Zitat von Vorbeigeschaut: Mich erschreckt nach wie vor die Beliebigkeit der Menschen, mit denen einige zusammen leben und vorgeben zu lieben oder in ihrer Wahrnehmung es auch tatsächlich zu tun.
Es ist sicher gut für sich erkannt zu haben, dass eine Affäre eigene Bedürfnisse erfüllt, die man in der Ehe so nicht mehr findet, gelingt die Affäre nicht, geht man zurück in die Ehe, weil man es kann, der EP lässt es zu, und dieser EP hat dann nicht dieselbe Funktion wie der AP, nämlich Bedürfnisse zu erfüllen? Es gäbe doch auch die Möglichkeit alleine zu leben und erstmal sich selber zu finden und erst dann eine Beziehung einzugehen, wenn man dasselbe zu geben hat, was man zu nehmen gedenkt. Warum ist das keine Option? Warum wechselt man zwischen Beziehungen hin und her und hin?
Exakt das frage ich mich auch.
Immer wieder die gleichen Threads, in denen es immer nur um die Frage geht: neue Beziehung mit der Affäre, oder Ehe? Von der Affäre sitzengelassen, kehrt man reumütig in die Ehe zurück, "kämpft", versucht, die "Liebe wieder neu zu beleben".
Ich kann das nicht nachvollziehen - die Tatsache, dass ich Gefühle für einen anderen Mann entwickelt habe und eine Affäre eingegangen bin, hat mir plastisch vor Augen geführt, dass meine Ehe am Ende ist und ich da raus muss. Ich erkläre es mir damit, dass in meiner Ehe einfach nichts mehr war, das neu belebt hätte werden können, um das man hätte kämpfen können. Ich vergleiche es mit einem erloschenen Feuer: die Glut war bereits kalt, da war nur noch Asche, da ließ sich nichts mehr neu entfachen. Vielleicht ist das bei vielen Beziehungen hier anders. Aber ich wollte auch diesen Kampf, diesen Krampf nicht. Ich will um eine Beziehung, eine Ehe nicht kämpfen müssen. Gefühle sind da oder nicht - ich kann sie nicht künstlich erzeugen oder wiederbeleben, nur weil da ein großes Lebenskonstrukt ist, 25 gemeinsame Jahre, Haus, Kinder, Katzen. Wenn da keine Beziehung ist zum Partner, keine Nähe, dann kann ich die nicht erzwingen, so sehr ich auch will. Und ich wollte auch raus aus dieser emotionalen - und auch materiellen - Abhängigkeit.
Wenn mir in meiner Ehe, in meiner Beziehung etwas fehlt, liegt die Ursache dafür natürlich nicht nur beim Partner, sondern auch bei mir selbst. Aber das kann ich nicht herausfinden, wenn ich mich wieder in dieses Konstrukt hineinbegebe, mich wieder einpasse und versuche, damit klarzukommen, was dort vorhanden ist.
Wirklich wachsen und mich verändern kann ich nur, wenn ich alleine mit mir bin. Ich hoffe natürlich, das nicht für immer zu bleiben, aber jetzt mal allein (natürlich mit meinen Kindern) zu leben, ist für mich eine ganz entscheidende Zeit in meinem Leben, das spüre ich. Und erst wenn ich meine Anteile am Scheitern meiner Beziehung wirklich erkannt und verstanden habe, werde ich dazu in der Lage sein, eine neue, wahrhaftige und tiefe Beziehung mit einem Partner zu führen, in der ich nicht wieder die gleichen Fehler mache.