Epona
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letzte Woche habe ich mich nach 10 Jahren Ehe bedauerlicherweise von meinem Mann getrennt. Es ist eigentlich ein Grund, der eher unkonventionell sein dürfte. Folgendes ist passiert:
Vor etwa einem halben Jahr habe ich bei mir am Kopf Läuse festgestellt. Genauer gesagt: es gab bei mir über einige Wochen hinweg einen heftigen Kopfhaut-Juckreiz, der mit allen möglichen, noch so guten Apotheken-Shampoos nicht in den Griff zu bekommen war. Als ich eines Tages im Haar eine Nisse fand, war die Diagnose für mich klar. Soweit sollte es kein Problem sein, Kopfläuse gibts öfter, und das kann ich auch ohne Arzt behandeln. Ich habe meinen Mann darüber informiert, damit auch er sich kontrolliert und ggfs. behandeln kann. Er fragte mich nach meinen Symptomen, ich sagte sie ihm, und er stellte erstmals kritisch in Frage, ob die Diagnose Kopfläuse überhaupt wirklich stimmt. Es könne sich ja auch einfach nur um was ganz harmloses handeln. Ok, das ist sein gutes Recht, es könnte ja sein, dass ich falsch liege. Ich zeigte ihm Nissen und Läusefunde, in der Hoffnung, dass er damit zufrieden ist. War er nicht, seiner Meinung nach wären das nur Schuppen und Wundschorfe. Dennoch habe ich mich säuberlich gegen Läuse behandelt, ich habe einen Kamm besorgt und Mittel, er hat sich grummelnderweise auch mitbehandelt, damit keine Wiederansteckung erfolgt. Ok.
Jedenfalls habe ich eines Tages beim Kontrollkämmen wieder Läuse gefunden. Er fing an ziemlich schroff zu werden, in Abrede zu stellen, die Funde waren für ihn keine Läuse, sondern mal wieder nur Fusseln oder Wundschorfe, die gefundene Nissen waren für ihn ganz normale Schuppen. Ich also Komplett-Behandlung gemacht, er kontrollierte bei sich mit Kamm und meinte: ich habe nichts, nur Schorf, basta. Es kam wie es kommen musste: nach geraumer Zeit dritte Läuseplage auf meinem Kopf. Gleiches Spiel: er kämmt sich, findet angeblich nichts ("nur Schuppen und Schorf"). Ich zum Arzt, leider hat er nur schnell mal bei schlechtem Licht oberflächlich geschaut und fand dabei logischerweise nichts. Dementsprechend riet der Arzt zu einem Besuch beim Hautarzt.
Bis zum Termin beim Hautarzt brachen die Läuse bei mir erneut aus. Als ich dswegen eine Behandlung durchgeführt habe, schrie mein Mann mich nur noch an. Dass ich ja inzwischen mit meinem Läusewahn komplett verrückt geworden sei, dass ich anfürsich in die Nervenklinik gehöre, weil ich unter Verfolgungswahn leide. Seinen Eltern am Telefon erzählte er das gleiche (das war für mich eine bodenlose Frechheit und ein Vertrauensbruch sondersgleichen). Ich habe ihm ganz ruhig versucht klar zu machen, dass ich mittlerweile den starken Verdacht habe, dass nur er als Überträger in Frage kommt. Er kratzt sich ständig am Kopf und hat schorfige Krusten um den Nacken herum. Er nur: so ein Quatsch, er hätte noch nie Läuse gehabt, keiner seiner Arbeitskollegen hätte sich je über Läuseansteckungen bei ihm beklagt, und ausserdem müsse er sich ja von mir angesteckt haben und auch Läuse bei sich finden, was ja angeblich gar nicht der Fall ist. Seine juckende Kopfhaut käme nur von Schuppen und sonst gar nix. Deswegen braucht er auch nicht zum Arzt zu gehen. Ende der Debatte.
Inzwischen sind wir bei der nächsten Nummer angelangt. Der Hautarzt hat mir die Diagnose mittlerweile bestätigt, es sind definitiv Läuse, und riet entsprechend zur Behandlung. Ich habe meinem Mann das Ergebnis des Arztes mitgeteilt. Behandlung erfolgt bei mir zum wiederholten mal, mittlerweile bin ich traurigerweise sogar Profi in der Sache. Weil er nach wie vor glaubt, dass ich mir das ganze nur einbilde, und er definitiv immer noch nichts im Haar habe ("ich finde bei mir nichts, nur Schorf und Schuppen"), haben uns so extrem gestritten, dass ich ihn aus der inzwischen angestauten Wut heraus so dermaßen angeschrieen habe, dass wir seit letzter Woche kein Wort mehr miteinander reden. Er ist sogar freiwillig aus dem Schlafzimmer ausgezogen, angeblich weil er mich nicht mehr etragen könne, seitdem schläft er auf dem Wohnzimmersofa. Beim Arzt war er noch immer nicht...
Auf der einen Seite bin ich sehr froh darüber, dass ich nun endlich mal die Möglichkeit habe, parasitenfrei zu werden. Andererseits bin ich sehr traurig darüber, dass über sowas simples wie Läuse eine Beziehung kaputt gehen kann. Ich bin mir darüber bewusst, dass die häufigsten Trennungsgründe sehr oft Fremdgehen ist, oder Geld, oder Streit mit Schwiegereltern oder so. Aber sowas wie ein egoistischer Sturkopf, der keinen Meter von seiner Rechthaberei weichen kann (wie in diesem Fall) hab ich meiner Lebtag noch nicht gehört. Irgendwo tut es mir leid, dass ich ihn aus Wut heraus so übermäßig angebrüllt habe. Andererseits ist durch diese Sache für mich inzwischen viel zu viel zerstört: Liebe, Vertrauen, Geduld, Toleranz, alles weg. Dazu kommt noch, dass das gleiche Drama von vorneherein losgehen würde, sofern wir uns je versöhnen und in die Betten verkrümeln würden. Und darauf habe ich nun wirklich absolut keine Böcke mehr.
Danke fürs Lesen und fürs Zuhören. Ich wünsch Euch mehr Erfolg in Euren Beziehungen.



