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Eheaus nach Frendverlieben

Emba


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Zitat von keepsmiley:
Liebe Emba, in vielem was Du schreibst erkenne ich mich wieder. Auch ich bin gerade dabei unser ursprüngliches gemeinsames Zuhause umzugestalten. Mit sehr gemischten Gefühlen, insbesondere wenn es um Dinge geht die mit gemeinsamen schönen Zeiten verbunden sind. Fühle Dich gedrückt


Liebe keepsmiley,

vielen Dank. Wie geht es dir denn und wie kommt dein Sohn zurecht? Kümmert sich dein NM wenigstens um ihn?

Die Umgestaltung sehe ich für mich auch ein bisschen als Ritual, hat etwas von einer Beerdigung. Die Beerdigung einer vergangenen Zeit und so schmerzhaft ist es auch. Ich hoffe, dass es im Allgemeinen etwas besser wird, wenn ich die Trennung wirklich akzeptieren kann. Auch wenn ich mir das täglich mehrfach sage, will es nicht wirklich in meinen Kopf. Manchmal komme ich mir wie frisch verliebt vor nur das diese eigentlich berauschenden Gefühle ausbleiben.

Das Lied "Hey" von Andreas Bourani läuft bei mir grad sehr häufig, hat in der aktuellen Situation was. Außerdem kann ich das Buch "Warum hast du mir das angetan " von Hans Jellouschek empfehlen. Es hilft mir zu verstehen, wie es dazu kam, zumindest aus meiner Sicht, und hoffentlich bringt es mich im Gesamten bei dem Trennungsprozess weiter.

03.09.2019 08:26 • x 1 #166


keepsmiley


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Liebe Emba,
mir geht es eigentlich ganz gut, auch wenn immer wieder Momente auftreten in denen die Trauer überwiegt, z. B. wenn bestimmte Lieder im Radio laufen oder ich an Orten bin an denen wir als Paar oder Familie sehr glückliche Momente erlebt haben. Dann aber sage ich mir, dass diese schöne Zeit ja eigentlich bereits viel länger zurückliegt, denn die vergangenen 3 Jahre waren ja im Grunde nur noch eine Art Überlebenskampf, indem ich versucht habe meinen NM wegen seines Burnouts zu entlasten und meinem Sohn eine einigermaßen sorgenfreie Kindheit zu ermöglichen. Familienleben gab es somit kein richtiges mehr, die Next war im Leben meines NM bereits vorhanden und so ist der Bruch nicht ganz so tief.
Ich denke dieser Umstand hilft auch meinem Sohn. Das Verhältnis zu seinem Vater war ja in den vergangenen Jahren auch sehr auf "Sparflamme" und da Sohnemann kein Liebhaber von handwerklichen Arbeiten ist (er macht das schon aber eben nur was sein muss, nicht aus Freude daran), sondern ein absoluter Kopfmensch standen sich die beiden ohnehin seit dem Teenageralter nicht mehr sehr nahe. Mein NM kommt momentan noch ca. einmal pro Woche vorbei, aber Sohnemann ist sehr auf Distanz gegangen. Mein NM sagt ihm immer wieder, dass er sich jederzeit an ihn wenden kann, er wird sich aber nicht aufdrängen oder Besuchszeiten abfordern. Das ist im Alter meines Sohnes, von 15 Jahren, aber auch ohnehin eine andere Sache. Ich denke meinem NM wird erst jetzt klar wie weit er sich von seinem eigenen Sohn entfernt hat.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und einen schönen Tag! Viele liebe Grüße

03.09.2019 08:56 • x 1 #167


Emba


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Was für ein Tag! Mein NM war heute hier und hat noch was aus der Wohnung mitgenommen, was ihm wichtig ist. Ich bin wirklich froh, dass jetzt wieder etwas von ihm verschwunden ist, zumal jetzt das Wohnzimmer schon anders aussieht. Und schon wieder ist hoffentlich ein kleiner Schritt in die Richtung gemacht, ihn loszulassen, einfach weil er in der Wohnung immer mehr Präsenz verliert.

