NeuBeginn18
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Als wir uns vor knapp zehn Jahren kennenlernten waren wir verzaubert. Wir hatten ähnliches durchgemacht und den Wunsch es besser zu machen. Wir wollten auf uns aufpassen, uns ehrlich gegenübertreten immer. Wir versprachen für uns da zu sein in guten wie in schlechten Zeiten.
Für mich waren es nicht nur Worte es war ein Versprechen. Ein Versprechen gegeben aus dem was einmal mein Herz war. Ich habe versucht dir die starke Schulter zu sein, für dich da zu sein, wenn du dein Leben neu zu ordnen beginnst, uns besser zu machen. Ich wollte Dich glücklich sehen. Du hast es alleine geschafft das war nicht mein Verdienst.
Aber vielleicht ein wenig, weil ich zu dir gestanden habe ohne Vorwürfe, ohne Vorurteile. Als Deine hohen Schulden ans Licht kamen durch Mahnungen im Kleiderschrank habe ich geschluckt, dich in den Arm genommen und gemeinsam an einer Lösung gearbeitet, keine Vorwürfe als ich gesehen habe, dass der Vater deines Sohnes keinen Unterhalt zahlte und Du dies alles mit dir machen ließest. Ich war der Fels, als die gut betuchten Großeltern das reißen an Deinem Sohn anfingen und habe mich dazwischen gestellt als es begann schmutzig zu werden. Sie konnten nicht verstehen, dass auf einmal eine starke Frau vor ihnen stand diese starke Frau warst du immer - ich habe dir nur den Rücken freigehalten. Aus einem gehetzten Leben mit Vollzeitjob und ÖPNV hast du dir einen Teilzeitjob und Auto geschaffen - auch schon vor der Geburt unseres gemeinsamen Sohnes.
Ich habe versucht das Richtige zu tun, als ich merkte, dass dein Sohn Autist ist. Ich habe mich um uns bemüht, manchen Fehler habe ich gemacht, aber alles Tun war immer für uns - für unseren Traum - für meine besondere Frau - für die Kinder.
Ich danke Dir für die schöne Zeit für das damalige Gefühl das Richtige zu tun.
Leider hat es nicht gereicht. Ich bin nicht gut in Wünschen erahnen. Ich bin nicht gut darin Bedürfnisse aus der Luft zu lesen. Ich bin nicht gut darin alles tot zu schweigen und einfach zu warten bis es von alleine besser wird. Ich bin ein Macher.
Ja, ich konnte schlecht verarbeiten, dass mindestens jeder zweite Freund aus der Jugend auch ein 6-Partner war. Anstatt dich damit auseinander zu setzten warum du so warst hast Du getan, was du immer getan hast: Verdrängt. So hatte ich auch keine Chance mich damit auseinander zu setzten. Daher wolltest Du vermutlich den Kontakt zu alten Freunde nicht wiederaufnehmen. Aber anstatt das zu besprechen, wurde verdrängt. Kannst Du dir das Gefühl vorstellen, wenn du in einer Runde mit Freunden sitzt und eigentlich alle waren mit dir im Bett? Wir hätten das aufarbeiten müssen und dann wäre ich damit klargekommen das du nun anders bist.
Ich konnte nicht verstehen, dass Du so wenig Körperkontakt brauchtest, aber anstatt mir das zu sagen hast Du eine Mauer gebaut und mich im vollen Lauf davor rennen lassen.
Du hattest alle Freiheiten, konntest alleine in den Urlaub, Städtereisen machen, auf Partys gehen und bei Freunden übernachten. Wir hatten genug Geld. Es lag ausschließlich in deiner Hand dich glücklich zu machen oder mir eine einfache Frage zu beantworten:
Was brauchst Du von mir, damit du glücklich sein kannst?
Du wusstest es nicht. Nun holt dich deine Verdrängung - dein Schweigen - ein. Es verursacht einen Wirbelsturm der negativen Gefühle in dir. Es muss raus und braucht ein Ventil. Die starke Schulter wird nicht mehr gebraucht. Sie ist zu vernünftig und abgenutzt. Aus dem Gefühl der Sicherheit ist ein Ausbruch leicht.
Nur erkenne ich allmählich wie verzaubert ich war. Es ging dir immer nur um dich. Aus deinem Nichtstun und verdrängen sind drei Schatten geboren. Die Kälte, die Lüge und die Endlichkeit.
Sie zogen in Deine Augen und in deinen Verstand und entfernten das Herz. Sie waren die Helfer zum Ausbruch. Du hast mich gefragt, ob ich mit diesem Leben glücklich sein kann. Ja, ich war es. Wir hatten ein Haus mit großem Garten, sind drei Wochen im Jahr in den Urlaub gefahren, haben neue gemeinsame Freunde gefunden und auch die Patchwork-Kinder wuchsen gut zusammen. Ja, es war viel Arbeit, hat viel Kraft gekostet aber wir waren doch fast am Ziel. Ein Ziel, welches dir plötzlich Angst macht, welches plötzich nicht mehr deines ist. Aber welches es ist, kannst du nicht sagen.
Ich wünsche Dir, dass Du eines Tages erkennst, dass das Gras auf der anderen Seite nicht grüner ist. Das Du erkennst, dass nur Du für Dein Glück verantwortlich bist nicht der Partner. Und das du dann genauso leidest wie ich jetzt.
Ich wünsche mir die Kraft dich loszulassen. Gänzlich und ohne den kleinsten Rest. Die Stärke die Trennung so zu verarbeiten, dass die Narben kaum mehr zu fühlen sind und ich mich eines Tages in eine Frau zu verliebe, die mit sich glücklich ist und mich nur als traumhaftes, süchtig machendes Hobby sieht. Einen Partner, der in die gleiche Richtung blickt und mir die Frage beantwortet und stellt: Das brauche ich von dir, um glücklich zu sein was brauchst Du von mir?
Und nun geh mit Deinen Schatten und lass dich von ihnen leiten und belügen! Die Endlichkeit hat sein Werk bereits getan.