Zitat von Hansl: Emotionale Affären gelten als die "emotional" gefährlichste Form der Bindung. Fast immer besteht ein Grad an emotionaler Abhängigkeit.
Das finde ich einen wirklich interessanten Punkt und den kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Eine Affäre, solange sie läuft, besteht ja aus sporadischen Treffen, für die gelogen und akribisch geplant werden muss. Und man weiß schon, dass es ein nächstes Treffen für lange Zeit danach nicht geben kann, aus Zeitgründen und anderen Unwägbarkeiten. Umso wertvoller erscheinen dann natürlcih die gemeinsamen Stunden und natürlich wird das Erlebte total überhöht. Da auch kein Alltag stattfindet, idealisiert man den Affärenpartner zwangsläufig. Mit anderen Worten, die wenigen Stunden mit ihm oder ihr sind der gefühlte Himmel auf Erden. Gleichsam wie in einem Rausch erlebt man zuvor Unvorstellbares.
Die Zeit ohne den Affärenpartner erscheint dagegen grau und eintönig. Ehealltag, Familie, Kinder, Arbeit, Haushalt etc.. Und dazu noch das sehnsuchtsvolle Warten auf ein Lebenszeichen des AP. Heimliche Nachrichten, gespickt mit Kusssmilieys und leidenschaftlichen Worten. Heimliche Telefonate, in denen man vor lauter Seufzer kaum ein Wort hinaus bringt. Natürlich macht das süchtig. Einfach weil es eben kein Alltag ist, keine Pflicht, kein Kampf. Nur Gefühl und bittersüße Liebe. Oder wie immer man das auch nennen will. Seelenverwandschaft ist da ja auch ein gerne genutzter Begriff.
Ich kenne das ja aus eigenem Erleben und genau so hat mein Exmann es mir auch einmal geschildert. Er kam dann aus diesem Teufelskreis von Sehnsucht und Himmelhochjauchzen nicht mehr heraus und trennte sich von mir. Auch weil ich selbst nicht in der Lage war, ihm eine echte Alternative zu bieten. Ich war ja auch nur noch ein Häufchen Elend damals. Es war richtig, dass er ging. Und es war wichtig für uns beide, um überhaupt wieder zu Atem zu kommen.
Heute beklagt er das alles zunehmend. Aus unseren letzten Gesprächen konnte ich entnehmen, dass er seinen Warmwechsel inzwischen bitter bereut. Diese Frau, nach der er sich monatelang verzehrt hat, ist für ihn nun vollends entzaubert. Das hätte er ohne diesen gelebten Alltag mit ihr so sicher nie empfunden. Ohne seinen Warmwechsel und wäre er damals auf mein Drängen hin bei mir geblieben, er würde sich heute noch nach ihr verzehren. So aber steht da wohl bald die nächste Trennung seines Lebens ins Haus. Und erst jetzt scheint er bereit dazu zu sein, sich von ihr zu lösen.
Der Weg zurück zu mir steht ihm offen. Das weiß er. Scheidung hin oder her. Mal sehen, ob er ihn gehen will. Er weiß, mit mir hätte er Geborgenheit, Sicherheit, eine gute Freundin an seiner Seite. Und der Sex? Meine Güte, das ist eine sehr wohltuende Nebenbeschäftigung. Die beste Art die ich kenne, sich zu entspannen. Ich muss nicht mehr jedes mal die Engel singen hören, wenn ich komme. Mir reicht das Wohlgefühl, dass es mir beschert. Er sieht das inzwischen ähnlich. Ob man das jetzt Liebe nennen wollte, wie man sie sich als junger Mensch vorstellt, bezweifele ich. Aber es wäre das, was wir einander trotz allem immernoch zu bieten hätten. Jeder von uns war bereits auf Abwegen, der eine mehr der andere weniger. Wir waren beide einmal einem anderen Menschen verfallen. Wohlwissend das diese Menschen eine Zeit lang eine Illusion verkörperten. Die Illusion der großen Liebe. Aber vielleicht ist das, was ein altes Ehepaar hat, das auch nach Jahrzehnten noch zusammen lebt, viel größer. Nur fühlt es sich leider nicht so an! Vielleicht aber kann man es wieder schätzen lernen mit der Zeit.