Margerite
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Zitat von alex2024:Ich "warte" auf den einen Wink, der mir sagt, was ich tun soll, ohne aktiv eine Entscheidung treffen zu müssen. Das ist feige - das weiß ich. Ich bin einer der Menschen, die sich mit endgültigen Entscheidungen sehr schwer tun.
Das bin ich auch. Ich will mich nicht festlegen, ich könnte nicht sagen, was für mich richtig ist. Ich will einfach beides, die bequeme Lösung. Hier das Altbewährte, dort das aufrgende Neue.
Das ist überhaupt kein Problem, denn wer keine Entscheidungen trifft, über den wird entschieden. Und zwar von Dritten.
Bei mir war es der Affärenmann der mein ständiges Buhlen um Nähe nicht mehr ertragen wollte, den ich seine geheiligte "Freiheit" beeinträchtigte.
Es hätte auch mein Mann sein können, der meine Flausen nicht mehr ertragen wollte und gehen hätte können.
Das Leben entscheidet dann schon für diejenigen, die sich für nichts entscheiden wollen.
Ganz einfach, ich wurde per Mail "entsorgt" und diese Klatsche habe ich lange nicht verwunden. Zwar mit netten Worten, die mir den Abschied leichter machen sollten, aber das Ergebnis unter dem Strich war dasselbe.
Und dann kamen postwendend noch mehr Kummer, Seelenschmerz, Eifersucht, Vermissen. ich litt und wie.Nun hatte ich es. Ehe, was sollte mir die noch helfen? Affäre weg, die mein Lebenssinn, mein Inhalt geworden war. Ich hatte alles vernachlässigt, weil meine Gedanken und Gefühle nur der Affäre galten, weil ich da so was wie Lebendigsein verspürte. Und das war nun weg, unwiderbringlich.
Es war grausam, aber die logische Konsequenz dessen was ich getan hatte.Und da ich selbst keine Entscheidung für mich treffen konnte oder ehrlicherweise treffen wollte, denn wer weiß denn schon im voraus, was richtig ist, entschied eben der AM über mich. Ich sollte weg und sein Leben nicht mehr beeinträchtigen, verkleidet mit schönen Worten. Wahrscheinich stand Nextie schon bereit.
Weder in meiner Ehe fühlte ich mich wohl - kein Wunder, wenn die Gefühlssensationen woanders einen bei der Stange halten - noch mit mir selbst. Es war mühsam mich wieder aufzurappeln, mich nicht vollends hängen zu lassen, ein wenig Farbe ins Leben zu bringen. Farbe war genau das was mir fehlte, denn die Farbe brachte nur die Affäre in mein Leben.
Mit der Zeit wurde es besser, Ich lernte besser für mich zu sorgen. Nicht materiell, aber mental. Zu vieles hatte ich liegen gelassen, vernachlässigt, nicht beachtet und manches holte ich wieder hervor.
Ich lernte, kleine Dinge wieder zu schätzen. Ein Abend mit Freundinnen, lachen mit ihnen. Ein Abend im Theater, ganz allein, was sich gut anfühlte für mich. Eine Dienstreise nach Berlin, die ich mit drei Urlaubstagen für mich allein "garnierte". Ich war allein und fühlte mich gut. Selbstbestimmt und seit langer Zeit fühlte ich mich wieder richtig gut. Nicht nur halb gut, sondern richtig.
Berlin war damals mein Freischwimmer, der mich wirklich vorwärts brachte. Ich merkte, was mir gut tut und was nicht. Und seit langer Zeit fühlte ich mich wieder richtig frei. Ich wusste bis dato gar nicht, dass mir das gut tun würde. Ein paar Tage nur für mich, ohne Treffen und Ablenkung durch andere.
Das war 10 Monate nach der Afffäe, die bis dahin immer noch nicht richtig verwunden war, aber ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstbestimmtheit.
Ab da ging es aufwärts, auch beruflich. ich übernahm eine Zusatzaufgabe, zu der ich mehr oder weniger überredet wurde und die mir keinen Cent mehr einbrachte. Aber seltsamerweise wuchs ich auch durch diese Zusatzaufgabe. ich lernte viel dazu, freute mich über neue Kenntnisse und Kontakte. Mein Selbstvertrauen stabilisierte sich und mein Selbstwertgefühl wuchs. ich war nicht länger diejenige, die das nicht konnte, aber viele andere eben schon. Ich war ebenbürtig.und zog mich nicht mehr in Zweifel wie ich es vorher immer getan hatte.
Und je mehr ich mich stabiliserte, je besser ich mich mit mir fühlte, desto besser konnte ich auch wieder mit meinem Mann umgehen. Es war nicht nur mein Mann an der Flaute Schuld gewesen, auch ich selbst, weil ich mich selbst nicht mochte. Es ging schrittweise immer besser mit uns. Wir näherten uns wieder viel mehr an, wir sprachen mehr miteinander, wir erlebten wieder mehr gemeinsam.
Mein Wohlbefinden war ein Schlüssel zur Verbesserung der Ehe. Vorher hatte ich immer nur nach Zufuhr von außen gesucht.
Dieses Tief hat sich für mich, für uns gelohnt. Und sehr viel verdanke ich da meinem Mann, der mich niemals drängte, mir nie Ultimaten stellte, der mich einfach in meinem Loch sein ließ, aus dem ich selbst wieder rauskriechen musste.. Seine unfassbare Geduld, sein Abwarten und auch seine immer noch vorhandene Zuneigung zu mir - unglaublich nach dem, was ich geliefert hatte - bewundere ich heute noch.
Und es geht mir heute wie Kruemel. Es ist gut wie es ist. Die Stürme von damals sind vorbei.