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Die Schatten einer Patchwork-Ehe - ein Tagebuch

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Dies ist der letzte Brief den Du nie lesen wirst. Es ist der Beginn meines Tagebuchs.

Als wir uns vor knapp zehn Jahren kennenlernten waren wir verzaubert. Wir hatten ähnliches durchgemacht und den Wunsch es besser zu machen. Wir wollten auf uns aufpassen, uns ehrlich gegenübertreten immer. Wir versprachen für uns da zu sein in guten wie in schlechten Zeiten.

Für mich waren es nicht nur Worte es war ein Versprechen. Ein Versprechen gegeben aus dem was einmal mein Herz war. Ich habe versucht dir die starke Schulter zu sein, für dich da zu sein, wenn du dein Leben neu zu ordnen beginnst, uns besser zu machen. Ich wollte Dich glücklich sehen. Du hast es alleine geschafft das war nicht mein Verdienst.

Aber vielleicht ein wenig, weil ich zu dir gestanden habe ohne Vorwürfe, ohne Vorurteile. Als Deine hohen Schulden ans Licht kamen durch Mahnungen im Kleiderschrank habe ich geschluckt, dich in den Arm genommen und gemeinsam an einer Lösung gearbeitet, keine Vorwürfe als ich gesehen habe, dass der Vater deines Sohnes keinen Unterhalt zahlte und Du dies alles mit dir machen ließest. Ich war der Fels, als die gut betuchten Großeltern das reißen an Deinem Sohn anfingen und habe mich dazwischen gestellt als es begann schmutzig zu werden. Sie konnten nicht verstehen, dass auf einmal eine starke Frau vor ihnen stand diese starke Frau warst du immer - ich habe dir nur den Rücken freigehalten. Aus einem gehetzten Leben mit Vollzeitjob und ÖPNV hast du dir einen Teilzeitjob und Auto geschaffen - auch schon vor der Geburt unseres gemeinsamen Sohnes.

Ich habe versucht das Richtige zu tun, als ich merkte, dass dein Sohn Autist ist. Ich habe mich um uns bemüht, manchen Fehler habe ich gemacht, aber alles Tun war immer für uns - für unseren Traum - für meine besondere Frau - für die Kinder.

Ich danke Dir für die schöne Zeit für das damalige Gefühl das Richtige zu tun.

Leider hat es nicht gereicht. Ich bin nicht gut in Wünschen erahnen. Ich bin nicht gut darin Bedürfnisse aus der Luft zu lesen. Ich bin nicht gut darin alles tot zu schweigen und einfach zu warten bis es von alleine besser wird. Ich bin ein Macher.

Ja, ich konnte schlecht verarbeiten, dass mindestens jeder zweite Freund aus der Jugend auch ein 6-Partner war. Anstatt dich damit auseinander zu setzten warum du so warst hast Du getan, was du immer getan hast: Verdrängt. So hatte ich auch keine Chance mich damit auseinander zu setzten. Daher wolltest Du vermutlich den Kontakt zu alten Freunde nicht wiederaufnehmen. Aber anstatt das zu besprechen, wurde verdrängt. Kannst Du dir das Gefühl vorstellen, wenn du in einer Runde mit Freunden sitzt und eigentlich alle waren mit dir im Bett? Wir hätten das aufarbeiten müssen und dann wäre ich damit klargekommen das du nun anders bist.

Ich konnte nicht verstehen, dass Du so wenig Körperkontakt brauchtest, aber anstatt mir das zu sagen hast Du eine Mauer gebaut und mich im vollen Lauf davor rennen lassen.

Du hattest alle Freiheiten, konntest alleine in den Urlaub, Städtereisen machen, auf Partys gehen und bei Freunden übernachten. Wir hatten genug Geld. Es lag ausschließlich in deiner Hand dich glücklich zu machen oder mir eine einfache Frage zu beantworten:

Was brauchst Du von mir, damit du glücklich sein kannst?

Du wusstest es nicht. Nun holt dich deine Verdrängung - dein Schweigen - ein. Es verursacht einen Wirbelsturm der negativen Gefühle in dir. Es muss raus und braucht ein Ventil. Die starke Schulter wird nicht mehr gebraucht. Sie ist zu vernünftig und abgenutzt. Aus dem Gefühl der Sicherheit ist ein Ausbruch leicht.

