Zitat:Keine Ahnung, hab halt wieder Helfersyndrom-Rückfälle und würde sie gerne davor bewahren, dass sie das Studium jetzt wegwirft. Aber irgendwie drängt es mich auch ihr einfach morgen ihre Sachen zu bringen, Fragen zu stellen (z. B. warum sie mir nicht endlich mal Klartext gibt und mich in den sozialen Netzwerken löscht).
Hallo Keiler,
da war @Pfeil63 schneller als ich

.
Ich sehe es auch so - Du hast jetzt solange gewartet - was zählen da noch die wenigen Tage bis zur Klausur ?
Die noch abzuwarten wäre doch auch ein guter Kompromiß zwischen Helfersyndrom und Deinem eigenen Bedürfnis mal Klartext zu reden.
Ich kann verstehen, daß es Dich bei dem Gedanken schüttelt, daß sie nun alles in den Teich setzt, wofür sie jahrelang gearbeitet hat. Doch warum solltest Du jetzt noch einen Teil dazu beitragen, indem Du ihr kurz vor knapp ein emotional aufwühlendes Gespräch abverlangst ?
Wie ihre rechtliche Situation an der Uni aussieht, wird sie ja doch selber wissen.
Traue ihr zu, daß sie die für ihr Leben richtige Entscheidung trifft. Dies darf auch eine sein, die aus Deiner Sicht völlig falsch ist. Vielleicht kommt es so, wie Du befürchtest. Aber dann soll es so sein.
Wie Pfeil ganz richtig schreibt geht die Welt von einem versemmelten Abschluss nicht unter. Notfalls wird sie ihren beruflichen Weg eben ohne Abschluss machen müssen. Jammerschade, aber ihr Leben, ihre Entscheidung.
Für eine Vertagung des Gesprächs spricht, daß Du damit zeigst, daß Du Rücksicht auf den für sie wichtigen Termin am Samstag nimmst. Gleichzeitig trittst Du damit aktiv aus der Berater-Rolle zurück, die sie von Dir nicht will. Zollst also ihrem Wunsch nach Eigenständigkeit Respekt. Und schaffst damit gleichzeitig für Euer Gespräch auch einen Freiraum, wo es nicht mehr um ihren beruflichen Weg geht, sondern nur noch ihr beide auf der Agenda steht.
Dem Retter in Dir mag ich außerdem sagen - Du bist nicht ihr Vater, doch wenn Du Dich gerade mal wieder so fühlst, dann mache Dir bewusst:
Selbst für Eltern kommt die Zeit, wo sie zulassen müssen, daß ihre Kinder sich als junge Erwachsene abnabeln. Dies ist zu respektieren. Kinder haben ein Recht auf die eigenen Entscheidungen und auf die eigenen Fehler. Nur so können sie ihre eigenen Erfahrungen machen, die unabdingbar sind, um fest auf eigenen Füssen zu stehen.
Und wenn es schief geht, Fehlentscheidungen getroffen werden, dann besteht die Rolle von Eltern idealerweise nicht darin, vorwurfsvoll zu erklären, daß sie es besser gewusst haben. Sie besteht darin, zu trösten, zu ermutigen und zurückhaltend wieder auf die Beine zu helfen. Um dann erneut loszulassen. Für den nächsten Fehler

Oder natürlich - was man sich wünscht - einen Erfolg.
Liebe Grüße