Zitat von Nephilim:Was mich interessieren würde, hast du Sie eigentlich gefragt, was Sie gemacht hätte, wenn die Rollen vertauscht gewesen wären? Hätte Sie dich verlassen?
Um Verständnis für die Gefühlslage und die Sichtweise des anderen zu gewinnen kann es Sinn machen sich in die Rolle des Anderen zu versetzen? Aber das hypothetische Durchspielen einer Situation und die Realität sind dennoch zwei unterschiedliche Dinge wie ich feststelle. Das beginnt schon beim klaren Denken.
Zitat von hahawi:Was glaubst, ist für dich die größte Hürde, die zwischen Euch steht?
Was knabbert am meisten in Dir?
Im Moment kann ich keine Rangfolge erstellen. Es ist eine Mixtur aus allem was mich belastet. Aber... langfristig betrachtet... wird es wohl der Nachbar sein, da er einen stetigen Störfaktor in der Aufarbeitung darstellt bzw. man immer wieder daran erinnert wird. Und wenn ich in 2-3 Jahren wieder mit dem gleichen Thema beginne, dann fangen wir wieder von vorne an. Und das wird uns beide zermürben und die Ehe endgültig vor das Aus stellen. Das mutmaße ich jetzt mal.
Wenn ich es jetzt jedoch aus der Situation betrachte, dass ich mich ggf. trenne und weiter in dem Haus wohnen bleibe, ... dann würde ich doch vor dem gleichen Problem stehen, dass ich es ebenfalls nicht verarbeiten kann und die Erinnerungen daran immer wieder aufkeimen, was mich dann auch nicht glücklicher werden lässt.
Als Resultat bleibt dann wohl nur, dass ich mich mit einem Umzug anfreund, oder zumindest einem vorübergehenden.
Zitat von Bones:Hast du da mal nachgefragt?
Hat sie sich alleine gelassen gefühlt, nur weil du beruflich unterwegs sein musstest?Was bereitet ihr Druck und Sorgen?Hast du über deine Sorgen gesprochen? Gibt bestimmt auch einige, die ihr eventuell teilt.
Deine Frau hat sich tatsächlich für den schlechtesten Weg entschieden ,den Sorgen zu entkommen.
Hatte sie vorher mal versucht, mit dir zu reden?
Wie ist sie im Gespräch mit dir umgegangen? Hat sie auch dich getröstet? Hast du von deinen Gefühlen erzählt? Wie hat sie darauf reagiert?
Was ich fühle habe ich ihr zum ersten Mal in unserem zweiten Gespräch mitgeteilt. Das zu machen habe ich gelernt.
Die Gründe für den Druck habe ich einem meiner vorherigen Posts dargelegt. Familie, Arbeit, Unsicherheit...
Im Gespräch mit mir ist sie sehr... ja wie soll ich sagen... sanft und auf auf mich bedacht umgegangen. Sie hat alles mit leiser Stimme dargelegt, da so würde ich es auffassen, die Inhalte ihrer Sätze eh schon genügend Lautstärke und Nachhall in sich trugen.
Zitat von Mairenn:ein Hacken - wenn sie aber bloß aus Angst, aufliegen zu können (weil sie möglicherweise bei den Anwesenden den Verdacht erweckt hat oder gesehen wurde) dem zuvorgekommen ist und deshalb gebeichtet hat, dann ändert es die Lage
Du meinst, Sie hat es mir nur deshalb gebeichtet, weil er es mir sonst irgendwann hätte stecken können?
Ist sicher nicht auszuschließen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann aufgeflogen wäre, gerade wenn er ein Auge auf sie geworfen hat, ist wohl höher da er unmittelbar nebenan wohnt. Aber... wenn ich ihren Worten und Taten Wert beimesse, dann ist doch das Entscheidende, dass sie nicht vor hatte mich zu verlassen und zu ihm zu gehen, oder? Sie könnte jederzeit gehen, tut sie aber nicht. D.h. sie hat auch keine Gefühle für ihn. Der einzige Unterschied hätte darin bestanden, dass ich es nie erfahren hätte und ich wie ein Trottel dem Nachbar nach wie vor positiv begegnet wäre. Und was wenn wir als Nachbarn mehr Kontakt gehabt hätten in Zukunft, z.B. weil man sich über Erfahrungen mit Handwerkern austauscht und sich beim nächsten Stadtfest begegnet und sich unterhält. Wäre dies für sie dann nicht noch schlimmer gewesen, langfristig gesehen?
Ich habe ihr vorgeschlagen, dass wir uns in den kommenden Tagen mindestens einmal sehen sollen um weiter zu sprechen. Auch mal an unterschiedlichen Orten und eben nicht nur zuhause wo einem die Dicke auf dem Kopf fällt und die Wände einen scheinbar zu erdrücken versuchen. Sie dürfe es mir aber auch nicht übel nehmen, wenn ich mal Abstand brauche. In ein paar Stunden sehen wir uns wieder. Aufgrund ihrer Offenheit und Mithilfe freue ich mich fast schon darauf, auch wenn der Anblick gleichzeitig schmerzt und ich weiß, dass mich die bösen Gedanken am Abend wieder einholen werden.