Nur erkenne ich allmählich wie verzaubert ich war. Es ging dir immer nur um dich. Aus deinem Nichtstun und verdrängen sind drei Schatten geboren. Die Kälte, die Lüge und die Endlichkeit.

Sie zogen in Deine Augen und in deinen Verstand und entfernten das Herz. Sie waren die Helfer zum Ausbruch. Du hast mich gefragt, ob ich mit diesem Leben glücklich sein kann. Ja, ich war es. Wir hatten ein Haus mit großem Garten, sind drei Wochen im Jahr in den Urlaub gefahren, haben neue gemeinsame Freunde gefunden und auch die Patchwork-Kinder wuchsen gut zusammen. Ja, es war viel Arbeit, hat viel Kraft gekostet aber wir waren doch fast am Ziel. Ein Ziel, welches dir plötzlich Angst macht, welches plötzich nicht mehr deines ist. Aber welches es ist, kannst du nicht sagen.

Ich wünsche Dir, dass Du eines Tages erkennst, dass das Gras auf der anderen Seite nicht grüner ist. Das Du erkennst, dass nur Du für Dein Glück verantwortlich bist nicht der Partner. Und das du dann genauso leidest wie ich jetzt.

Ich wünsche mir die Kraft dich loszulassen. Gänzlich und ohne den kleinsten Rest. Die Stärke die Trennung so zu verarbeiten, dass die Narben kaum mehr zu fühlen sind und ich mich eines Tages in eine Frau zu verliebe, die mit sich glücklich ist und mich nur als traumhaftes, süchtig machendes Hobby sieht. Einen Partner, der in die gleiche Richtung blickt und mir die Frage beantwortet und stellt: Das brauche ich von dir, um glücklich zu sein was brauchst Du von mir?

Und nun geh mit Deinen Schatten und lass dich von ihnen leiten und belügen! Die Endlichkeit hat sein Werk bereits getan.

22.03.2018 09:38 • x 39 #1


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Jetzt haben wir auch die Wochenenden geregelt, zumindest mal bis Ende Mai. Ihre Jugendliebe, die ja mit der Trennung angeblich überhaupt nichts zu tun hat, ist mit einem Kurztrip Ende Mai quasi enthalten. Aber das ist ok, komischerweise.

Mein Problem ist eher, ich bräuchte viel mehr Distanz und Zeit für mich, kann das aber wegen der Kids und der räumlichen Situation nicht realisieren. Ausserdem habe ich das Gefühl, es ist immer noch so ein Chaos in meinem Leben, obwohl eigentlich objektiv betrachtet für 2,5 Wochen wahsinnig viel geschafft wurde:
Die Wohnungen sind getrennt, es wurden zwei Türen eingesetzt, Kinderzimmer umgezogen, eine Küche gebaut, die Betreuung ist nun aufgeteilt, der Wohnwagen wurde verkauft, ein Hund wurde schon vermittelt, der zweite vermutlich morgen, das Budget für die nächsten Monate steht, sogar die Gütertrennung und der Zugewinnausgleich ist schon besprochen und wir sind uns einig (hoffe das das so bleibt). Ich bekomme das Haus und sie einen fünfstelligen Betrag und das Auto.

Viel mehr gibt es eigentlich nicht mehr zu tun, aber ich fühle mich dennoch so unorganisiert... keine Ahnung woran das liegt.

Heute Abend gehts in Kabarett - den Kopf mal für was anderes nutzen. Samstag habe ich viele Freunde geladen - eine Art Einweihungsparty.

Ich hoffe ich bekomme irgendwann mal wieder Appetit. Die Übelkeit war ganz weg und es ging mir viel Besser. Seit gestern Abend ist es irgendwie wieder schlimmer. Aber ich wusste, dass das passieren wird und war darauf innerlich vobereitet. Es werden noch viele solcher Tage kommen und ich hoffe sie werden immer weniger schlimm... Aber ich weiß auch, das wieder bessere kommen werden.