Leider schaffe ich es in solchen Situationen nicht, mich emotional zurückzuhalten. Ich ärgere mich so darüber, dass bei mir schon wieder die Tränen in seiner Gegenwart gekullert sind. Denn umso mehr Präsenz er hier verliert, umso endgültiger wird es. Das schmerzt richtig. Aber ich ärgere mich so, dass wir dann ins Gespräch gekommen sind und ich auch noch ehrlich zu ihm war und sagte, dass ich diese Hoffnung noch nicht ganz aufgeben kann Er erwiderte dazu, dass er sich sehr bemüht, mit seinen Handlungen und Antworten bei mir keine Hoffnung auszulösen. Da hat er ja auch recht, denn seine Handlungen und Worte sind so, dass man daraus keine Hoffnung schöpfen kann. Und er hat auch danach nochmal gesagt, was er vom Keller noch alles mitnehmen möchte. Deutlicher kann er ja schon gar nicht mehr werden. Ich habe ihm gesagt, dass das eine Sache ist, an der ich arbeiten muss, da nichts hineinzuinterpretieren, das aber noch nicht so gut könne, einfach weil ich es so nicht akzeptieren kann. Jetzt stehe ich da wieder wie so ein bedürftiges Opfer, dass ihm auch noch zeigt, dass ich ihn immer noch irgendwie toll finde.

Diese Emotionen und "Ehrlichkeit" überrennen mich in solchen Situationen immer, sodass ich mich nicht richtig unter Kontrolle habe, bis die Situation vorbei ist. Wie kann man sowas lernen? Ich will nicht vor ihm weinen und ihm das Gefühl eines goldenen Esels auf dem Podest zu geben. Ich habe mich vor ihm wieder so klein gemacht, so viel kleiner als eigentlich nötig! Warum kann ich da nicht einfach nur stark erscheinen und meinen Gefühlen dann freien Lauf lassen, bis er gegangen ist?

Mein Programm für morgen wird definitiv sein: seinen Kleiderschrank komplett ausräumen, Schuhe und sonstige Dinge des täglichen Bedarfs in Kisten zu packen und ab damit in den Keller.

Zitat von keepsmiley:
Mein NM sagt ihm immer wieder, dass er sich jederzeit an ihn wenden kann, er wird sich aber nicht aufdrängen oder Besuchszeiten abfordern.


Na immerhin bietet er es eurem Sohn an und vermittelt ihm das Gefühl, dass er ihm nicht egal geworden ist. DAss dein Sohn da grade keine Lust drauf hat, insbesondere wenn das Verhältnis vorher schon nicht so innig war, kann ich mir vorstellen.

Zitat von keepsmiley:
Ich denke meinem NM wird erst jetzt klar wie weit er sich von seinem eigenen Sohn entfernt hat.

Das ist gut möglich. Man merkt immer erst dann, was man hatte, wenn man es verliert bzw. verloren hat.

Für deinen Sohn hoffe ich, dass er sich seinem Vater wieder annähern kann und sein Vater wirklich immer für ihn da ist, wenn er ihn brauch.

03.09.2019 20:39 • #168


sternenglanz

sternenglanz


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Nimm die Gefühle an, dieses Traurigsein und fokussiere es gar nicht so sehr auf ihn, er ist ein Teil der heilen Familie und er hat es "zerlegt." Jetzt bist du mit deinem Sohn eine Einheit, braucht alles Zeit und je mehr du diese Gefühle zulässt und wieder loslässt und nicht auf die Stärke schielst kommt die innere Ruhe. Vielleicht wäre eine kleine regelmäßige Zeremonie gut für dich allein, abends Kerze anzünden, Schmerz rauslassen, loslassen .... Oder was dir so einfällt. Die Gefühle wollen gelebt und gefühlt werden, das geht nicht nur mit dem Kopf. Hab Geduld mit dir und geh sanft mit dir um alles braucht seine Zeit.

04.09.2019 07:38 • x 2 #169


Emba


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Zitat von sternenglanz:
braucht alles Zeit und je mehr du diese Gefühle zulässt und wieder loslässt und nicht auf die Stärke schielst kommt die innere Ruhe
Das sollte ich mir öfters ins Gedächtnis rufen.
Zitat von sternenglanz:
eine kleine regelmäßige Zeremonie

Gute Idee. Da schaue ich mal, was mir so einfällt.

Ich hatte gestern das Gespräch bzgl. meiner Anteile mit meinem NM. Es hat mir auf jeden Fall gut getan und war definitiv richtig. Danke @mulle für die Anregung. Ich habe mich gut vorbereitet und damit ich mich gut fühle, habe ich mich in die schicksten Klamotten geschickt. Mein NM sagte, dass er ein Restaurant als nicht so geeignet halte, ein solches Gespräch dort zu führen, sondern eher zuhause auf der Couch. Ich fand die Wahl aber perfekt, so kann man sich während des Gesprächs wegen der anderen Gäste nicht komplett gehen lassen, sodass es auch nicht zu laut oder gar beleidigend wird. Nicht dass ich das bei dem Gespräch erwartet hätte, aber so konnte ich mich selbst vor der "Versuchung" schützen.

