Zitat von Revell:Für mich war damals tatsächlich der Bammel davor alleine zu sein wesentlich stärker als die emotionale Belastung in dieser Beziehung.
Nein, bei mir ist es nicht die Angst vor dem Alleinesein. Ich komme sehr gut mit mir alleine zurecht und kann meinen Tag auch gut mit Aufgaben und Hobbies füllen. Das war auch bei jeder Trennung so, dass ich nach dem ersten Schock dann gut mit mir alleine zurecht gekommen bin.
Zitat von Zweizelgänger:Also, ich verstehe auch diese Angst.
Ich glaube sie besteht aus verschiednen Teilen.
Ein Teil ist die Angst vor den Gefühlen und der Trauer die ausgelöst wird und ein anderer Teil ist, dass man Angst davor hat, dass man in irgendeiner Form wieder "rückfällig" wird.
Ob das neue Hoffnung ist, der Wunsch sich beim anderen zu melden oder auch, dass wieder das Vermissen so groß wird.
Wenn ich in mich hineinhöre, dann betrifft es keines der von dir angegebenen Teile. Es fällt mir extrem schwer, dieses Gefühl zu beschreiben. Grundsätzlich steigt bei mir die Angst hoch, wenn ich an das Verhalten meiner Ex zum Schluss denke und was sie mir alles angetan hat. Dieser pure Hass, der mir von ihrer Seite aus entgegenschlug. Sie hat sich ja bekannterweise schon öfters von mir getrennt, aber so wie beim letzten Mal war sie noch nie. Sie war da wie ein anderer Mensch mit soviel Hass, Wut und Verachtung mir gegenüber. Oft denke ich auch, dass sie nun so ist, da sie auch Unterstützung durch ihre Freunde erfährt und sich dadurch stark mir gegenüber fühlt.
Dieser Mensch ist es, vor dem ich Angst habe. Ich fühle mich tatsächlich auch total unterlegen und machtlos.
Das liebe, süße Mädchen, dass ich von ihr (hauptsächlich) kannte, scheint an dem Tag unserer Trennung irgendwie gestorben zu sein und meine Erinnerung an sie verblasst allmählich, da mich nur noch die Angst vor der "bösen" Ex dominiert.
Zitat von Zweizelgänger:Ich hätte das durchaus auch gelebt, aber ich war wirklich davon überzeugt, dass alles gut wird, da ja die Zeiten zwischen ihren Phasen sehr gut liefen und eigentlich größtenteils meinen Vorstellungen von Beziehung entsprachen.
Dieser Glaube wurde eben auch immer befeuert und bestätigt.
Ob es ihre Aussagen zur Zukunft waren,
Liebesbekundungen, Pläne die sie angeblich machte usw.
Wie soll da ein Mensch glauben, dass das irgendwann im völliger Gefühllosigkeit endet, angeblich nie Liebe da gewesen sein soll und man von heute auf morgen ausgetauscht wird, ohne Gespräch, ohne Auslöser, ohne irgendwas.
Das ist ja das, was einen verwirrt und an der Beziehung festhalten lässt. Größenteils verhalten sich diese Menschen ja normal und schenken Nähe & Zuneigung. Bis eines Tages alles wieder kippt und der Partner sich trennt.
Mangels Erfahrung habe ich ihre Trennungen immer als "Ausreißer" interpretiert, denn größtenteils war sie mir ja zugeneigt. Mir war bewusst, dass ihr Trennungsverhalten gar nicht normal war. In den meisten Fällen kam sie ja relativ schnell zurück, sie sagte mir dann auch, dass es ihr leid tue und sie weiß, dass es bei mir gut geht. Daher dachte ich, dass eventuell Depressionen (dieser ständige Satz von ihr:"Ich kann nicht mehr") der Fall sein könnten, die sie zur Flucht animieren, damit sie alleine sein kann.
Ich habe mich aber nie getraut, das alles zu hinterfragen und wenn sie wieder da war, dann war ich sowieso wieder glücklich und versuchte, die Stimmung nicht durch dumme Fragen zu verderben.
Aus heutiger Sicht denke ich, dass ihre Zuneigung nur gespielt war, sie sich nur Gefühle bei mir abholen wollte und nichts von dem Ganzen wahr war. Autsch!
Kaum zu fassen, dass es sowas überhaupt gibt.
Dieser Gedanke kommt auch daher, dass ich (mit der heutigen Distanz) merke, dass sie mir in den letzten Trennungen immer "Fallen gestellt" hat. Dass sie immer gute Miene zum bösen Spiel gemacht hat, obwohl die Trennung für sie schon wieder klar war. Siehe die letzte Trennung.
Sie nutzte auch die Zeit, wenn ich Joggen war, um ihre Gedanken aufzuschreiben, wie sehr sie mich hasst und dass sie am Liebsten hätte, dass ich tot wäre. Diese Mitschriften hatte sie mir im Rahmen einer Trennung mal vor die Füße geknallt. Das Traurige daran war, dass ich merkte, dass sie für ihre Gedanken über mich Mitleid von mir haben wollte. Bekam sie aber nicht, ich war ziemlich sauer darüber und das machte sie mir häufig zum Vorwurf. Dass ich ihre Gefühle nicht toleriere.
Das hatte aber nichts damit zu tun, sondern ich war heillos überfordert und kannte mich gar nicht mehr aus.
Oder einmal waren wir noch beim OBI um gemeinsam Sachen für meine neue Wohnung zu kaufen und sie wollte dann unbedingt, dass wir bei ihr zuhause schlafen, sie aber noch Kleidung von mir zuhause holen muss. Sie packte diese dann zusammen, nur um mir dann wieder zu sagen, dass es nun wieder Aus sei.
Vieles war von langer Hand geplant, aber ich verstand damals nie, warum sie dann trotzdem immerwieder zurückkam.
Zitat von Zweizelgänger:Wie soll denn eine Beziehung bitte starten, wenn wir völlig rational an alles rangehen?
Das würde nicht funktionieren. Ich merkte bei meiner letzten Beziehung am Anfang auch schon, dass meine Ex merkwürdige Verhaltensweisen hatte, ich diese aber nicht so ernst nahm bzw. diese auch als liebenswürdig empfand. Es war ja noch nichts, was mit einem Angriff oder Abwertung gegenüber meiner Person zu tun hatte.
Ich möchte nur nicht, dass ich zukünftig das Verhalten meines Dates / meiner neuen Freundin zerlegen muss, nur damit mir sowas nicht wieder passiert. Finden würde man immer was! Grundsätzlich hat jeder seine Marotten, aber ich darf in Zukunft dann ich nicht mehr so leichtfertig sein und Verhaltensweisen ala' Selbstabwertung der Ex oder Distanzspielchen ignorieren.
Zitat von Zweizelgänger:Oft ist es einfach auch Selbstbetrug und nicht mehr.
Das sehe ich auch so. Bei mir war es definitiv Selbstbetrug. Ich habe ja gesehen, dass es nicht mehr gut werden kann. Jede gute Aktion von meiner Ex ließ jedoch wieder die Engelchen für mich singen und hoffen. Nur damit ich am nächsten Tag wieder enttäuscht werde. Immer und immer wieder.
Trotzdem habe ich nichts dagegen unternommen...