22.03.2018 14:20 • x 6 #2


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Heute geht es mir wieder besser. Ich war gestern im Kabarett und habe noch lange mit einem Freund gesprochen. Naja, um ehrlich zu sein monologisiert. Fairerweise habe ich ihn vorgewarnt, er solle einfach zuhören - da muss er jetzt durch

Mir ist klar geworden, dass ich der einzige war, der wirklich an das uns geglaubt hat und keine Chance hatte. Die Trennung ist gut für mich. Und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich mir das einrede, es ist tatsächlich eine Überzeugung die mehr und mehr Besitz von meinen Gedanken nimmt.

Ich habe im Oktober 17 gespürt, dass sich die Ehe an einem Scheidepunkt befindet. Ich habe da erkannt, dass ich anfangen muss etwas für mich zu tun und gleichzeitig etwas für uns. Ich habe viel getan. Sie fast nichts.

Sie war unglücklich, wollte viel auf Partys. Ich habe sie gelassen. Sie war überfordert, ich habe mit meinem Chef gesprochen und jeden Freitag Nachmittag freigemacht und bin mit dem Kurzen zum turnen, damit sie einen Nachmittag in der Woche frei hat. Ich habe zusätzlich zu den Hausarbeiten die ich eh schon erledigte (ich koche, putze und kaufe ein - genau wie sie auch) ein wenig mehr übernommen. Ich habe wieder mit Sport begonnen um mich selber wohl zu fühlen und und bis zur Trennung 13 Kg abgenommen.
Ich habe Freizeit geplant, einen Babysitter organisiert, ihr den Wunsch eines zweiten Hundes erfüllt. Ich habe das erste man in meinem Leben Blumen per Post verschickt.

Als sie 7 Woche Grippe hatte, habe ich sie noch mehr unterstützt.

Als ich nach diesen Monaten Magen Darm bekam, machte sie Schluss und ließ mich mit den drei Kids alleine.

Klingt einseitig aber so war es. Der neue wird schon seit Nov./ Dez. eine Rolle gespielt haben und durch mein Tun habe ich nur erreicht, dass ihr die Trennung schwerer viel und diese hinausgezögert wurde.

Das ist die Erkenntnis. Und einmal mehr - wo ein Wille ist, ist ein Weg. Aber ohne Wille eben nicht.

Ich könnte ihr vieles bieten, aber gefühlte Freiheit und Schmetterlinge nicht. Ich habe es eigentlich schon seit Monaten gewusst, aber nicht glauben wollen.

Ich gehe aber mit reinem Herzen aus dieser Geschichte. Ich schäme mich nicht meiner Liebe und habe wirklich alles getan, was ich meiner Familie an Verantwortung entgegenbringen könnte.

Liebe Kids, es tut mir leid für euch. Ich hätte es gerne auch anders gehabt, aber ich werde alles tun um euch zu zeigen, das es sich lohnt zu lieben und nicht jede Beziehung so endlich sein muss.

23.03.2018 06:28 • x 12 #3


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Heute war wieder ein besserer Tag. Ich hatte gestern meinen Einweihungsparty und es ist bis 4 Uhr gegangen. war einfach gut. Wir haben nicht viel über die Trennung gesprochen - ein kurzer Austausch der Neuigkeiten und das wars.

Heute war ich von den Nachbarn zum Grillen eingeladen, also absolut spontan. Sie hatten schon vor einer Woche von meiner Frau gehört, dass sie sich trennt. Scheint ihr wichtig zu sein, das die Trennung von ihr aus geht, ich sage immer nur wir haben uns getrennt. Aber es stimmt ja, von daher ok.

Ich war etwas verwirrt, denn meine Nachbarn, fast schon Freunde, waren erleichtert, dass ich im Haus wohnen bleibe. Sie hätten schon vor Jahren gesehen, das meine Frau nicht zu mir passt und das Leben, welches ich aufbaue nicht mag. Sie sei eine Partyfrau, eine Vorzeigefrau, die ständig überfordert ist und viel Aufmerksamkeit bräuchte. Sie hätten gesehen, dass Ich alles für die Familie getan hätte, während sie rauchend auf dem Balkon stand. Daher sind sie häufig rüber um zu helfen, da meine Frau ja anders zu hatte. sie mögen sie, aber sie sei nicht die fleißigste und hätte gar nicht gepasst. So der Tenor.