Es lief im Grunde so, wie ich es "erwartet" hatte. Er hat drei Punkte genannt, wobei nur einer davon für ihn von großer Bedeutung war. Das sind Punkte, die man mE in ein paar offenen Gesprächen relativ problemlos lösen bzw. auch bereits kurzfristig verbessern könnte. Daher hatte ich während der ganzen Affärenzeit und grundsätzlich keine Chance gegen sein "neues Glück". Ich habe versucht mit einigen Fragen mehr in die Tiefe der Themen zu gehen. Dabei hatte ich den Eindruck gewonnen (so wie schon vorher vermutet), dass er die Themen nur an der Oberfläche bedacht hat. Das wiederum hat meine Vermutung bestätigt, wie er damit umgeht. Er hat sich mMn nicht weiterentwickelt und ist irgendwo stehengeblieben. Anstatt alles aufzuarbeiten, hat er sich für Flucht entschieden (hatte er auch fast wortwörtlich so selbst gesagt). Mein NM hatte auch ein bisschen bei mir nachgefragt und sagte, dass er aus dem Gespräch für sich auch was mitgenommen hat, möchte aber gerne später noch ein Gespräch über "seine Anteile". Auf meine Nachfrage hin wann, überließ er mir die Entscheidung. Ich denke, dass ich das Gespräch erst dann führen möchte, wenn ich das Gefühl habe, dass ich losgelassen habe. Vielleicht ändere ich meine Meinung auch nochmal. Mal sehen.

Bei dem Gespräch hat er mir auch nochmal gezeigt, dass es für uns im Moment keine Hoffnung gibt. Ich benutze "im Moment", weil ich keine Glaskugel besitze und nicht weiß, was in 2, 5 oder 10 Jahren sein wird und ich halte es für mich als ausgeschlossen, irgendwas grundsätzlich auszuschließen. Die letzten Wochen haben mir dafür viel zu sehr gezeigt, dass im Leben alles möglich ist, auch die Dinge, die man für unwahrscheinlich oder gar unmöglich hält.

Dieses Gespräch hat mir wirklich geholfen, die Hoffnung geringer werden zu lassen und hat mir nochmal einmal mehr gezeigt, dass jetzt nur Ich (und natürlich mein Kind) zählen.

Suma sumarum: das Gespräch war für mich richtig und hat sich definitiv gelohnt, Auch weil wir solch "kritische" Gespräche recht respektvoll für unsere Situation miteinander führen können. Hoffentlich bleibt das so. Die Zeit wird es zeigen.

10.09.2019 18:44 • x 1 #170


Mulle


Liebe Emba,
ich habe gerade deinen Bericht über Eure Zusammenkunft gelesen. Ich bewundere Dich für Deine authenische und selbstreflektierende Vorgehensweise. Du hast es verstanden, dass eine Situation jederzeit deine Meinung und Überzeugung verändern kann. Das hat nichts mit Wankelmütigkeit zu tun. Du bist offensichtlich dabei, für Dich auszuloten, welchen Weg Du gehen möchtest und ob Dein Mann noch die Chance hat, ihn mit Dir zu gehen. Ich glaube, es wird Zeit, sich nicht mehr als Opfer zu sehen. Du hast jetzt die Chance, die Dinge in die Hand zu nehmen. Du bestimmst, Emba! Und Du TUST es bereits. Das gefällt mir. Dein Mann ist weit hinter Dir zurück geblieben. Sofern er in Eurer Situation nicht begreifen wird, dass auch er die Chance hat, es anders als bisher zu machen, wird er steckenbleiben und in seinem Hamsterrad ausharren. Schaue hin Emba, und sei weiterhin achtsam! Tue Dir TÄGLICH Gutes und stärke dein Selbstwertgefühl!
Emba, es steht mir nicht zu, Dir Rat(schläge) zu erteilen. Dennoch finde ich es schlichtweg toll, wie Du deine Aufgaben meisterst. Ich möchte Dir Mut und Trost geben. Sich nicht als Opfer zu fühlen, ist wichtig. Nur so kannst Du aktiv werden und aus dem Kummer heraus kommen. Die Zeit, die Du brauchst, bestimmst Du allein.
Weiter so, Emba.
LG
Mulle

18.09.2019 13:04 • x 2 #171


Emba


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Die Trennung von meinem NM ist nun ca. drei Monate her. Ich fühle mich in den letzten Tagen einfach ohnmächtig, so leer. Manchmal fühlt es sich so an als ob mein Körper nur existiert und mein Geist weit weg ist und beobachtet. Außer andauernde Müdigkeit fühle ich nichts.

