keine Liebe und ich hoffe, dass diese Einsicht sie nie erreicht - sie würde vermutlich daran zerbrechen.
Was bleibt ist verbrannte Erde und erst mal eine völlige Desorientierung von mir. Klar hat man Macken, klar macht man Fehler, klar hat man mal einen Hänger im Leben... man kann sich auch entlieben oder sich neu verlieben. Das passiert und ist nie schön.
Aber all das sind keine Gründe eine Ehe derart zu beenden. Keine Gründe, den Respekt zu verlieren.
Es geht hier nicht um mich oder die Kinder. Es geht hier um eine Show und um das richtige Publikum. Und ihr glaubt nicht, wie ein solcher Mensch lügen kann, wie sehr er jedes intimste Familienereigniss und persönliche Geheimnis ausnutzen und veröffentlichen kann, wenn es nützt, sich selber wieder ins rechte Licht zu rücken.
Es geht nicht darum, dass die Kids Spaß haben, es geht darum zu zeigen was man für eine tolle Mutter ist.
Ich habe Monate gebraucht, dass zu sehen. Und ich habe Monate gebraucht mir einzugestehen, dass es letztlich eine Leistung war, meine Nochfrau zu diesem Schritt zu zwingen.
Und ich verwette meine rechte Hand, dass sobald das Publikum diese Show nicht mehr wahrnimmt, beginnt das Spiel von vorn.
Es ist schwer das erlebte in Worte zu fassen. Es mag verbittert klingen, ist es aber nicht - im Gegenteil: denn die Einsicht führt dazu, dass man verzeihen kann. Ich werde zwar mit dieser Frau niemehr an einem Tisch sitzen, aber ich kann normal mit ihr umgehen, wenn es um die Kids geht.
Ich Danke dafür meinen Freunden und meinen Nachbarn. Denn die waren es letztendlich, die mir geholfen haben.
Ich bin jetzt nach Weihnachten natürlich etwas melancholisch und schlicht auch traurig. Klar habe ich meine Kids so oft es geht bei mir. Aber es ist nicht das Gleiche. Dieser Traum, Teil einer intakten Patchworkfamilie zu sein, ist für immer geplatzt. Daran muss ich mich gewöhnen und das dauert länger als mir lieb ist.
Aber ich bin wesentlich gesünder und zufriedener als ich in der Beziehung war. Noch bin ich nicht soweit, etwas Neues zu beginnen - aber ich weiß auch das wird zu seiner Zeit wohl kommen.
Was ich erlebt habe wünsche ich keinem! Aber ich kann sagen Das geht vorbei!
Ich bin stolz da zu stehen, wo ich heute stehe. Stolz auf meine Kinder.
Allen einen guten Rutsch!