Sorry wenn ich mich erst jetzt wieder melde. Gestern Abend hatte ich was ganz Wichtiges zu tun.
Erst einmal möchte ich mich für eure Ratschläge danken. Es mag sein, dass in vielen Fällen die häufiger vorgeschlagene "letzte Konsequenz" die beste Wahl ist. Ich für meinen Teil versuche Dinge differenziert zu betrachten. Ob ich der weiße Ritter bin? Ist mir egal, das interessiert mich nicht. Ich versuche andere möglichst so zu behandeln wie ich selbst behandelt werden möchte.
Gestern Abend hatten meine Frau und ich ein sehr, sehr langes und auch tränenreiches Gespräch.
Meine Frau kenne ich scheinbar nicht gut genug, aber immerhin gut genug um zu wissen, dass ich jetzt Single wäre, wenn ich sie vor die Türe gesetzt oder es ihr zumindest angedroht hätte. Für meinen Fall war meine Vorgehensweise die beste und vielleicht die einzige vernünftige. Ihr ein wenig Zeit zu geben.
In Kurzform. Wir haben, wie leider viele, Schwierigkeiten mit der Kommunikation miteinander und eventuell ein kleines bisschen zu wenig Vertrauen zueinander. Das Vorgefallene haben wir aufgearbeitet und viele Missverständnisse aus dem Weg geräumt. Wir haben ein gutes Stück Arbeit vor uns, um das Vertrauen wieder vollständig herzustellen. Aber wir haben wieder ein großes Stück weit zusammen gefunden.
In der Langversion ist folgendes passiert. Wir haben uns gestern bis spät in die Nacht zusammengesetzt, versucht die Emotionen zu zähmen und dem anderen seine Sicht der Dinge darzulegen. Dabei habe ich feststellen müssen, dass mir einiges einfach unbekannt war, ich es falsch gesehen habe oder es später auch so sehen bzw. interpretieren wollte. Was dabei raus kam habe ich hier ja geschildert.
Sie wollte einfach das Wochenende mit ihren früheren Bekannten und Freunde verbringen. Eine Erholung vom Alltag haben, einfach nur quatschen, Spaß haben, Grillen, ins Kino gehen, usw. . (Wir beide warten noch nie zusammen im Kino. Immer wenn wir ins Kino wollten und einen Babysitter organisiert hatten, wurde ein Kind krank! Das sind dann DVD´s viel bequemer ...)
Mir hat sie leider nicht zugetraut sie zu verstehen. Darum hat sie mir gar nichts genaues davon erzählt. Am Wochenende hatte sie sehr viel Spaß (nicht das was ihr jetzt denkt!) und überwiegend eine gute Zeit. Das hat sie genossen und hat ihr gut getan.
Leider hat sie dann kurz vor der Rückfahrt erfahren, dass ein sehr guter Bekannter an dem Tag einen schweren Unfall hatte. Sein Zustand ist kritisch. Das hat sie sehr mitgenommen. Dann nach der stressigen Rückfahrt von über 350 Km auf dieser Autobahn mit so vielen bescheuerten, absolut kranken Autofahrern habe ich sie dann nach zwei Stunden nach der Ankunft müde und kaputt wie sie war "überfallen". Sie mit Dingen konfrontiert, welche sie ganz anders gesehen und empfunden hat.
Der Vertrauensbruch, dass ich spioniert hatte, hat sie zusätzlich aus der Bahn geworfen. Auch als Ausrede, um Zeit zu gewinnen, um sich zu schützen, nichts falsches zu sagen, nachzudenken, um es nicht eskalieren zu lassen (!) hat sie einiges teilweise sehr dummes gesagt, was ich dann wiederum teilweise falsch verstanden und interpretiert habe. Die für sie schwierige Situation musste sie auch erst einmal verarbeiten. Sie musste sich darüber klar werden ob sie mir nach den Spionage wieder vertrauen kann. Meine ständigen Nachfragen haben es auch nicht besser gemacht.
Der Auslöser für die Krise haben wir aufgearbeitet. Die besagten Facebook-Nachrichten. Es waren Fozeleien mit einem alten Kumpel die einfach verbal aus Euphorie ausgeartet sind. Es ist schwierig das zu glauben. Daher haben wir einige Nachrichten explizit durchgekaut. Dabei habe ich dann, nachdem sie es mit einfach mal erklärt hat, auch verstanden, dass einiges komplett anders gemeint war.
(Trotzdem habe mit dem Punkt noch zu kämpfen)
Z.B. das mit dem "Mister der nicht aus dem Knick kommt" war nicht auf mich bezogen sondern ihr erster Freund der durch seine Alk. komplett abzustürzen droht. Den wollte sie dort sehen und ihn aufbauen. Aber er kam nicht mal zu einem Treffen. Andere schlüpfrige Nachrichten konnten zeitlich und von den Örtlichkeiten so nicht stimmen. Das passte gar nicht. So schnell ist nicht mal ein Flugzeug.
Im Laufe des Gespräches hat sie mich verstanden, warum ich einiges so gesehen und empfunden habe. Warum ich emotional abgestürzt bin. Ich habe sie gefragt, was sie an meiner Stelle getan hätte. Bei einem Anfangsverdacht hätte sie mir wahrscheinlich ebenfalls hinterherspioniert. Meine Privatsphäre verletzt. Nur hatte sie nach der Rückkehr nicht zwei Stunden gewartet um mich zur Rede zu stellen und wäre dabei nicht so ruhig geblieben.
Sie hat eingesehen, dass es schlecht war mir nicht zu vertrauen und mich etwas auszugrenzen. Sie hat mir versichert, dass sie mich nicht verletzen wollte und einiges nicht so gemeint und nur der Situation geschuldet war. In der ganzen Zeit kam wieder mal unser wirkliches Problem zum Vorschein. Wir BEIDE kommunizieren falsch bzw. zu wenig miteinander.
Ich brauche unbedingt das Fremdwörterbuch "Frau-Mann / Mann-Frau".
Zumindest haben wir eine Basis gefunden auf der wir aufbauen können. Es wird ein weiter Weg bis auch das letzte bisschen Misstrauen verschwunden ist. Ich bin dermaßen erleichtert, dass es sich "nur" um Missverständnisse und Kommunikationsschwierigkeiten gehandelt hat.
Mir steht es eigentlich nicht zu, jetzt anderen Ratschläge zu erteilen. Nur versucht bitte in solch hoch emotionalen Ausnahmesituationen den großen Schmerz, die Wut, die Enttäuschung im Zaum zu halten. Versucht miteinander und nicht gegeneinander zu reden. Auch wenn es euch vor Wut fast zerreißt. Versucht den Gedanken des anderen nachzuvollziehen. Vielleicht war es ein Missverständnis, vielleicht findet man doch noch eine gemeinsame Basis. Die letzte Konsequenz kann man immer noch ziehen. Zumindest in meinem/unserem Fall hat es geholfen. Denn ich hätte beinahe wegen der Emotionen Schäden verursacht die kaum mehr zu beheben gewesen werden.
Nochmal Danke, dass ihr versucht habt mich zu unterstützen, auszubauen und meine Gedanken zu sortieren.