Unser Sohn hatte sich heute gewünscht, gemeinsam Essen zu gehen. Die meiste Zeit haben mein NM und unser Kind gespielt. Wenn wir uns unterhalten haben, dann waren das möglichst neutrale Themen. Als ich ihn ansah im Restaurant, war er mir so fremd. Als ob ich ihn nicht wirklich kennen würde. Ich weiß zwar, dass wir formal verheiratet sind, jedoch fühlt es sich so an, als wären wir uns zufällig über den Weg gelaufen und mussten einen Tisch im Restaurant teilen. Wahrscheinlich wäre das mit einem echten Fremden "lebendiger" gewesen. Kennt ihr dieses Gefühl? Als ob man innerlich tot ist und keinen Bezug zu anderen mehr hat und der "eigene" Mann einem so fremd vorkommt? Vor 1,5 Wochen waren in mir noch so viele Gefühle, jetzt ist alles nur noch leer.

Das Gespräch über meine Anteile ist in meinen Gedanken auch sehr präsent gewesen bis Anfang der Woche. Irgendwas hat es in mir ausgelöst und mir sind zwei Aussagen wieder in den Sinn gekommen, die ausschlaggebend für mich waren. Das war zu einem "Ich bin nicht gut für dich" und nachdem ich ihm sagte, dass man meine Anteile in ein paar Gesprächen hätte klären können, stimmte er mir zu und schob nach (und das ist der entscheidende Teil): "wenn wir das vor einem Jahr besprochen hätten. Das wäre vor einigen Wochen schon zu spät gewesen". @SweetCookie Danke hier nochmal für's Augenöffnen. Er hat wahrscheinlich mir so gesagt, es ist vorbei. Wie du bereits schriebst, wird er nicht deutlicher werden, damit er mich besser als Druckmittel nutzen kann. Ich denke aber mittlerweile, es ist trotzdem alles gesagt. Ich habe verstanden und die Hoffnung ist kleiner geworden.

Zitat von Mulle:
Ich möchte Dir Mut und Trost geben.

Vielen Dank, liebe Mulle, das tut gut! Deine Worte muntern mich immer auf.

Zitat von Mulle:
Du bist offensichtlich dabei, für Dich auszuloten, welchen Weg Du gehen möchtest und ob Dein Mann noch die Chance hat, ihn mit Dir zu gehen.

Ich stimme dir zu, dass ich für mich auslote, welchen Weg ich gehen möchte. Mein NM hat da derzeit keinen Platz mehr. Er hat da selbst kein Interesse dran (s.o.), außer (und da spekuliere ich jetzt mal) dass er von mir noch einen zusätzlichen Egopush bekommt, weil sowohl die Next als auch ich ihn da anhimmeln (wie genial für jemanden, der im Inneren mit einem schlechten Selbstwertgefühl kämpft!). Ich merke auch für mich, dass ich in den letzten Jahren wie eine Zimmerpflanze langsam verkümmert bin, weil ich nicht auf mich geachtet habe und meine Bedürfnisse unterdrückte. Außerdem wird mir ständig bewusst, dass ich noch die ein oder anderen Themen aus meiner Kindheit aufzuarbeiten habe. Da würde eine Dritte Person (neben meinem Kind) nur unnötiger Balast sein und mich ausbremsen.
Umso stärker ist jetzt mein Bedürfnis zu mir zu finden, alleine zu sein und Ruhe zu finden. Mit meinem Kind bin ich mit dem "Außen" auch derzeit mehr als genug beansprucht. Also nein, im Moment ist da kein Platz für meinen Ex. Was die Zukunft bringt, lass ich mir offen. Damit will ich aber nicht zum Ausdruck bringen, dass ich auf ein Comeback spekuliere.

Grundsätzlich kann ich mir im Moment auch keinen Kontakt zu Männern im Allgemeinen vorstellen. Auch wenn das gewiss nicht richtig so ist, aber egal welchen Mann ich derzeit draußen sehe, stelle ich mir die selben Fragen: "Missbraucht auch er das Vertrauen seiner Partnerin? Lügt und betrügt er, damit er aus rein egoistischen Gründen unkomplizierten Spaß haben kann?" Wie gesagt, das ist den Männern gegenüber unfair, weil viele nicht so sind. Sorry dafür.