Außerdem hat sie sich bei einem früheren Grillen wohl bei einem Bekannten über mich beschwert, weil ich so langweilig wäre. Ich war da wohl gerade die Kinder ins Bett bringen. Nun ja, ich brauche tatsächlich keine Diskotheken mehr und jedes WE Party. Aber langweilig finde ich mich mit Sicherheit nicht. Ziemlich geerdet und bodenständig, das bin ich. Aber ich mache halt lieber was mit der ganzen Familie, als abends raus zu gehen und morgens verkatert die Kids vor die Medien zu setzen.

Ich habe das alles zwar wahrgenommen, aber wusste nicht wie wichtig ihr das ist. Nun ja, jetzt merke ich es ja. Wichtiger als Kinder, Hunde, Haus und Mann und das ganze andere Materielle.

Ich habe mein eigenes Tun nie aufgewogen und geschaut, ob es gerecht ist - die Nachbarn scheinbar schon - und eine Nachbarin ist 75, sie redet mir sicher nicht nach dem Mund. Aber irgendwie war ich wohl naiv.

Diese Nüchternheit der Nachbarn hat mich irgendwie beruhigt aber auch zum Nachdenken in eine andere Richtung gebracht. Diese Selbstverständlichkeit, es war null überraschend für sie, sondern längst überfällig und es schien als wenn sie sich für mich freuten, dass ich sie endlich los bin. Es waren tatsächlich nicht die Worte, sondern die gesamte Reaktion, die mich zu diesen Gedanken führt. war ich wirklich so blind?!?

Heute ist der erste Tag, an dem mein Tun der letzten Tage Früchte zeigt. Ich hatte Ruhe hier oben. Ich dachte es würde mich schlechter gehen, aber es ging überraschend gut. Ein leicht flaues Gefühl im Magen.

Heute wäre eigentlich sie dran die Kinder zu haben, aber sie waren ab morgens bei mir. Wer braucht schon schlaf natürlich ist sie dann auch spontan noch weggefahren einen Kaffee wo auch immer zu trinken - ich lasse sie ziehn. Es ist mir tatsächlich egal und das überrascht mich.

Heute morgen habe ich sie gefragt, ob es ok ist, wenn ich mich nächste Woche um einen notartermin zwecks Trennungsfolgevereinbarung bemühe und sie hat zugestimmt. Ich möchte das in den nächsten Wochen über die Bühne bringen, denn noch sind wir uns einig. vielleicht komme ich tatsächlich gut weg.

Im Moment sieht es eigentlich gut aus. warten wir auf den nächsten Tiefpunkt.

25.03.2018 18:54 • x 1 #4


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Wieder ein paar Tage vergangen und es wird. Gestern war ich mit einer Feundin essen - nur (noch) eine Freundin. Wir haben uns lange nicht gesehen, lange nicht gesprochen und im Moment bin ich egoistisch. Alles von dem ich glaube was mir gut tut, mache ich - ohne Scham. Ich wollte mit einer Frau sprechen, von der ich weiß, dass sie ihren eigenen Kopf und ihre eigene Sicht hat.

Ich habe sie einfach angeschrieben und gefragt. Es war spontan und es war gut sie zu sehen. Irgendwie hat sie dann aber doch mehr gesprochen als ich sie dachte zunächst, ich wollte eine Lückenfüllerin, weil in dieser Hinsicht hat es immer sehr gut geklappt - aber dem ist nicht so. Soweit bin ich noch nicht und wir werden uns auch so schnell nicht wieder sehen, so die Vereinbarung.

Ich hatte vergessen, wie anstrengend das Leben als Single ist. Vor allem wenn Kids da sind. Man hat eine Menge zu tun und ich fange an Dinge zu genießen und zu machen, die ich lange nicht gemacht habe.

