Zitat von KleinerKobold: Das Problem war auch nicht, dass cih selbst nicht in der Lage wäre mich auszudrücken oder zu kommunizieren. Das Problem war vielmehr, dass ich nach der ersten Satzhälfte bereits unterbrochen wurde mit "Du musst aber auch...", "Ich habs dir doch gleich gesagt" oder "Kenn ich, ist bei mir genauso, nur schlimmer". Hatte ich ein Problem, konnte ich dieses nicht zuende schildern, sondern wurde unterbrochen mit Tipps, die mir sämtliche Freunde und meinen Arbeitsplatz geraubt hätten.
Danke für Deinen Beitrag! So perfekt ausgedrückt hab' ich das noch nie gelesen.
Eben so ein Szenario hatte ich im Hinterkopf, als ich dies hier einschob:
Zitat von Blanca: Oder hinderst Du sie etwa am Reden, indem Du sie sofort unterbrichst sobald sie es tatsächlich mal tut, weil Du eh alles besser weißt und kannst?
Allerdings wollte ich es an der Stelle noch nicht so konkretisieren, wie @KleinerKobold es nun dankbarerweise getan hat.
Wenn ich nun jedoch lese...
Zitat von novus: Und aufgefallen ist es mir, nachdem ich bei einer Diskussion, wo ich kurz angebunden war nicht viel gesagt habe und dann irgendwo hin gefahren bin. Und da meinte sie halt "Gott sei dank, nicht nochmal alles schon wieder bis zum erbrechen diskutieren".
... dann kommen wir der Sache doch etwas näher.
Und auch hier bietet die Antwort von @KleinerKobold eine mögliche Schlussfolgerung:
Zitat von KleinerKobold: Irgendwann habe ich mich gefragt, wann ich eigentlich zu einer Person geworden bin, die man nach drei Worten unterbrechen kann, weil das alles unwichtig ist und man selbst ein viel wichtigeres Anliegen hat. Ja und dann war tatsächlich irgendwann die Liebe weg.
Zwar habe ich sowas in meinen Paarbeziehungen nicht erlebt, aber genau das ist der Grund, weshalb ich Abstand zu einem meiner Brüder halte. Er ist über ein Jahrzehnt älter als ich und genau so lief es ständig ab.
Anders als die Frau des TE habe ich zwar immer wieder aufbegehrt, aber er kann offenbar nicht anders und natürlich war mir stets klar, daß er es nur gut mit mir meint - auch wenn seine Besserwisserei mich nervte und seine Ratschläge mich die Karriere gekostet hätten. Blut ist dicker als Wasser - also telefonieren wir seltener, sparen bestimmte Themen möglichst aus und natürlich liebt seine kleine Schwester (moi) ihn immer noch.
Auch ich habe mir die Frage gestellt, wann ich zu einer Person wurde, die er ständig so meint unterbrechen zu dürfen. In meinem Fall liess sich das relativ rasch mit "ab Geburt" beantworten, denn er war der älteste und ich die jüngste in der Familie. Einmal in der Schublade drin, kommt man da eh nicht mehr raus, also: Abstand! Was auch kein Problem ist, da wir eh seit Jahrzehnten in verschiedenen Regionen leben.
Ob es bei der Frau des TE auch so gelaufen ist wie Du von Dir schilderst, wird der TE besser beurteilen können als wir, die wir bei den Gesprächen nicht Mäuschen spielen. Falls ja, kann man da sicher dran arbeiten, eine Therapie machen die beiden ja bereits.
Zitat von KleinerKobold: Ich bin jetzt fast 10 Jahre alleine und das ist die beste Zeit meines Lebens.
Zitat von KleinerKobold: Mein Ex ist kein schlechter Mensch, wir vertragen uns mittlerweile wieder recht gut, aber die Gefühle sind weg und kommen nicht wieder.
Hoffen wir mal, daß es bei der Frau des TE noch 5 vor 12 ist und ihre Gefühle für ihn nur verschüttet, aber nicht gestorben sind - falls sie denn je real existierten und und sie ihm und auch sich selbst (!) nicht etwa von Anfang an diesbezüglich was vorgemacht hat.
Zitat von KleinerKobold: Er hat sich durchaus auch Mühe gegeben, aber wir sind wohl einfach zu unterschiedlich
OK - dann allerdings lag das Problem schon in der Partnerwahl - wie so oft. IMO ein wichtiger Hinweis an den TE. Denn wie gesagt: Beziehungen werden nicht nur von einem geführt und verbiegen sollte man sich auch nicht ständig müssen.
Sollte sich am Ende herausstellen, daß seine Frau schon von Anfang an ein Problem mit seiner fordernden Kommunikationsweise hatte, dann wäre da auch bei ihr gehörig was schiefgelaufen über die Jahre. Weder war sie gezwungen, ihn zu ehelichen, noch sich immer weiter ins Drama reinzureiten, indem sie schwieg und dann auch noch eine Familie mit ihm gründete, etc. - obwohl sie tief im Inneren längst zweifelte.
Das wäre ggfs ihr Anteil an der Situation, so wie er seinen daran hat. Allerdings sehe ich da immer noch einen kleinen, aber feinen Unterschied: Er hat nie ein Hehl daraus gemacht, wie er ist und offen so kommuniziert (ob's nun unangenehm war oder nicht). Aber sie hat sich ggfs. über ein Jahrzehnt hinweg verstellt und das empfinde ich als hinterfotzig.
Da würde ich schon auf eine Begründung pochen, warum sie sich überhaupt auf ihn einliess, obwohl sie genau wusste, wie er tickt.