22.09.2019 20:58 • x 2 #172


keepsmiley


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Liebe Emba,

was Du hier beschreibst könnte von mir sein. Exakt so ging es mir erst gestern, als mein NM kurz vorbeikam um noch ein paar Steuerunterlagen zu holen. Auch ich fühlte so rein gar nichts. Innere Leere und das Gefühl vor mir sitzt ein fremder Mensch.
Wie bei Dir ist auch mir jetzt erst bewußt geworden, wie wenig ich in den letzten Jahren auf mich geschaut habe und so ein paar Baustellen aus der Kindheit gibt es bei mir ebenfalls noch aufzuarbeiten.
Wir scheinen uns hier sehr ähnlich zu sein und es tut gut zu lesen, dass es Menschen gibt, die genauso fühlen wie man selber. Ich denke, das was wir hier in den genannten Situationen erleben ist ein Teil des Trennungsvorgangs und so oder so ähnlich wird das glaube ich bei vielen sein.
Fühle Dich gedrückt
keepsmiley

23.09.2019 06:20 • x 1 #173


Emba


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@keepsmiley Schön zu lesen, dass es dir ähnlich geht, wie mir, auch wenn das Gefühl erstmal nicht schön ist. Hast du denn jemanden, mit dem du gut reden kannst. Wie ist denn das Verhalten deines NMs dir gegenüber? Wie geht es deinem Sohn?

Was machst du, um deine Themen aufzuarbeiten?

Ich lese im Moment sehr viel über Affären, und wie es dazu kommen kann (um mich besser zu verstehen), über Trennungsverarbeitung im Allgemeinen, buddhistische Bücher und "Das Kind in dir muss Heimat finden". Natürlich lese ich diese Bücher alle parallel und wechsel die Themen, je nachdem wonach mir grade ist.

Derzeit warte ich noch auf die Bewilligung meiner Kur. Diese hat dann den Fokus auf Trennungsverarbeitung und wie man alleinerziehend im Alltag zurechtkommt. Ich freue mich schon sehr auf die Gruppengespräche und auf die Einzelgespräche mit einem Psychologen. Mit einem Psychologen kann ich dann hoffentlich einen guten Ansatz finden, an mir und meinen Glaubenssätzen zu arbeiten.

Ein weiteres Thema beschäftig mich im Moment auch sehr. Meinem Sohn fehlt in seinem Leben nun ein männliches Vorbild. Ich möchte nicht, dass er nachher irgendwelche Defizite hat, die ihn in seinem Erwachsenenleben "einschränken". Sein Vater war da gewiss kein so gutes Vorbild. Sein Vater ist ein sehr kreativer Mensch und ein Macher. Das ist toll, denn da lernt unser Kind schon tolle Ideen kennen und wie man Lösungen finden kann. Jedoch hat mein Ex das große Defizit, nur schwer über Gefühle sprechen zu können und diese bei anderen anzunehmen. Kurzum: Emphatie ist nicht seine Stärke. Seine Lösung in emotionalen Themen ist: Flucht nach vorne ergreifen und möglichst alle negativen Gefühle zu verdrängen. Außerdem zeigt er ihm auch nicht wirklich, was "Verantwortung übernehmen" bedeutet. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie sich mein Kind fühlt, wenn es mal ernsthaft realisiert, dass seinem Vater eine andere Frau wichtiger war als in seiner Nähe zu bleiben, um ihn öfters zu sehen.

Wie kann ich meinem Sohn das Vorbild "Mann" ersetzen? Mir ist klar, dass ich selbst das nicht kann, schließlich habe ich die Rolle "Frau". Er benötigt aber beide "Rollen", um sich gut entwickeln zu können.

23.09.2019 08:05 • #174


sternenglanz

sternenglanz


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Dein Sohn wird seinen eigenen Blickwinkel bekommen in der Pubertät und viele Fragen stellen... Wenn du ihn liebst dann wird er einen guten Weg für sich finden wir Mütter können nicht alles regeln und warte ab, was das Leben bringt. Jetzt erstmal verarbeiten, stärken und dann zurück zur Leichtigkeit. Wer weiß, vielleicht ist dein nächster Partner ein gutes Vorbild. Du blockierst dich nur wenn du jetzt anfängst das Fehlende, was auch nicht so gut war irgendwie ersetzen zu wollen.