Ich singe wieder zur Gitarre und schreibe ein Lied. Meine Frau fand immer albern wenn jemand singt - sie hat mich in 10 Jahren nie gehört. Ich mache ein Fernstudium. ich zocke XBox und bin viel bei Freunden und gewinne sogar neue dazu.

Ich bekomme wieder Appetit und schlafe regelmäßig gut bis sehr gut. Ich denke nicht mehr so oft an die Ehe, aber immer noch zu oft. Es scheint, dass dieses Erlebnis mit den Nachbarn mir ganz schön die Augen geöffnet hat. Dazu dieses Forum, Freunde. irgendwie läuft es.

Vermutlich ist es auch hier die 80/20 Regel: 80% des Schmerzes vergeht relativ schnell und für die restlichen 20% braucht man Ewigkeiten.

Die Scheidungsfolgenvereinbarung liegt beim Notar. Heute muss ich noch einige Infos nachliefern, dann gibt es das Angebot. Ich möchte das diesen Monat durch haben. dann ist auch das Letzte in trockenen Tüchern. und das ist wichtig!

Es scheint, als würde sie sehen, dass gerade eine Veränderung mit mir vorgeht. Sie musste gestern zufällig zur Wohnungstüre, als ich mich zum Essengehen aufgemacht habe. Wenn ich eine Nachricht, Fragen zur scheidungsfolgenvereinbarung, schreibe antwortet sie nun sehr schnell. vor ein paar Tagen war das anders. Vielleicht Einbildung, Zufall oder sie fühlt sich selber besser, weil es mir besser geht und sie vielleicht doch ein schlechtes Gewissen hat. vielleicht aber auch ein erstes Anzeichen für ein erwachen. wäre eigentlich viel zu früh. Bis dahin muss die Vereinbarung durch sein - denn ich will absolut nichts mehr.

28.03.2018 05:52 • x 1 #5


solonely

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Du gehst Deinen Weg und bist ein Vorbild für viele Menschen hier.
Alles Gute für die nächsten Schritte
Solonely

28.03.2018 06:32 • x 3 #6


tonja

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Guten Morgen Neubeginn,
es fügt sich bei dir! Es ist schön zu lesen, dass du dich selbst auch wieder wahr nimmst, Dinge tust, die dir persönlich gut tun. Und nein, das ist kein Egoismus. Das ist wichtig! Wichtig dass du für dich ausgeglichen bist, dass du Kraft schöpfst, dass du stark bist für dich und die Kinder, für euer gemeinsames Leben. Du musst dich wohlfühlen in deinem Leben.
Natürlich ist da noch der Schmerz und auch Trauer und das wird dich auch noch einige Zeit begleiten, aber auch das gehört dazu.
Nachdem du mit deinen Nachbarn gesprochen hast, siehst du deine Frau nochmal mit etwas anderen Augen, siehst die Dinge ein wenig differenzierter, von einer anderen Seite und das macht es dir wieder ein kleines Stück leichter zu verarbeiten, loszulassen.
Bleibe auf deinem Weg, du machst es wirklich gut!
Warum sie jetzt gleich auf Nachrichten antwortet, warum sie zur Tür muss als du Essen gehst? Gibt verschiedene Gründe. Aber der gängigste ist meistens, dass sie die Neugierde plagt und das sie ein wenig Macht über dich behalten möchte. Auch wenn sie sich getrennt hat, verletzt es ihr Ego, wenn sie sieht, wie gut es dir geht, dass du schick ausgehst, dass du Frauen triffst, flirtest, what ever. Und nun sucht sie einen Weg um an Informationen zu kommen.

28.03.2018 06:57 • x 2 #7


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Danke euch!

Tonja, das könnte gut sein, aber eigentlich ist es mir tatsächlich nicht wichtig und ich würde auch andere Gründe akzeptieren, sogar besser finden.

Ein Mensch, der so auf Aufmerksamkeit aus ist, kann wohl schlecht verstehen, dass er eben diese nicht mehr bekommt. Vielleicht ist es auch wirklich die Erleichterung ihres Gewissens, wenn sie sieht das ich nicht so leide - das hoffe ich, aber glaube ich das?

