Rosalie7
Gast
ich bin jetzt mal ein bißchen direkt und hoffe, Du nimmst mir das nicht übel (es ist nicht böse gemeint, sondern soll Dir weiter helfen). Also ich finde, Du hast schon eine ganze Menge geschafft:
- die sachliche und räumliche Trennung
- eine Regelung zum Umgang mit Euren Kindern (und gerade das ist bei einer Trennung einer der schwierigsten Punkte)
- eine neue Arbeitsstelle und Wohnung
- eine Kontaktsperre zu Deiner ehemaligen Partnerin
- und das Eingeständnis, Hilfe zu brauchen und anzunehmen (Therapie)
Ich finde es bewundernswert, dass Du Deine Probleme siehst und auch anpackst. Da mit meine ich nicht nur, aber auch die Privatinsolvenz und Deinen Mut, darüber zu schreiben. Eine Privatinsolvenz (noch dazu zusätzlich zur Trennung) ist immer schlimm und Deine Betreuerin (Heißt das so?) auch nicht wirklich hilfreich, aber he - die Zeit der Privatinsolvenz ist endlich. Danach kannst Du auch finanziell neu starten. Auf die Menschen, die in dieser Zeit zu Dir halten, kannst Du voraussichtlich ein Leben lang bauen. Also Kopf hoch und heraus aus dem Selbstmitleid, das hast Du doch gar nicht nötig.
Ja, eine Trennung ist schwer (mach ich gerade selber durch und weiß daher genau, wie Du Dich fühlst). Es gibt eine ganze Menge verbaler Verletzungen, weil eine Trennung eben vor allem mit verletzten Gefühlen, Enttäuschungen und Rechtfertigungen zu tun hat. Und niemand kann einen so genau und punktgenau verletzten, wie jemand mit dem man so eng zusammen gelebt hat. Nimm nicht alles für bare Münze, was dort gesagt wird, im Zweifel hol Dir Rückhalt von Freunden oder Familie (hilft mir). Es ist ein Wechselbad der Gefühle, am Anfang nur negativ, aber dann wird es schrittweise, unmerklich, besser. Ich bin auch oft zornig und wütend auf meinen Expartner, vor allem darüber, wie die Trennung gelaufen ist. Wie er mir (mit Absicht) und unserem Sohn (billigend in Kauf nehmend) seelisch weh getan hat, nur um sich selbst besser zu fühlen. Aber mir hilft diese Wut sogar ein Stück weit (auch, wenn das jetzt vielleicht blöd klingt), weil ich so die Schuld nicht ausschließlich bei mir selbst suche und weil ich dadurch loslassen kann. Es fällt mir im Moment schwer, mich auf die vielen schönen Dinge unserer Beziehung (wir waren über 27 Jahre zusammen) ohne Traurigkeit oder Bedauern oder Zweifel zu besinnen. Aber ich hoffe, dass ich das irgendwann wieder kann.
Und nein, Eure 20 Jahre waren nicht nur Betrug oder vorgespielt. Ihr habt drei Kinder. Das allein ist doch das Schönste und Beste, was einem Menschen passieren kann.
Also bleib stark und gib Dir die Zeit, die Du brauchst. Klopf Dir mal selber auf die Schulter für das Erreichte und versuch, das zu sehen, was Du hast. Bleib in so engem Kontakt auch mit Deinem jüngsten Sohn, für die Zeit zwischen den Besuchen gibt es ja Telefon, Internet, WhatsApp etc. Du kannst Dir sicher sein, dass Du Teil seines Lebens bist, auch wenn Du nicht immer bei ihm sein kannst. Es kommt nicht unbedingt auf die Zeitdauer der gemeinsamen Momente an, sondern auf deren Intensität. Was Du Deinen Söhnen damit zeigen und geben kannst, sind Verläßlichkeit und Vertrauen. Ich würde mir wünschen, mein Ex würde sich seinem Sohn gegenüber so verhalten.
Entschuldigung, dass ich so viel geschrieben hab. Mich kurz zu fassen, ist nicht unbedingt meine Stärke. Trotzdem noch ein kleiner Tipp: versuch doch mal bei der Partnersuche Deine Vorzüge ein bißchen besser und Dein Licht nicht so unter den Scheffel zu stellen, man muss sonst schon zwischen den Zeilen suchen.
Alles Gute für Dich,
Rosalie