23.09.2019 09:32 • x 1 #175


keepsmiley


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Liebe Emba,
dass Du Dir professionelle Hilfe suchst finde ich schon mal einen sehr wichtigen und richtigen Schritt Das habe ich auch gemacht und zwar sofort zwei Tage nachdem mir mein NM gesagt hat, dass er sich trennen möchte. Für mich war das einfach wie so eine Art Überlebensakt: "Ich muss psychisch fit bleiben um für meinen Sohn da zu sein und ihm über diese Situation hinweghelfen zu können. Und ich muss fit bleiben um uns finanziell über die Runden zu bringen." Ich habe mich erst in diesem Jahr selbstständig gemacht und da kann ich mir einen Ausfall, auch in einer solchen Situation, nicht erlauben. Ich muss aber dazu sagen, dass ich eine sehr gute Psychotherapeutin hatte, die mir sehr gute praktische Tipps gegeben hat u.a. mich auf das Kommende und nicht das was gewesen ist zu konzentrieren, mich auch mal wieder zu fragen was ich selber für mich brauche und was mir gut tut (hatte ich in den vergangenen Jahren ja total aus den Augen verloren, ich war ja nur damit beschäftigt meinen NM nach dem Burnout aufzupäppeln und meinem Sohn ein einigermaßen normales Familienleben zu organisieren). Ich habe jetzt wieder angefangen zu malen. Das gibt mir sehr viel Ruhe und das plane ich mir 1/2 Std. pro Werktag ein. Dafür hat auch Sohnemann Verständnis, das ist dann einfach "Mamazeit".
Was das Vaterbild angeht, da mache ich mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken. Es gab und gibt immer Zeiten/Situationen/Vorkommnisse in denen Kinder ohne Vater aufwachsen müssen und aus denen wird auch etwas. Man denke mal an die Kriegsgenerationen. Ich glaube Dein Sohn wird, so wie meiner, hier seinen Weg finden und gehen. Außerdem bin ich der Auffassung, dass ein schlechtes Vorbild schlimmer ist. Versuche einfach viel mit ihm zu reden, schaffe eine gute Vertrauensbasis. Dann wird er Dir schon von selber sagen, wenn ihm etwas fehlt und dann kannst Du immer noch nach einer passenden Lösung suchen.
Für Dich muss jetzt erst mal das wichtigste sein wieder auf die Füße zu kommen, fit für Euch beide und Eure Zukunft zu werden, in die Zukunft und nicht nach hinten zu schauen und ganz wichtig Pläne schmieden auf die Du Dich bzw. Du und Dein Sohn Euch freuen kannst/könnt.

Fühl Dich gedrückt
keepsmiley

23.09.2019 15:36 • x 2 #176


Emba


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@sternenglanz und @keepsmiley Danke für eure erdenden Worte! Die waren gut, um mich aus diesem Thema rauszuholen.

Die Trauer überrollt mich ganz plötzlich wieder ziemlich heftig. Auslöser dafür war ein Gespräch mit meinem sechsjährigen Sohn. Er wollte genau wissen, was am Tag seiner Geburt passiert ist. Dann sagte er: "Wenn du ein totes Baby im Bauch gehabt hättest, wäre Papa bestimmt nicht weggegangen." Ich habe ihm erklärt, dass sein Vater dann trotzdem weg wäre. Das ist ja auch wahrheitsgemäß, denn erst im Mai hatte ich meine siebte Fehlgeburt. Das ganze hat mich eben echt runtergezogen.

Außerdem steht Anfang Oktober unser Hochzeitstag der kirchlichen Trauung an. Wir hatten uns damals eine Lesung ausgesucht, in der ein Mann ein Kreuz auf dem Rücken trägt, dass in Nackenhöhe einen Dorn hat, der ihn stört. Deswegen legt er das Kreuz ab, um ein anderes zu tragen. Das legte er dann wieder ab, weil viel zu schwer, das nächste viel zu groß etc. Der Mann erblickte dann ein anderes Kreuz und legte es an, dass ihm perfekt passte, weil es nicht zu schwer oder zu groß war. Dann stellte er fest, dass es sein "erstes" Kreuz war.

Das steckt für mich aktuell schon ziemlich viel Ironie drin, wenn man bedenkt, dass wir vor neun Jahren schon ahnten, was für eine Hürde wir haben würden. Damals hielten uns alle für bescheuert, solch eine schreckliche Lesung auszusuchen. Wir hatten uns aber genau diese deswegen rausgesucht, um uns in wirklich schwierigen Zeiten an etwas festhalten zu können, um auch das durchzustehen.

