Zitat von alleswirdbesser: Wenn ich von mir ausgehen darf - mich interessieren andere Männer nicht, wenn ich mit dem Mann zusammen bin, den ich liebe.
Ja, hierin sind wir uns dann sehr ähnlich (mit Ausnahme, dass es bei mir um Frauen und nicht um Männer geht

).
Wo unsere Unterschiede liegen, das werden hauptsächlich die Reaktionen und Konsequenzen sein. Denn für mich bedeuten "Betrug" oder Affäre eben nicht das Ende der Beziehung. Außer eben, die Frau verknallt sich so schwerwiegend, dass sie von sich aus das Weite sucht. Was mich betrifft, kann ich sagen: Weder werfe ich sie raus noch halte ich sie zurück.
Wenn ich mal so überlege, so habe ich von mir aus überhaupt erst eine Beziehung beendet (wenn man mal von den jugendlichen Wirrnissen absieht). Diese Beziehung war zwar sexuell herausragend, aber geistig und seelisch so gut wie gar nicht vorhanden (ganz andere Welten, gelinde gesagt). Und nur diese sexuelle Vergnügungs-Bindung, das bringt mich zum Verkümmern, und sei der Sex noch so toll. Das reicht auf Dauer einfach nicht.
Zitat von alleswirdbesser: Ob man zwei Menschen lieben und begehren kann, weiß ich einfach nicht.
Dazu meine ich, es wird halt, beachtet man die Feinheiten, recht unterschiedliche Arten von Liebe geben.
Das kenne ich aus meinem eigenen Leben. Ich kann mit einer Frau z. B. seelisch sehr innig sein, ohne dass irgendeine Art von sexuellem Begehren vorhanden wäre (von beiden Seiten aus). Oder auch geistig.
Wenn von Liebe gesprochen wird, wird aber meist automatisch jene gemeint, die eben nicht unwesentlich von sexuellem Begehren getragen ist. Und gerade diese scheint die meisten Probleme zu bereiten. Interessanterweise.
Und geht es zentral um das sexuelle Begehren, wird, wie ich glaube, halt auch die sogenannte Libido eine wichtige Rolle spielen. Oder auch bestimmte Vorlieben und Fertigkeiten mögen ausschlaggebend sein, wie "treu" jemand ist.
Mir wird halt hier immer viel zu sehr und viel zu impulsiv über einen Kamm geschoren. Und das widerstrebt mir - in allen Bereichen übrigens, aber Sex scheint halt irgendwie nach wie vor ein besonderer Ausnahmefall zu sein und deshalb wohl diese vielfachen emotionalen Reaktionen.
Zitat von alleswirdbesser: Oder ich entscheide mich für eine Affäre, weil ich meinen Bedürfnissen nachgehen möchte. Wenn wirklich starke Gefühle im Spiel sind, trennt man sich nach ein paar Monaten trotzdem, weil es unfair ist seine alte Liebe im Ungewissen zu lassen und sie nur als back up zu behalten, sollte es mit der Affäre nicht funktionieren.
Naja, das ist es eben, was mir als der übliche Verlauf erscheint. Also dass man ein paar Monate (unter erschwerten Bedingungen) erst einmal sieht, wie es mit dem anderen Menschen so läuft (gewissermaßen das Gebot der Vernunft). Aber das bedeutet doch, wenn ich mich nicht irre, den Partner zumindest monatelang zu betrügen, zu hintergehen, ihm das Abenteuer zu verschweigen. Und in dem Fall hättest doch Du selber ebenso die entfederten Fremdgangs-Aasgeier am Hals. Oder würdest bei Deinem angestammten Partner, so er diesbezüglich hochempfindlich ist, sogar ein - vielleicht auch noch therapieresistentes - Trauma verursachen.
Mir scheint es doch vielfach so zu sein, dass jemand hier unvermeidlich in ein Drama gerät, aus dem es einen für alle günstigen Ausgang gar nicht geben kann (außer es ginge sich ganz offiziell eine Dreierbeziehung aus; aber das ist ja der extreme Ausnahmefall).
Für mich jedenfalls machte es keinen Unterschied, ob eine Frau, der ich liebend verbunden bin, mir sagt, sie verlasse mich, weil ich ihr zu verbockt (verstört, langweilig, blöd, uninteressant, melancholisch ...) sei, oder sie sagte, sie verlasse mich, weil sie Gefühle für einen anderen entwickelt habe und sie mir das gleich sagen wolle der Aufrichtigkeit halber, oder sie sagte, sie verlasse mich wegen eines anderen und mit dem habe sie seit fünf Jahren schon gut und gerne 1826x gep*o*ppt. Das leuchtet mir eben nicht ein, wo hier nun das Edlere oder Vorteilhaftere sein sollte (aus Empfindungssicht des Verlassenen). Während ich eben kein Problem damit habe, wenn meine Partnerin sich halt dann und wann auch Fremdgelüsten überlässt (alleine schon, weil mir das in der Natur der Sache zu liegen scheint und ich es weder für abwegig noch für "betrügerisch" halte). Mir ist eben, ich habe es schon gesagt, das wirklich Wesentliche die Herzensinnigkeit. Und unter dieser Gefühlslage kann schon so einiges passieren, ohne dass gleich alles ins Wanken und Zerbersten gerät. (Wo ich mich vielleicht auch ein wenig "betrogen" fühlen könnte, ist, wenn mir jemand, vielleicht noch dazu über längere Zeit, eine solche Herzensinnigkeit nur vorgaukelt. Ja, dann würde ich mich auch verarscht fühlen. Würde die Fehlleistung aber dennoch bei mir sehen, weil ich mich eben täuschen und mückenhaft umschwirren habe lassen.)
Aber damit tanze ich wohl gehörig aus der Reihe. Macht aber nichts, denn das ist ohnehin mein allgemeiner schicksalhafter heiterer Lebensweg.
