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Eheaus nach Frendverlieben

Emba


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Zitat von keepsmiley:
Liebe Emba, in vielem was Du schreibst erkenne ich mich wieder. Auch ich bin gerade dabei unser ursprüngliches gemeinsames Zuhause umzugestalten. Mit sehr gemischten Gefühlen, insbesondere wenn es um Dinge geht die mit gemeinsamen schönen Zeiten verbunden sind. Fühle Dich gedrückt


Liebe keepsmiley,

vielen Dank. Wie geht es dir denn und wie kommt dein Sohn zurecht? Kümmert sich dein NM wenigstens um ihn?

Die Umgestaltung sehe ich für mich auch ein bisschen als Ritual, hat etwas von einer Beerdigung. Die Beerdigung einer vergangenen Zeit und so schmerzhaft ist es auch. Ich hoffe, dass es im Allgemeinen etwas besser wird, wenn ich die Trennung wirklich akzeptieren kann. Auch wenn ich mir das täglich mehrfach sage, will es nicht wirklich in meinen Kopf. Manchmal komme ich mir wie frisch verliebt vor nur das diese eigentlich berauschenden Gefühle ausbleiben.

Das Lied "Hey" von Andreas Bourani läuft bei mir grad sehr häufig, hat in der aktuellen Situation was. Außerdem kann ich das Buch "Warum hast du mir das angetan " von Hans Jellouschek empfehlen. Es hilft mir zu verstehen, wie es dazu kam, zumindest aus meiner Sicht, und hoffentlich bringt es mich im Gesamten bei dem Trennungsprozess weiter.

03.09.2019 08:26 • x 1 #166


keepsmiley


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Liebe Emba,
mir geht es eigentlich ganz gut, auch wenn immer wieder Momente auftreten in denen die Trauer überwiegt, z. B. wenn bestimmte Lieder im Radio laufen oder ich an Orten bin an denen wir als Paar oder Familie sehr glückliche Momente erlebt haben. Dann aber sage ich mir, dass diese schöne Zeit ja eigentlich bereits viel länger zurückliegt, denn die vergangenen 3 Jahre waren ja im Grunde nur noch eine Art Überlebenskampf, indem ich versucht habe meinen NM wegen seines Burnouts zu entlasten und meinem Sohn eine einigermaßen sorgenfreie Kindheit zu ermöglichen. Familienleben gab es somit kein richtiges mehr, die Next war im Leben meines NM bereits vorhanden und so ist der Bruch nicht ganz so tief.
Ich denke dieser Umstand hilft auch meinem Sohn. Das Verhältnis zu seinem Vater war ja in den vergangenen Jahren auch sehr auf "Sparflamme" und da Sohnemann kein Liebhaber von handwerklichen Arbeiten ist (er macht das schon aber eben nur was sein muss, nicht aus Freude daran), sondern ein absoluter Kopfmensch standen sich die beiden ohnehin seit dem Teenageralter nicht mehr sehr nahe. Mein NM kommt momentan noch ca. einmal pro Woche vorbei, aber Sohnemann ist sehr auf Distanz gegangen. Mein NM sagt ihm immer wieder, dass er sich jederzeit an ihn wenden kann, er wird sich aber nicht aufdrängen oder Besuchszeiten abfordern. Das ist im Alter meines Sohnes, von 15 Jahren, aber auch ohnehin eine andere Sache. Ich denke meinem NM wird erst jetzt klar wie weit er sich von seinem eigenen Sohn entfernt hat.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und einen schönen Tag! Viele liebe Grüße

03.09.2019 08:56 • x 1 #167


Emba


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Was für ein Tag! Mein NM war heute hier und hat noch was aus der Wohnung mitgenommen, was ihm wichtig ist. Ich bin wirklich froh, dass jetzt wieder etwas von ihm verschwunden ist, zumal jetzt das Wohnzimmer schon anders aussieht. Und schon wieder ist hoffentlich ein kleiner Schritt in die Richtung gemacht, ihn loszulassen, einfach weil er in der Wohnung immer mehr Präsenz verliert.