Nun ist es aber eben so, dass sie uns letzlich nichts gebracht hat... Bei dem Gedanken daran ist mir einfach nur nach heulen zu Mute. Man, haben wir es vers*** und haben uns diese Geschichte nicht zu herzen genommen

24.09.2019 18:08 • x 1 #177


Emba


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Ich bin so froh, wenn unser Hochzeitstag vorbei ist. Mir geht es wieder total beschissen. Trauer, Wut und Hoffnungslosigkeit geben sich gefühlt im Minutentakt die Klinke in die Hand. Ich habe Angst vor der Zukunft und wie ich das alles schaffen soll Ich bin es Leid nach außen die Fröhliche und Zuversichtliche spielen zu müssen, denn das bin ich im Moment einfach nicht. Hoffentlich wird in einer Woche wieder alles besser, wenn dieser verkackte Hochzeitstag vorbei ist.

Leider habe ich seit zwei Wochen auch niemanden mit dem ich reden kann. Zwei Personen sind im Urlaub und der Vater einer Freundin liegt grad im Sterben.

28.09.2019 21:04 • #178


sternenglanz

sternenglanz


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Meine Freundin meinte rückblickend, diese zum ersten Mal alleinigen Tage also Hochzeitstag und Geburtstag usw sind heftig aber es wird jedes Jahr besser. Kannst du versuchen nicht daheim zu sein? Trauern finde ich wichtig aber begrenzt und vielleicht kannst du etwas Neues an diesen Tagen beginnen um ein Zeichen für dich zu setzen.

29.09.2019 04:06 • x 1 #179


Betula


Liebe Emba,
meine Trennung liegt nun schon drei Jahre zurück. Mein Mann hat, nach fast 20 Jahren Partnerschaft und 14 Jahren Ehe, warm gewechselt. Vor drei Jahren habe ich viel hier im Forum gelesen und schaue jetzt nur noch ab und zu mal vorbei. Heute schreibe ich zum ersten Mal etwas, weil ich finde, dass du es wert bist.

So wie bei dir, hat sich auch bei mir das Was-wäre-wenn-Gedankenkarussell anfangs sehr schnell gedreht: Hätte er sich nicht neu verliebt und mich verlassen, wenn ich dieses oder jenes anders gemacht hätte? Was will ICH und wie reagierte ICH, wenn er zurückkommen möchte? Und was passiert, wenn er glücklich ist und gar nicht zu mir zurück möchte? Usw. usw. usw.

So wie du, wollte ich nicht verbittert und misstrauisch werden.

So wie du, war ich neidisch auf die neue Leichtigkeit im Leben meines Ex-Mannes. Ich habe mir gewünscht, dass der Schmerz, die tiefe Liebe zu meinem Mann und all die Zweifel an meiner Person schnell vorbei gehen.

So wie du, war ich manchmal ängstlich, müde und verzweifelt.

Ich habe eine Unmenge an Büchern gelesen Fachbücher und Ratgeber, gute und schlechte, esoterische, spirituelle und psychologische. Ich trage keine gebatikten Baumwollklamotten, habe keine Dreadlocks und gehöre keiner Religionsgemeinschaft an. Trotzdem habe ich aus allen Büchern, auch aus den schlechten, etwas mitgenommen. Manchmal ist mir schlichtweg ein Licht aufgegangen, manchmal konnte ich durch sie meine Perspektive ändern oder habe einfach etwas Qualifiziertes dazu gelernt.

Und jetzt kommt das, was ich aus eigener Kraft gelernt habe. Die plattesten Sprüche, die es gibt und die niemand während der Anfangsphase der Trennung glaubt und hören will:

ES WIRD BESSER! Nicht schnell und zuerst unmerklich. Akzeptiere das einfach als Tatsache. Es braucht einfach seine Zeit. Auch nach drei Jahren tut es mir manchmal noch weh. Aber es wird immer seltener und weniger heftig. Ich möchte damit niemanden entmutigen!

GLAUBE NICHT ALLES WAS DU DENKST! Du hast schon so viel in deinem Leben gedacht. Was davon hat sich im Nachhinein als richtig und wahr herausgestellt und was nicht? Interpretiere nicht zu viel in das, was du denkst und vor allem nicht in das, was dein Mann sagt. Du wirst keine befriedigenden und ehrlichen Antworten von ihm bekommen. Auch das was er gerade denkt und sagt, ist von Stimmungen und äußeren Umständen abhängig. Er wird dir nur das sagen, was bequem für ihn ist. Und was viel wichtiger ist, er kennt selbst die Antworten nicht. Diese ganzen Aussprachen zwischen euch führen zu nichts. Und glaube vor allem nicht, dass du irgendetwas nicht schaffst!

