Ich möchte mich für Eure Gedanken zu diesem Thema herzlich bedanken und ich bin froh, dass ich meine eigenen Gedanken dazu hier mal geschildert habe, nachdem ich in den vergangenen 1,5 Jahren nach Affärenende wirklich sehr viel über mich, über meinen AM, meinen EM und das Thema Affäre im allgemeinen reflektiert habe.
Interessant finde ich, dass jeder seine eigene Art hat, mit erlebten Affären umzugehen. Das wird hier absolut deutlich, wenn Betrogene wie @Tisiphone ihren Schmerz sogar bewusst noch weiter ertragen, um abzuwarten bis es finanziell günstiger wird, sich zu trennen.
Zitat:Ich bleibe - noch - bis es finanziell für mich günstiger wird mich zu trennen. Nach 40 gemeinsamen Jahren kommt es auf ein paar mehr auch nicht an. Und ich will auf jeden Fall mein Haus behalten.
Ist Dir Dein Haus wirklich so viel mehr wert als ein schmerzfreies Leben?
Andere wie @Wurstmopped und @Löwin45 haben ihren Schmerz offensichtlich schon so weit überwunden, dass sie mir hier wertvolle, einigermaßen wertfreie Hinweise geben können, was mich in Zukunft in meiner Ehe belasten könnte. Herzlichen Dank für den Einblick in Eure Erfahrungen und Hut ab vor Eurer Art, mit dem Betrogenwordensein umzugehen. Es ist deutlich zu spüren, dass ihr euch nie mit der Opferrolle abgefunden habt und das finde ich sehr bewundernswert.
Zitat von Wurstmopped:So wie es mir um mein Leben geht, Jahre die mir genommen wurden, geht, ging es Dir auch nur um dein Leben. Dein Mann hat ein Recht auf sein Leben, nicht mehr und nicht weniger.
Genau darum geht es. Warum sollte ich mein Leben mit einem Geständnis belasten, das jetzt niemandem mehr nutzt? Warum sollte ich das Leben meines EM mit einem Geständnis belasten, das jetzt niemandem mehr nutzt? Ganz im Gegenteil, es würde nur Schaden anrichten, denn die Affäre ist beendet und es wird für mich nie wieder eine geben.
Warum also sollte ich nun alles auf den Tisch bringen - nur um der "Ehrlichkeit" willen wie @Tisiphone es fordert?
Zitat:Ich finde, jeder hat Ehrlichkeit verdient, auch der Ehemann der TE. Er kann dann selbst entscheiden, ob er verzeihen kann oder nicht.
Ich denke nicht, dass diese Art von Ehrlichkeit einer Beziehung hilft. Absolute Ehrlichkeit kann sehr weh tun, wenn man sie einfordert und dann auch zu hören bekommt. (Kleines Beispiel wäre die Antwort auf die Frage: wie sehe ich aus? Ganz ehrlich: du siehst heute echt nicht attraktiv aus......wer hört so etwas gerne?!) Es ist ja alleine meine Entscheidung und nicht etwa ein Charaktermangel oder Verhaltensfehler meines EM gewesen, dass ich mich auf die Beziehung mit dem anderen Mann eingelassen hatte. Ich wollte ihm nicht das furchtbar verletzende Gefühl geben, dass ein anderer mir vielleicht genauso viel oder mehr zu bieten hat als er. Was ja so auch nicht war, wie ich inzwischen weiß.
Ich hatte mich daher so entschieden wie @6rama9 und @null es sehen:
Zitat:Aber was davon wird "besser", wenn man nach einer bereuten Affäre beichtet? Meiner Meinung nach nur etwas, wenn man den Partner zu einer Änderung seines Verhaltens bringen will. Wenn man das Problem (so wie Valerie) in einem selbst erkannt hat, nutzt weder dem Partner, noch einem selbst die nukleare Option der Beichte etwas. Im Gegenteil.
Das heißt nicht, dass dadurch alles ganz leicht ist und das Geschehene ohne ein Geständnis ungeschehen wird. Wie viele von Euch vermuten, werde ich den AM natürlich nie ganz vergessen können, so wie jeden Menschen der mir mal wichtig war. Ich habe mich mit den unterschiedlichen Gefühlen in einer normalen Beziehung und einer Affäre sehr beschäftigt, um mein Verhalten überhaupt verstehen zu können und stimme @marianna1122 zu:
Zitat: Dennoch, unsere Ehe wird nie wieder sein, wie vorher und die Gefühlsintensität wird nie das Affärenniveau erreichen.
Wenn es nicht so wäre, würde doch niemand eine Affäre eingehen.....Auch Dir alles Gute! Deine Geschichte macht mir Mut!
Den Vergleich mit Mördern, deren Hemmschwelle für die Begehung von Verbrechen herabgesetzt ist, finde ich unpassend. Genauso den Begriff Schatten der Affäre. Wenn wir für alles, was wir im Leben getan oder nicht getan haben, auf ewig mit dem Stigma des Hemmschwellen-gestörten Schattenmenschens weiterleben müssten, dann würde es gar keinen Sinn haben, über sein Leben nachzudenken, falsche Wege zu erkennen und wieder zu verlassen. Dann müsste jeder, der irgendwo auf dem Weg falsch abgebogen ist, diesen Weg immer weitergehen. Zum Glück ist es aber nicht so, sondern jedem steht frei, wohin er an jeder Weggabelung abbiegen will.
Für mich selbst war es seltsam, meinen Beitrag von damals zu lesen, wo ich mir noch Sorgen machte, wie ich Affären für mich in Zukunft vermeiden kann. Das ist inzwischen kein Thema mehr, trotzdem möchte ich die Frage von @null beantworten:
Zitat:Liebe TE, wenn Du Dich selbst fragst, wie Du eine etwaige zukünftige Affäre verhindern kannst, dann denke ich, Du hast prinzipiell immer noch Angst, wieder in eine zu gelangen. Weil eben diese Hemmschwelle nicht mehr da ist, die Grenzen haben sich verschoben, die "Mauer" ist definitiv nicht mehr so hoch.Damit sich das ändert, muss sie wieder hochgezogen werden. Ich kann Dir aber nicht sagen, wie das geht.
Die Mauer ist definitiv nicht mehr so hoch, wenn man einmal darüber geklettert wird. Man weiß dann aber auch sehr genau, was einen auf der anderen Seite der Mauer erwartet. Und dass es besser ist, kein zweites Mal auf die andere Seite der Mauer zu klettern.
@Mia2 hat es erkannt:
Zitat von Mia2:Die TE hat aus ihrem Fehler gelernt. Menschen machen Fehler. Für die Familie hat sich alles zum Guten gewendet. Von den Kindern und dem Mann wurde viel Schmerz abgewendet. Die TE wird eh mit ihrem schlechtem Gewissen leben müssen. Lasse dich jetzt nicht fertigmachen. Du hast gelernt, und das zählt.
Alles Gute für dich.
Heute meine ich zu wissen, wie das geht. Man muss verstanden haben, warum man sich entschieden hat, eine Affäre zu beginnen und man muss verstanden haben, was man dort gesucht hat. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt
