Okay Emba,
Zitat:>>Das ist richtig. Das werde ich aber wohl erst wieder lernen müssen. Ich merke, wie skeptisch ich geworden bin und alles hinterfrage.<<
das wirst du wieder lernen müssen, aber vor allem wirst du es wieder lernen WOLLEN, damit du nicht als zutiefst misstrauisches Wesen durch dein weiteres Leben läufst. Ich wünsche dir, dass du das willst, denn du willst ja auch wieder Glück empfinden.
Zitat:>>Gestern haben mein NM und ich noch eine Weile telefoniert. Er sagte es gebe ihm sehr schlecht,daher könnte er abends nicht zu uns kommen,damit ich zum Sport kann. Er müsse weg, weil es ihm schlecht geht. Er hat sich noch mehrfach für sein Handeln der letzten Monate entschuldigt.<<
Das Bedürfnis, dich gleich mehrfach um Entschuldigung für sein Verhalten zu bitten, entspringt seinen großen Schuldgefühlen. Die belasten ihn und er hofft, dass sie durch deine Absolution kleiner werden. Gibst du ihm denn diese Absolution? Vermutlich eher nicht, also bleiben die Schuldgefühle.
Und man kann durchaus davon ausgehen, dass sie ihn auch krank machen, diese Schuldgefühle. Ich glaube nicht, dass er fröhlich und glücklich an der Seite seiner neuen Partnerin ist, denn eigentlich war er ja noch gar nicht so weit und eigentlich wollte er auch gar nicht gehen. Er ist ja gegangen worden.
Zitat:>>Auch wenn ich denke, dass es ihm bestimmt Leid tut (grundsätzlich ist er kein schlechter Mensch), sagt eine Stimme in mir, er lügt dich nur an, um seine heutige Abwesenheit zu rechtfertigen. Ich weiß überhaupt nicht, was ich noch glauben soll.<<
Das ist so eine Sache mit der absoluten Wahrheit und es ist eine Illusion, dass es die gibt. Es gibt vor allem eine subjektive Wahrheit. Und ein interessantes Beispiel dafür ist, dass du sicher als WAHRHEIT empfindest, dass dein Mann dich verlassen hat wegen einer anderen Frau. Das hat er aber gar nicht. Du hast dich VON IHM getrennt, weil er fremd gegangen ist. Du hättest dich nicht trennen müssen (auch wenn das natürlich klug und richtig war). Aber bei dir und bei deinen Verbündeten geht man sicherlich von der WAHRHEIT aus, dass er dich verlassen hat. Es ist also eine subjektive Wahrheit.
Und so ist es auch eine subjektive Wahrheit, dass es ihm gerade schlecht geht, zu schlecht, um seine Vaterrolle einzunehmen und dir damit den Sport zu ermöglichen. Denn subjektiv fühlt er sich schlecht, und das hat mit seinen Schuldgefühlen zu tun und mit seiner Unfähigkeit, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen, in die er scheinbar so hinein geschlittert ist. Er fühlt sich möglicherweise als Würstchen, und letztlich ist er das im Moment ja auch.
Zitat:>>Diese Unsicherheit nagt heute schlimm an mir. Ich möchte nicht alles in Frage stellen. Ich habe Angst, aus so einer Gedankenspirale nicht mehr rauszukommen. Wie schafft man das?<<
Da ist ja zunächst mal die gute Nachricht, dass du das in Verbindung mit deinem NM gar nicht musst. Es besteht keine Notwendigkeit, ihm wieder so zu vertrauen, wie man einem Partner vertraut, es sei denn ihr beiden würdest tatsächlich noch einen Neuanfang starten. Dann ist da noch mal sehr ausführlich drüber zu sprechen, wie man in diesem Fall eine neue Form des Vertrauens findet.
Aber da du dich ja am liebsten bei seiner neuen Partnerin dafür bedanken möchtest, dass du ihn los bist, geht es nicht darum, zu IHM wieder Vertrauen zu fassen, sondern Menschen grundsätzlich wieder zu vertrauen, bzw. das einem neuen Beziehungspartner gegenüber zu tun.
Da kann ich dich insofern beruhigen, als das das mit der Zeit leichter wird, sich neue Möglichkeiten auftun und das ja vor allem mit genau dem Menschen zu tun hat, dem du wieder vertrauen willst und wirst. Das ist ja dann nicht mehr dein NM, sondern es ist ein Mensch, den du neu kennen lernst, dem du nach und nach zu vertrauen lernst und der im Gegenzug auch dir vertraut. Aus dieser Interaktion heraus entsteht auch wieder neues Vertrauen. Ebenso wie du ja auch den anderen Menschen aus deinem sozialen Umfeld jetzt vertraust und sie nicht alle mit dem NM in einen Topf wirfst.
Das, was in dir zerstört wurde, hat also mit IHM zu tun und nicht mit den Menschen im Allgemeinen. Und es hat vor allem mit seiner Unfähigkeit zu tun, sich für dich zu entscheiden und nicht für eine Bekanntschaft, die sich gut anfühlte und neue Möglichkeiten eröffnete. Da hat er es sich natürlich viel zu leicht gemacht und etwas sehr Wichtiges geopfert, um JETZT etwas genießen zu können, das er vermeintlich nicht hatte.
Zitat:>>Das gestrige Telefonat hat mir leider auch gezeigt, dass er bislang nichts verstanden hat. Er dachte wohl, dass er versucht unsere Ehe zu retten, in dem wir zu Parties gehen und ohne Kind was unternehmen. Ist natürlich auch ein Aspekt, zu sehen, dass man sich noch unterhalten und Spaß zusammen haben kann. Aber damit geht man ja die tieferen Probleme nicht an. Denn die sind es, die Mühe, Kraft und Energie kosten, um sie zu beseitigen. Das ist ihm bei unserem Telefonat zum ersten Mal ein bisschen bewusst geworden.<<
Ein gutes Beispiel für die heilsame Wirkung solcher Trennungsgespräche, bei denen man nichts mehr zu verlieren hat und offen über das sprechen kann, was man sich vorher nicht anzusprechen traute.
Zitat:>>Leider hat das Gespräch bei mir wahnsinnig viel Hoffnung ausgelöst und Sehnsucht nach ihm. Ich möchte ihn in den Arm nehmen, ihn unterstützen. Ich fühle mich um ein paar Wochen zurückgeworfen. Ich möchte am Liebsten nur weinen, um diese wieder starken Gefühle abzuschütteln. Ich weiß, dass ich sonst wieder nur verletzt werde. Es hat so viel Kraft gekostet, bis hier hin zu kommen.<<
Ja klar. Und diese Kraft ist auch nicht vergeudet, sondern sie ist gut investiert. Das hindert dich natürlich nicht daran, dem nachzutrauern, was du verloren hast und was vielleicht noch zu erreichen wäre, wenn er den A***h in der Hose hätte, seine ganze Kraft in seine Ehe und Familie zu investieren und nicht in eine vage Hoffnung. Er ist nun mal zur Zeit ein Würstchen und das fühlt sich weder für dich noch für ihn gut an.
Was nach der Würstchenzeit noch kommen kann, wissen wir nicht.
Zitat:>>Oh man, am Besten packe ich den Badeanzug aus, damit ich noch besser im Selbstmitleid baden kann. Ahhhh<<
Mach das. alles hat seine Zeit, auch das Selbstmitleid. Vielleicht bekommst du ja nicht genug Mitleid von anderen.