Heute morgen, nach dem ich den obigen Post geschrieben habe, rief auch promt der Kleine wieder auf meinem Handy an (ich bin immer früh aus dem Haus) um mir einen guten Tag zu wünschen. Vor der Trennung war das fast jeden Morgen so, in den letzten Wochen nicht mehr. Aber ein kleines Kind wäre ja mit den Worten willst du nicht mal den Papa anrufen auch leicht zu manipulieren. Ich gebe zu, dass an dem zweiten WE wo sie weg war, ich eben dies in Erwägung gezogen habe, aber wollte dann die Kinder nicht in ein solches Spiel reinziehen.

Ich hoffe, dass es doch anders ist und sich aus diesem Gefühl bei ihr in den nächsten Wochen und Monaten nicht der Wunsch entwickelt wieder mehr Kontakt zu mir zu haben. Denn das würde ich zu verhindern wissen und ob sie so überlegt mit der Niederlage umzugehen vermag weiß ich nicht.

Ich halte das nicht für unwahrscheinlich, denn den Mann, von dem sie sich getrennt hat, hat es so nie gegeben. Die paar oberflächlichen Gründe die ich kenne passten einfach nicht zu mir, das war ich nicht. Es war ein Konstrukt aus ihrem Gedankenkarusell, das die Frage zu beantworten suchte, warum sie nicht glücklich ist - so meine Vermutung. Und der Grund musste zwangsläufig bei mir liegen, da sie ja alle Freiheiten hatte auf Partys zu gehen, in Urlaub zu fahren, ich habe sie in ihrem Hobby unterstützt, etc.

Eigentlich auch kein Wunder, dass wir uns nicht mehr kannten. Wir konnten eigentlich nie gemeinsam richtig raus gehen, weil wir keine Großeltern haben, die den kleinen betreuen. Daher konnte sie nicht mehr wissen, wie ich mich im Partyumfeld bewege, wie andere - auch Frauen - auf mich reagieren, wie ich dann so bin.

Und nun sieht sie zunehmend, dass ich sie nicht gebraucht habe, sondern vielleicht einfach gerne mit ihr zusammen war.

Ich wollte genau da ansetzen, ich habe es bereits im Oktober erkannt, dass wir uns festgefahren haben. Aber dazu gehören zwei und dazu gehört Geduld.
Nun will ich nicht mehr. Ich spüre wie eine unglaubliche Leidenschaft für das Leben erwacht - noch zaghaft und von meinem Verstand mit Den Worten das kann nicht sein abgewiesen, aber da kommt was.

Ich merke, dass ich ganz langsam wieder zu dem Menschen werde, der ich mal war. wann hast du eigentlich mal schlechte Laune? oder du hast immer ein Lächeln . Das waren Worte die ich früher öfter gehört habe. Ich hatte das vergessen. Gestern beim Essen kam es wieder und damit die Erinnerung: immer noch der naive Optimist mit seinem chronischen Mundwinkel leiden. das war immer ihre Umschreibung für mein grinsen. wir haben uns 10 Jahre nicht gesehen.

Ich bin gespannt wie es sich entwickelt.

Heute habe ich Ihren und meine Sohn oben und den Rest der Woche habe ich verplant. Sonntag habe ich allerdings für die Kids auf ein gemeinsames Frühstück und Eiersuchen bestanden - das sind wir Ihnen schuldig. Wenn ich Ihnen schon keine Konstante Beziehung vorleben kann, dann doch wenigstens den Bestand ihrer Lieblingsmenschen.

Drückt mir die Daumen!

28.03.2018 11:32 • x 2 #8


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Heute ist wieder einer dieser nicht aufregen sondern nur wundern Tage. Vermutlich erwarte ich einfach zuviel.

Ich bin nicht sicher, wie das mit der Hausüberschreibung genau funktioniert. Sicher ist nur, das die Überschreibung idealerweise gemacht wird, während sie noch darin wohnt. Ansonsten wäre für die Abschlagszahlung an meine Frau unter Umständen Einkommenssteuer fällig (Bedingung 10 Jahre halten oder bis zum Verkauf selbst bewohnt; letzte Bedingung wäre nicht erfüllt also Steuerpflichtiges Geschäft). Ist ja nicht nötig.