VERDRÄNGE NICHT DEINE GEFÜHLE, VERSINKE ABER AUCH NICHT DARIN! Wenn du weinen musst, weine. Umso mehr du dich gegen deine Gefühle stemmst, umso länger halten sie an. Mir ging es nach dem Weinen immer viel besser. Wenn ich aber gemerkt habe, dass die Traurigkeit, Wut und Mutlosigkeit zu lange anhält, habe ich versucht etwas dagegen zu tun, ohne zu verdrängen. Versuche einfach so lange wie möglich bei Gefühlen wie Zuversicht, Spaß, Zuneigung zu deinem Sohn, Zufriedenheit mit dir selbst usw., zu bleiben. Wenn dir gerade nicht nach Fröhlichkeit und Zuversicht zumute ist, dann ist das halt so. Aber bleibe nicht stecken.

Ich wünschte, ich selbst hätte entscheiden können, was ich möchte. Das hätte meinem Selbstwertgefühl sehr geholfen und das Gefühl der Zurückweisung wäre sicher geringer gewesen. Darin liegt dein großer Vorteil. Du hast eine Entscheidung getroffen. Bitte bleibe standhaft. Du tust das Richtige. Eure Partnerschaft wird über lange Zeit stark belastet sein, wenn ihr wieder zusammen kommt. Das sind keine guten Voraussetzungen für einen Neustart. Und dein Mann hat ja offensichtlich ein paar Charakterschwächen, die nicht von heute auf morgen verschwinden werden. Willst du das wirklich? Jetzt bist du in einer guten Position, gebe die nicht auf. Du kannst klare Absprachen einfordern. Habe aber immer einen Plan B parat. Du kannst leider nicht davon ausgehen, dass dein Mann sich an alles hält, wie du ja schon bemerkt hast.

BLEIB OFFEN, FREUNDLICH UND HILFSBEREIT! Verbitterung und Misstrauen sind der falsche Weg. Ich hatte in den letzten Jahren unzählig viele lustige und schöne Begegnungen und Situationen mit wildfremden Menschen (z.B. die ältere Dame an der Kasse, die Mitbewerber bei der Wohnungssuche usw.). Mir ist viel Mitgefühl, Hilfe und Zuneigung, von manchmal unerwarteter Seite, entgegengebracht worden (z.B. Hausärztin, Rechtsanwältin usw.). In ein paar Jahren werde ich, mit hoher Wahrscheinlichkeit, ein breites Grinsen im Gesicht haben, wenn ich an diese Zeit zurückdenke. Wenigstens konnte ich die Entscheidung treffen, in einer freundlichen Welt zu leben.

HUMOR HILFT! Etwa zwei Wochen vor der Trennung gab es eine Situation, die ich nicht näher beschreiben möchte. Damals dachte ich, was für einen großen Vertrauensbeweis mein Mann mir entgegengebracht hat. Besonders im Hinblick darauf, dass er zu diesem Zeitpunkt schon seit einem Jahr eine Affäre hatte, war die Situation im Nachhinein allerdings nur absurd, surreal und unsagbar lustig. Ich kann immer noch laut darüber lachen, wenn ich daran denke. Soviel zum Thema Wechsel der Perspektive sowie Verlässlichkeit der eigenen Sinne und Gedanken. Manchmal stelle ich mir vor, wie mein Ex-Mann sich morgens der neuen Partnerin zuwendet und ihr durch seine Atemmaske (er leidet unter starker Schlafapnoe) ein liebevolles Guten Morgen entgegenzischt. Ich nehme mich und das Leben oft nicht so bitterernst. Vielleicht gelingt dir das ja auch ein wenig.

NUR SO VIEL KONTAKT WIE NÖTIG! Leider kannst du den Kontakt aufgrund eures gemeinsamen Kindes nicht ganz einstellen. Ich kann dir nur dringend raten, ihn auf das Nötigste zu beschränken. Versuche die persönliche Ebene zu verlassen und nur noch Formalien zu klären. Es geht nicht darum, deinen Mann zu bestrafen oder ihm seinen Verlust vor Augen zu führen. Das funktioniert sowieso nicht. Um besser beurteilen zu können was du möchtest und was gut für dich ist, brauchst du Abstand.

Du machst das alles sehr gut. Bleib tapfer. Ich verspreche dir aus tiefstem Herzen, dass die schlechten Tage vorüber gehen werden. Und ich versichere dir, ebenfalls aus tiefstem Herzen, dass es ein schönes Gefühl ist, frei zu sein. Dein Mann hat sich von einer "vermeintlichen" Zwangsjacke direkt in die nächste begeben. Du kannst um Hilfe bitten und wirst sie auch bekommen. Du hast einen Sohn für den du dankbar sein kannst. Du bist nicht allein. Freue dich darüber.

Liebe Grüße
Betula

29.09.2019 16:53 • x 10 #180




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