Zitat von QueenA: Aufmerksamkeit und Wachsamkeit sind grundsätzlich positiv. Was ich jedoch kritisch sehe, ist das öffentliche Sammeln von „Indizien“ in einem Thema, um die eigene Wahrnehmung zu untermauern. Das verschiebt die Diskussion weg vom Sachthema und hin zu einer Bewertung von Personen.
Mir geht es um einen respektvollen und konstruktiven Umgang miteinander. Wenn sich ein Stil etabliert, bei dem öffentlich über andere spekuliert oder sie kategorisiert werden, entsteht eine Atmosphäre, die langfristig mehr Schaden anrichtet als einzelne problematische Beiträge. In so einem Klima melden sich Menschen nicht wegen einzelner User*innen ab, sondern wegen der Grundstimmung.
Liebe @QueenA,
Auch auf die Gefahr hin insbesondere nach Richards Ansage, die ich in ihrem Ton jetzt ungewöhnlich und auch unnötig hart empfinde, dass der Beitrag gelöscht wird etc, möchte ich Dir an der Stelle widersprechen und denke auch, dass Du zu sehr beschwichtigst, was ich zum Beispiel für ein sehr ungeeignetes Mittel halte, um Frieden zu stiften.
Inhaltlicht stoße ich mich, an der Behauptung, dass das öffentliche Sammeln von Indizien die Diskussion vom Sachthema zur Bewertung verschiebt. Denn jemandem im Forum zu schreiben, hey diese Aussage ist nicht glaubhaft ist weder entgegen den Forenregeln noch automatisch eine Bewertung der Person. Meist wird sie meiner Erfahrung nach erst im Nachgang dazu gemacht, in dem sich der Betroffene in seiner Kränkung dann direkt als Person angegriffen fühlt, anstatt zu sehen, dass sich die Kritik auf die gemachte Aussage bezog. Jetzt kommt in diesem Fall hinzu, dass ich finde, dass die Reaktion nämlich empörtes Foto herumschicken, deutlich Anteil an der Eskalation hat und das aber in Deinem Post wenig gewürdigt wird. Mir persönlich geht das alles zu sehr in die Richtung des my feelings are more important than your facts.
Selbstverständlich findet das alles seine Grenzen, aber im Österreichischen gibt es den Ausdruck „am Watschenbaum rütteln“ und wenn jemand das mit sagen wir mal einer großen Vehemenz tut, dann empfinde ich das sich anschließende Geschrei darüber, dass man dann eine solche auch ausgefasst hat, als manipulierend und heuchlerisch. Und dann sind eben nicht diejenigen schuld, die einfach nur darauf hinweisen, daß eine Geschichte nicht glaubhaft ist, weil der Gegenpart die Unterscheidung zwischen Glaubhaftigkeit und Glaubwürdigkeit nicht kennt, sondern dann ist die Frage, inwieweit sich jemand eben auch mal das eigene Verhalten anrechnen lassen muss.
Schließlich die Behauptung, dass sich einzelne hier nicht wegen anderer einzelner abmelden, sondern wegen des „Klimas“ ist zunächst einfach eben das, eine Behauptung und keine Tatsache und sie verlagert sehr subtil die Verantwortung für konkrete Handlungen zu einem abstrakten allgemeinen diffusen Frieden, den alle zu wahren hätten, ist also letztlich genau die angeprangerte Verlagerung vom Sachthema hin zum ad hominem.