Außerdem möchte ich gerne so wenig wie möglich an den Notar überweisen. Stellt sich also die Frage, ob man nicht direkt eine Überschreibung macht mit Abstandszahlung und dann über den wesentlich geringeren Vermögenswert die Scheidungsvereinbarung. Ansonsten würde man für die Immobilie eben doppelt zahlen oder ich irre mich.

Ich also einen Beratungstermin für nächste Woche beim Notar gemacht. soweit so gut.

Wir/ ich sind halt super schnell mit der Abwicklung - locker zwei Monate vor dem Plan. wenn die Hausübertragung nun auch schnell gehen sollte, könnte sie eigentlich auch schon spätestens August raus. Ich würde gerne im Mai mit der Bank sprechen. Ab da kam keine vernünftige Antwort mehr.

Dann habe ich noch geschrieben, sie möge doch bitte die Trennung bei der Stadt zwecks drastischer Reduzierung der Kitabeiträge angeben (Kostenreduzierung ca. 250 eur monatlich). Keine Antwort.

Also nicht das der Eindruck entsteht ich würde sie zurexten: 4 sms habe ich zu diesen Themen geschrieben. ist ja schon wichtig! Und ich möchte ja auch weiter leben.

Naja, ich bin ja der Trottel der macht, also braucht sie sich vermutlich nicht kümmern. oder ihr wird bewusst, dass in zwei Monaten mal so langsam mit der Suche beginnen muss.

Oder sie will es weiter bequem haben. Wenn für die emotional alles geklärt ist, wohnt ja der Trottel oben, der babysitten kann. Jetzt kann ich den Kleinen halt noch in der Woche nehmen, da er morgens zu ihr kann, wenn ich los muss - das geht in einer neuen Wohnung natürlich nicht mehr.

Wie auch immer, es ist wie es schon lange war. Ich packe an und kläre die Situation und Madame lässt machen. ist ja nicht mehr lange und letztlich ist es mein Vorteil.

29.03.2018 18:17 • x 2 #9


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Ich frage mich manchmal ob ich vor mir - meinen Emotionen - weglaufe. Ob ich diese in Arbeit ertränke und einfach nur verdränge. Ich habe tatsächlich Angst, dass ich nochmal in dieses Loch falle.

Dann aber merke ich, dass ich nicht falle sondern renne. Ich renne durch das Chaos. Ich lasse in einem Tempo Dinge hinter mir, dass ich kaum glauben kann, dass diese schon erledigt sind. Ich renne hier wie im echten Leben. Und es fühlt sich befreiend an. Jedes Stück wiegt nur wenige Gramm. Aber zusammen ist schon soviel Ballast weg, das ich mich befreiter fühle als ich es noch vor Tagen für möglich gehalten hätte. Kommt noch der Einbruch?

Sie fehlt mir. Ihr Geruch, ihre Stimme, ihre Augen, ihre warme Haut. Ich habe sie geliebt, ein Teil liebt sie immer noch. Es war nicht alles schlecht. Sie war meine Frau.

Aber das Ende der Beziehung. Diese Kälte. Diese Lügen obwohl ich nicht belogen hätte werden müssen. Dieser Egoismus. Dieser eisige Blick.

Ich kann sie nicht mehr respektieren, das ist es wohl. Ich habe tatsächlich jede Achtung verloren. Was für eine Mutter lässt die eigenen Kinder mit einem magen-Darm kranken Mann alleine um ihr Ding zu machen?

Nein, ich werde in kein Loch fallen. Der Mensch, der mir einmal wichtig war ist tatsächlich gestorben. Nie mehr werden meine Augen die Frau sehen, die ich einst geliebt habe. Ihre Hülle vielleicht. Aber nie mehr meine Frau. Ich bin traurig. Aber ich bin am Leben. Denn ich habe das getan was ich konnte. Meine Augen waren nie leer.

Mit ihr verschwindet ein Teil von mir. Aber es wird sich wieder fügen. Ein neues Teil wird sich einfügen. Und ich bin neugierig wie es sich anfühlen wird.

Ich lebe wieder - mehr als nur das überleben der letzten Wochen.

