Zitat von Magenta100: Ich glaube ich möchte alles über ihn wissen, weil ich immernoch dieses idealistische Bild einer Beziehung vor Augen habe, indem man sich blind vertrauen kann und dem Partner,uneingeschränkt, alles erzählen kann, weil man sich eben nicht schämen muss oder einem nichts peinlich sein muss, weil eben der Partner und man selbst sich so nahe stehen.
Es liest sich sehr anstrengend, welches Bild von einer Partnerschaft Du hast. Es ist anstrengend für ihn, weil Du von ihm erwartest, dass er Dir jede Kleinigkeit anvertraut. Damit übst Du unbewusst Druck aus und Druck erzeugt Gegendruck oder aber Entzug. Und es ist auch für Dich eine anstrengende Verhaltensweise weil Du Erwartungen hast die der Realität niemals Stand halten können.
Du erzählst ihm auch nicht alles, Du bildest es Dir aber wahrscheinlich ein und er erzählt Dir auch nicht alles. Jeder hat ein Recht auf sein eigenständiges Wesen, auf seine Gedanken und seine Gefühle. Und keiner muss einem Mitmenschen darüber Rechenschaft ablegen.
Oder erwartest Du im Ernst, er kommt von seiner Stunde nach Hause und er setzt sich hin und kann es gar nicht erwarten zu berichten worüber heute gesprochen wurde. Oft wird ja gar nicht so viel gesprochen, sondern der Therapeut hört eher zu. Ein guter Therapeut ist außen vor, er bezieht keine Partei, er äußert kein Mitleid, aber auch keine Anklagen und Schuldzuweisungen. Er ist völlig neutral und gerade diese Neutralität, die Du nicht mal ansatzweise mitbringst, ermöglicht es dem Patienten sich selbst anders anzuschauen und manches bei sich in Frage zu stellen.
Was Du von Deinem Partner erwartest, ist so etwas wie "gottgleich", der alles weiß.
Wie steht es denn eigentlich um Eure Beziehung. Darüber schreibst Du sehr wenig. Und woher kommen die zwanghaften Gedanken, er müsse Dir gefälligst alles erzählen. Es kann mit Deiner fordernden Haltung ihm gegenüber dazu kommen, dass Du ihn damit von Dir weiter wegtreibst.
Es ist eine gute Sache, wenn er den Mut hat, eine Therapie zu machen. Er trägt was mit sich rum (von dem Du möglicherweise nicht viel weißt) womit er nicht zurecht kommt. Und jetzt sucht er sich praktisch so was wie ärztliche Hilfe. Das erfordert Mut eben weil bei einer Therapie verborgene Dinge ans Licht kommen können und dazu solltest Du ihn beglückwünschen. Denn viele die eine Therapie nötig hätte, nehmen sie nicht in Anspruch. Ach, lieber nicht daran rühren, das ist bequemer und damit schütze ich mich vor unbequemen Erkenntnissen. Solche Menschen nehmen eine verdrängende Haltung ein, die aber wenig hilfreich ist.
Hast Du etwa Angst, er könnte Eure Beziehung in Frage stellen? Damit meine ich Deinen Partner, nicht den Therapeuten. Denn ein Therapeut wird seinem Klienten niemals eine Entscheidung einreden, weil er ihm damit die Verantwortung für sein eigenes Leben abnehmen würde. Tut er es doch, so taugt er nichts.
Oder wäre es besser, er hätte einen männlichen Therapeuten?
Ich glaube, Du solltest Dein Bild von einer verschmelzenden Partnerschaft ablegen, denn damit sprichst Du Deinem Partner seine Selbstbestimmtheit und seine Individualität ab. Und damit kannst Du das, was Du unbedingt haben und halten willst, zerstören.