Leider schaffe ich es in solchen Situationen nicht, mich emotional zurückzuhalten. Ich ärgere mich so darüber, dass bei mir schon wieder die Tränen in seiner Gegenwart gekullert sind. Denn umso mehr Präsenz er hier verliert, umso endgültiger wird es. Das schmerzt richtig. Aber ich ärgere mich so, dass wir dann ins Gespräch gekommen sind und ich auch noch ehrlich zu ihm war und sagte, dass ich diese Hoffnung noch nicht ganz aufgeben kann Er erwiderte dazu, dass er sich sehr bemüht, mit seinen Handlungen und Antworten bei mir keine Hoffnung auszulösen. Da hat er ja auch recht, denn seine Handlungen und Worte sind so, dass man daraus keine Hoffnung schöpfen kann. Und er hat auch danach nochmal gesagt, was er vom Keller noch alles mitnehmen möchte. Deutlicher kann er ja schon gar nicht mehr werden. Ich habe ihm gesagt, dass das eine Sache ist, an der ich arbeiten muss, da nichts hineinzuinterpretieren, das aber noch nicht so gut könne, einfach weil ich es so nicht akzeptieren kann. Jetzt stehe ich da wieder wie so ein bedürftiges Opfer, dass ihm auch noch zeigt, dass ich ihn immer noch irgendwie toll finde.

Diese Emotionen und "Ehrlichkeit" überrennen mich in solchen Situationen immer, sodass ich mich nicht richtig unter Kontrolle habe, bis die Situation vorbei ist. Wie kann man sowas lernen? Ich will nicht vor ihm weinen und ihm das Gefühl eines goldenen Esels auf dem Podest zu geben. Ich habe mich vor ihm wieder so klein gemacht, so viel kleiner als eigentlich nötig! Warum kann ich da nicht einfach nur stark erscheinen und meinen Gefühlen dann freien Lauf lassen, bis er gegangen ist?

Mein Programm für morgen wird definitiv sein: seinen Kleiderschrank komplett ausräumen, Schuhe und sonstige Dinge des täglichen Bedarfs in Kisten zu packen und ab damit in den Keller.

Zitat von keepsmiley:
Mein NM sagt ihm immer wieder, dass er sich jederzeit an ihn wenden kann, er wird sich aber nicht aufdrängen oder Besuchszeiten abfordern.


Na immerhin bietet er es eurem Sohn an und vermittelt ihm das Gefühl, dass er ihm nicht egal geworden ist. DAss dein Sohn da grade keine Lust drauf hat, insbesondere wenn das Verhältnis vorher schon nicht so innig war, kann ich mir vorstellen.

Zitat von keepsmiley:
Ich denke meinem NM wird erst jetzt klar wie weit er sich von seinem eigenen Sohn entfernt hat.

Das ist gut möglich. Man merkt immer erst dann, was man hatte, wenn man es verliert bzw. verloren hat.

Für deinen Sohn hoffe ich, dass er sich seinem Vater wieder annähern kann und sein Vater wirklich immer für ihn da ist, wenn er ihn brauch.

03.09.2019 20:39 • #168


sternenglanz

sternenglanz


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Nimm die Gefühle an, dieses Traurigsein und fokussiere es gar nicht so sehr auf ihn, er ist ein Teil der heilen Familie und er hat es "zerlegt." Jetzt bist du mit deinem Sohn eine Einheit, braucht alles Zeit und je mehr du diese Gefühle zulässt und wieder loslässt und nicht auf die Stärke schielst kommt die innere Ruhe. Vielleicht wäre eine kleine regelmäßige Zeremonie gut für dich allein, abends Kerze anzünden, Schmerz rauslassen, loslassen .... Oder was dir so einfällt. Die Gefühle wollen gelebt und gefühlt werden, das geht nicht nur mit dem Kopf. Hab Geduld mit dir und geh sanft mit dir um alles braucht seine Zeit.

04.09.2019 07:38 • x 1 #169


Emba


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Zitat von sternenglanz:
braucht alles Zeit und je mehr du diese Gefühle zulässt und wieder loslässt und nicht auf die Stärke schielst kommt die innere Ruhe
Das sollte ich mir öfters ins Gedächtnis rufen.
Zitat von sternenglanz:
eine kleine regelmäßige Zeremonie

Gute Idee. Da schaue ich mal, was mir so einfällt.

Ich hatte gestern das Gespräch bzgl. meiner Anteile mit meinem NM. Es hat mir auf jeden Fall gut getan und war definitiv richtig. Danke @mulle für die Anregung. Ich habe mich gut vorbereitet und damit ich mich gut fühle, habe ich mich in die schicksten Klamotten geschickt. Mein NM sagte, dass er ein Restaurant als nicht so geeignet halte, ein solches Gespräch dort zu führen, sondern eher zuhause auf der Couch. Ich fand die Wahl aber perfekt, so kann man sich während des Gesprächs wegen der anderen Gäste nicht komplett gehen lassen, sodass es auch nicht zu laut oder gar beleidigend wird. Nicht dass ich das bei dem Gespräch erwartet hätte, aber so konnte ich mich selbst vor der "Versuchung" schützen.