Gute Nacht

30.03.2018 00:03 • x 4 #10


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Jetzt ist es Wut! Und ich muss mich wirklich beherrschen. Nachdem ich zur Ruhe gekommen war und es mir eigentlich gut ging. was ist passiert?

Eigentlich wollte ich heute Abend raus. Leider klappt das nicht, weil der Freund sich um die Familie kümmern muss - ist was schlimmes passiert.

Ich bekam dann vorhin eine Nachricht, dass sie heute Abend Freunde zu Besuch hat und später wenn der kleine schläft käme auch der neue. Die neue Partnerschaft ist nun offiziell. Wäre ja wohl kein Problem ich sei ja nicht da.

Ich könnte platzen. Morgen sind es vier Wochen, wir hatten die Vereinbarung, dass der neue nicht kommt, bis ich das ok gebe weil ich es verarbeitet habe. Das sie einen neuen hat ist an sich ok, aber muss er jetzt schon in die Familie eindringen? Was ist wenn der kleine wach wird - muss er schon, wenn auch nur als normaler Freund - vorgestellt werden? Was passiert hier gerade?

Ich bin so geladen! Ich war schon laufen aber es hilft nicht. ich würde am liebsten alles hinschmeißen.

30.03.2018 13:32 • x 1 #11


solonely

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@ NeuBehinn18
Du hast so viel Stärke bewiesen und wirst Dich von ihrem Stil doch nicht unterkriegen lassen
Der wahre Charakter eines Menschen zeigt sich wenn er geht - sei froh, dass Du Dein Leben nun ohne diese Frau aufbauen kannst

30.03.2018 14:09 • x 3 #12


Otten82

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Du machst das alles total super, ich bin echt beeindruckt. Falls ich mich mal scheiden lasse würde ich mich von dir bezgl. der Abwicklung beraten lassen.

Lass dich nicht von ihr ägern. Kannst du keinen anderen Freund / Kumpel/ Freundin anrufen ? Dich einfach heute alleine aus dem Staub machen ?
Klar ist das doof mit dem neuen, ich denke aber es würde dich in ein paar Wochen genauso ärgern wie jetzt. Sei froh, wenn du das heute hinter dir hast. So ist wieder ein Schritt des Weges gegangen.

Und wie gesagt, geh heute Abend im Zweifel essen oder ins Kino oder sonstwas.

30.03.2018 14:25 • x 2 #13


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Nein, ich habe genau hier die Grenze gezogen. Ich akzeptiere alles aber wir haben vereinbart die Kids bleiben außen vor und er kommt nicht bis ich sage, dass es ok für mich ist. Und das ist es nicht, wenn der kleine bei ihr ist und der neue kommt. Wird er wach, lernt mein Sohn ihn kennen - und Kinder sind nicht doof.

Sollte er hier auftauchen bevor ich das ok gebe und vor allem wenn der kleine bei ihr ist hat sie am nächsten Tag kein Auto mehr und ich kläre das sofort mit der Bank. Das weiß sie aber noch nicht, denn ich drohe nicht - noch appelliere ich an ihren Verstand. Ich habe sehr gute Freunde und einen super Chef. Ich packe das. Für eine schmutzige Scheidung hat sie nicht die power - zumal sie weiß, dass sie das dann verursacht hat. Und sie kennt mich.

Ich bin nur ein Mensch und habe Grenzen. Und diese Grenze ist erreicht, wenn solche Menschen in mein Reich eindringen.

Ich bekomme das auch so hin, wird halt dann ein Jahr eng, aber das geht schon. Und nun bin ich froh so schnell gewesen zu sein.

Ich denke ich brauche noch ca. 1 Monat, dann ist das ok wenn er hier ist. Aber auch nur wenn der kleine nicht bei ihr ist sondern hier bei mir. Das muss auszuhalten sein.

Geht mir schon wieder besser

30.03.2018 14:42 • x 3 #14


Otten82

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Ah okay, auch gut.

Kannst du denn heute Abend mal raus ? Oder möchtest du warten und schauen ob ihr " Neuer " kommt oder nicht ?

30.03.2018 15:04 • x 1 #15




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