Hallo Kinbakubi,
ein Thema dieses Forums ist ja auch das Loslassen, nachdem die Trennung im Raum steht.
In diesem Stadium bist Du ja nun.
Also jetzt mal ganz praktisch:
Konzentriere Deine Energie auf Dich. Alle Gedanken (und hier im Forum aufgeschriebenen Worte) zu X (und Y), was er sagt, denkt, ist und antwortet, ist ab jetzt nicht mehr wichtig. Verschwende Deine knappe Energie nicht darauf. Bringt nichts.
Du bist wichtig.
Auch wichtig sind Kinder, Freunde, Verwandte.
Aber zuallerst mal Du, denn Dich selbst kannst Du beeinflussen und steuern.
Wenn der Entschluss jetzt ist, bis Abi und Pappe des Sohns durchzuhalten und danach solo durchzustarten, dann geh das geschäftsmäßig an (auch, um nicht in die "bin doch noch nicht so weit, dann eben Ende Januar, nach Ostern, im Sommer, zum 30.9., usw."-Falle zu geraten.
Mach zwei Listen für das Leben "bis zum Sprung" und das Leben "nach dem Sprung". Listen nur für Dich:
- Was willst Du noch erleben, kaufen, zur Seite legen, während Dir die gewohnten Ressourcen noch zur Verfügung stehen?
- Und welche "Goodies" braucht Deine Seele, um bis dahin durchzuhalten (materielle und immaterielle)?
Sorg dafür, dass Du all die Reisen und den "Luxus", die Du noch unternehmen, den Du noch bewusst genießen willst, bis Du Dich finanziell auf eigene Beine stellen musst, noch in die Zeit bis zum Sprung reinorganisierst, damit da keine offenen Wünsche bleiben, wegen derer Du in Versuchung kommst, das Sprungdatum nach hinten zu legen.
- Wie stellst Du Dir Dein Leben nach dem Sprung vor? Was sind Deine Mindestbedürfnisse an Wohnung (Zimmeranzahl, Quadratmeter, Ausstattung) und an welchen Orten, in welchem Radius soll die liegen? Wieviele Stunden pro Woche willst Du arbeiten? In welcher Branche? In welchem Umfeld? Mit welchem Gehalt kannst Du da vorauss. rechnen? Was wird Dir an Unterhalt zur Verfügung stehen? Wie korelliert das mit Deinen Wohnungswünschen und sonstigem zukünftigen Lebensstandard?
Frag Dich nicht, was X Dir eigentlich geben müsste, sondern nur, was Du wirklich zum Wohlfühlen in Zukunft brauchst. Welcher Standard ist Dir wichtig und muss irgendwie ermöglicht werden und auf was kannst Du verzichten, ohne dass Du im neuen Leben sitzt und Dich ärgerst und es anderen neidest?
Erstens setzt Du Dich mit solchen Listen konkret mit Deiner Zukunft auseinander und gestaltest sie schon mal aktiv.
Zweitens bleibst Du bei Dir und verschwendest nicht noch mehr Energie an X und seine Verletzungen.
Drittens wirst Du ganz praktisch zu neuen Erkenntnissen kommen, z.B dass Dir drei goldene Ketten auf seine Kosten nicht halb so viel Wohlbefinden bereiten werden wie eine wirklich gute Waschmaschine.
Und dass Du künftig für Designerklamotten vermutlich nicht mehr so viele freien Mittel hast und Dir daher jetzt eine solide Grundausstattung mit hochwertiger Businesskleidung auf seine Kreditkarte leisten solltest, die Dich die nächsten Jahre stilvoll durchs Arbeitsleben begleiten kann.
Welche Aktionen machen Dir Dein künftiges Leben konkret angenehmer, anstatt "was hätte vor bzw. seit 20 Jahren nicht passieren dürfen und müssten theoretisch jetzt ausgeglichen werden".
Und viertens bist Du dann, wenn der Sprungtermin kommt, materiell und organisatorisch schon mal besser vorbereitet, musst Dich nicht mehr um die Waschmaschine kümmern und kennst Deine Bedürfnisse und Möglichkeiten im neuen Lebensabschnitt.
Das emotionale Päckchen ist schwer genug. Sorg dafür, dass Du mit allem, was Du wirklich jetzt und in Zukunft autonom entscheiden und allein für Dich konkret auf den Weg bringen kannst, auch tust, damit der Weg leichter wird und die Landung nach dem Sprung weicher und kontrollierter.
Alles Gute für die Umstellung.
Es wird sich zunächst wie ein Verzicht, eine Einschränkung, ein Verlust anfühlen. Aber das ist nur vorübergehend so, weil Du das, was Du gewinnst, wenn Du Dir diesen Raum schaffst, noch nicht sehen, geschweige denn spüren, kannst.
Aber in 1 Jahr wirst Du das, was Du gewinnst, wenn Du die durchgelegene, gewohnte Dreisitzercouch gegen einen neuen Sessel austauschst, den Du jetzt nur als Bild in einem Katalog sehen kannst, spüren. Und dann hat das Kreisen ein Ende und Dein Weg führt wieder irgendwo hin.
Ich wünsch Dir Mut, Neugier und Selbstvertrauen.