Es lief im Grunde so, wie ich es "erwartet" hatte. Er hat drei Punkte genannt, wobei nur einer davon für ihn von großer Bedeutung war. Das sind Punkte, die man mE in ein paar offenen Gesprächen relativ problemlos lösen bzw. auch bereits kurzfristig verbessern könnte. Daher hatte ich während der ganzen Affärenzeit und grundsätzlich keine Chance gegen sein "neues Glück". Ich habe versucht mit einigen Fragen mehr in die Tiefe der Themen zu gehen. Dabei hatte ich den Eindruck gewonnen (so wie schon vorher vermutet), dass er die Themen nur an der Oberfläche bedacht hat. Das wiederum hat meine Vermutung bestätigt, wie er damit umgeht. Er hat sich mMn nicht weiterentwickelt und ist irgendwo stehengeblieben. Anstatt alles aufzuarbeiten, hat er sich für Flucht entschieden (hatte er auch fast wortwörtlich so selbst gesagt). Mein NM hatte auch ein bisschen bei mir nachgefragt und sagte, dass er aus dem Gespräch für sich auch was mitgenommen hat, möchte aber gerne später noch ein Gespräch über "seine Anteile". Auf meine Nachfrage hin wann, überließ er mir die Entscheidung. Ich denke, dass ich das Gespräch erst dann führen möchte, wenn ich das Gefühl habe, dass ich losgelassen habe. Vielleicht ändere ich meine Meinung auch nochmal. Mal sehen.

Bei dem Gespräch hat er mir auch nochmal gezeigt, dass es für uns im Moment keine Hoffnung gibt. Ich benutze "im Moment", weil ich keine Glaskugel besitze und nicht weiß, was in 2, 5 oder 10 Jahren sein wird und ich halte es für mich als ausgeschlossen, irgendwas grundsätzlich auszuschließen. Die letzten Wochen haben mir dafür viel zu sehr gezeigt, dass im Leben alles möglich ist, auch die Dinge, die man für unwahrscheinlich oder gar unmöglich hält.

Dieses Gespräch hat mir wirklich geholfen, die Hoffnung geringer werden zu lassen und hat mir nochmal einmal mehr gezeigt, dass jetzt nur Ich (und natürlich mein Kind) zählen.

Suma sumarum: das Gespräch war für mich richtig und hat sich definitiv gelohnt, Auch weil wir solch "kritische" Gespräche recht respektvoll für unsere Situation miteinander führen können. Hoffentlich bleibt das so. Die Zeit wird es zeigen.

10.09.2019 18:44 • x 1 #170


Mulle


Liebe Emba,
ich habe gerade deinen Bericht über Eure Zusammenkunft gelesen. Ich bewundere Dich für Deine authenische und selbstreflektierende Vorgehensweise. Du hast es verstanden, dass eine Situation jederzeit deine Meinung und Überzeugung verändern kann. Das hat nichts mit Wankelmütigkeit zu tun. Du bist offensichtlich dabei, für Dich auszuloten, welchen Weg Du gehen möchtest und ob Dein Mann noch die Chance hat, ihn mit Dir zu gehen. Ich glaube, es wird Zeit, sich nicht mehr als Opfer zu sehen. Du hast jetzt die Chance, die Dinge in die Hand zu nehmen. Du bestimmst, Emba! Und Du TUST es bereits. Das gefällt mir. Dein Mann ist weit hinter Dir zurück geblieben. Sofern er in Eurer Situation nicht begreifen wird, dass auch er die Chance hat, es anders als bisher zu machen, wird er steckenbleiben und in seinem Hamsterrad ausharren. Schaue hin Emba, und sei weiterhin achtsam! Tue Dir TÄGLICH Gutes und stärke dein Selbstwertgefühl!
Emba, es steht mir nicht zu, Dir Rat(schläge) zu erteilen. Dennoch finde ich es schlichtweg toll, wie Du deine Aufgaben meisterst. Ich möchte Dir Mut und Trost geben. Sich nicht als Opfer zu fühlen, ist wichtig. Nur so kannst Du aktiv werden und aus dem Kummer heraus kommen. Die Zeit, die Du brauchst, bestimmst Du allein.
Weiter so, Emba.
LG
Mulle

Gerade eben • #171




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