Hallo zusammen,
ich kann zu diesem Thema auch von mir berichten:
Meine Ehe 2.0. oder besser gesagt der Versuch dessen existiert seit zwei Jahren.
Mein Mann hatte eine mehrmonatige Affäre, während der viel passiert ist, das mich sehr verletzt hat. Sie war danach beendet und wir haben es wieder miteinander versucht.
Abgekürzt, wo ich heute stehe: Mir ist bis heute leider nicht gelungen, das Geschehene zu akzeptieren und die Verletzungen zu verarbeiten.
Auch habe ich nun deutlich gemerkt, dass ich meinen Mann mit dem, wie er sich damals verhalten hat, nicht akzeptieren kann- dass er mit unserer Ehe quasi abgeschlossen hat, ohne jemals Probleme, Wünsche, seinen Ärger anzusprechen. Dass er mich im Grunde verlassen hat, ohne, dass ich es wusste.
Vieles, das hier genannt wurde, kenne ich. Mein Mann hat mich unglaublich durch den Dreck gezogen und dreiste Lügen verbreitet, um mich schlecht (und sich selbst besser bzw. als das Opfer) darzustellen.
Nach außen hat er es auch so kommuniziert, dass er quasi bereits die Trennung ausgesprochen hat. Das alles ist jedoch niemals passiert. Sein ganzer Frust über die Ehe hat sich in Wut umgewandelt und ich allein war die Schuldige. Ich kann zwar rational nachvollziehen, wie es dazu kommen kann, dass bestimmte Menschen sich so verhalten, jedoch kann ich es nicht akzeptieren für mich. Das ist eine zu große Hürde für mich, auch wenn es schon lange vorbei ist und mein Mann es eingesehen hat.
Für mich war es sehr schwer, dass ein Mensch mich dermaßen verraten und gedemütigt hat, dem ich vertraut habe- nur weil er nicht kommunizieren und Konflikte lösen konnte. Damit ist leider für mich wohl die Basis kaputt gegangen, das Vertrauen in ihn als Menschen. Damit meine ich nicht das Vertrauen in die Treue, sondern Vertrauen darauf, dass Probleme besprochen werden können, da, wo sie hingehören. Oder dass er zu seinem Handeln steht und ehrlich ist.
Die Zeit und auch der Umstand, dass er an sich arbeitet und die Vergangeheit (soweit ihm möglich) für sich reflektiert hat, können aber auch nicht alles reparieren. Mir ist leider nicht möglich, mich ganz auf ihn und die Beziehung einzulassen- sobald Harmonie einkehrt und ich mich gut fühle, kommt der innere Widerstand, und er äußert sich in dem unangenehme Erinnerungen kommen, Wut und Enttäuschung, innere Abkehr, Vorwürfe. Das ist auf die Dauer nicht gut für niemanden.
Wobei ich heute bei Verena König gehört habe, dass es wohl keine Widerstände bei der Heilung gibt, sondern es vielmehr Schutzstrategien sind vor unseren Verletzungen, die nicht geheilt sind.
Ich musste mir eingestehen, dass ich einfach nicht bereit dazu bin, mich wirklich einzulassen. Ich stehe mir da quasi selbst im Weg…. Ich denke, dass ich im Inneren eine fürchterliche Angst davor habe, wieder verletzt und verraten zu werden.
In meiner Therapie habe ich gelernt, dass sein Handeln zunächst viel mit ihm selbst zu tun hat, und ich der Kollateralschaden bin. Insofern kann ich @Martin123 verstehen, da ich auch versuche, meinen Mann mit seinem damaligen Handeln zu akzeptieren als Mensch mit dem Mist im „Gesamtpaket“.
Leider habe ich auch alles, was passiert ist, sehr gegen mich selbst gerichtet (obwohl ich es rational besser weiss!), weshalb mein Selbstbild und Selbstwert nachhaltig sehr darunter gelitten haben. Das ist jetzt meine große Baustelle.
Wenn ich tief in mir überzeugt bin, dass ich nicht gut genug bin (für meinen Mann, für eine glückliche Beziehung, für irgendeinen Mann und so weiter), dann vermeide ich im Grunde, mich mit der eigentlich relevanten Frage zu beschäftigen, ob mein Mann für mich der Richtige ist und passend genug….
Für die Ehe 2.0 braucht es zwei. Bei uns ist es einer, der wirklich da ist. Ich bin an diesem Punkt leider (noch) nicht angekommen.
Ich bewundere alle Paare, die es geschafft haben. Höchster Respekt.