Zitat von harry7411:Zitat von Kaetzchen:Und dazu gibt es viele Wege, aber alle Wege führen darüber, dass man sich verstärkt um sich selbst kümmert, in Teilen egoistischer wird, dem anderen seine Grenzen aufzeigt und sich klar und deutlich abgrenzt.
Und das fürchte ich ist bei uns passiert. Sie hat sich etwas mehr um sich gekümmert. Zusammen mit der mehr wie unangemessenen Kommunikation, habe ich alles anders als sie aufgefasst und es ist sehr heftig eskaliert. Daher sehe ich den Vorschlag eher skeptisch.
Zitat von Kaetzchen:Und deshalb tut sie das, was sie eben tut, weil sie es kann und weil er es zulässt. Menschen, die mit dieser Abgrenzung kein Problem haben
Kann die Distanz nicht dazu führen, dass der Partner dann erst recht eine Legitimation hat sich "anderweitig" umzusehen und sich weiter emotional zu entfernen?
Nein, was bei Euch passiert ist, ist folgendes - Deine Partnerin hat sich distanziert. Was ganz normal und natürlich und auch gesund ist in einer Beziehung. In keiner Beziehung "lieben" beide immer gleich stark. Es ist meistens so, dass einer ein bisschen mehr liebt als der andere, und in einer gesunden Beziehung pendelt das immer hin und her. In einer Beziehungskrise ist die Distanzierung schon weiter fortgeschritten, das kann ich jetzt nicht beurteilen, ob es bei Euch schon eine Krise war oder noch normale Distanzierung seitens Deiner Partnerin. Es ändert aber letztlich nichts, denn das Gesagte gilt auch (oder erst recht) in einer Krise.
Das Problem resultierte aus
Deiner Reaktion auf den Rückzug Deiner Partnerin, denn Du bist ihr offenbar nachgelaufen, hast ja sogar spioniert, statt Dich Deinerseits eine Zeitlang genauso zu distanzieren und Dich wieder verstärkt um Dich zu kümmern, genauso, wie sie das auch getan hat (hättest Du das getan, wäre Dir die fehlgeleitete Kommunikation gar nicht aufgefallen, weil Du Dich einfach nicht darum gekümmert hättest

Du bist Deiner Verlustangst gefolgt - Hilfe, sie distanziert sich, womöglich liebt sie mich gar nicht mehr? - und die führt dazu, dass Du Dich anklammerst, statt loszulassen. Das ist ein ganz natürliches Verhalten, das nur leider nicht den gewünschten Effekt hat, sondern das Gegenteil davon.
Eine Verbindung zwischen zwei Menschen ist wie ein Seil. Es sollte straff gespannt sein, damit die Spannung erhalten bleibt. Bei zu viel Nähe ist das Seil schlaff, bei zu viel Distanz wird es reißen. Wenn das Seil schlaff geworden ist und einer zieht dran (was Deine Partnerin offenbar getan hat), neigt der andere dazu, hinterherzugehen, das ist ein Reflex. Dann wird das Seil aber wieder schlaff. Stattdessen sollte man im gleichen Maße ziehen wie der andere, damit es straff bleibt. Zwischendurch gibt es immer mal "Durchhänger", das ist ganz normal. Nur dauerhaft sollte das Seil nicht schlaff sein. Und daran müssen beide mitwirken.
Ob es nun bei Euch so war, dass eh schon zu viel Distanz herrschte und dadurch die Krise entstanden ist und sie sich einem anderen zugewandt hat, oder der umgekehrte Fall eingetreten ist, kann ich Dir nicht sagen. Dazu weiß ich nicht genug, das musst Du selbst beurteilen. Du weißt ja, wie die Beziehung vor dieser Krise war. Zu viel Nähe? Zu eng? Dann spricht alles dafür. Schon sehr distanziert, und sie ist daraufhin noch mehr in die Distanz gegangen? Dann wäre mehr Nähe jetzt angebracht, nach dieser Krise. Aber das kannst nur Du wissen.
Ein ausgeglichenes Nähe-Distanz-Verhältnis ist essentiell für eine Beziehung. Es gibt da immer unterschiedliche Bedürfnisse, auch durch das Leben beeinflusst, extrem selten sind zwei Menschen dahingehend dauerhaft auf gleicher Höhe. Aber wie man dann damit umgeht entscheidet darüber, ob eine Beziehung weiterhin stabil bleibt, wieder stabil wird oder auseinanderbricht. Und das kann man "lernen", wenn man es nicht intuitiv von selbst kann.
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