Willow1014
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Ich weiß nicht wo mir der Kopf steht und ich finde überhaupt keine Entscheidung. Alles ist unklar und ich werde von einer Verlustangst in die andere geworfen. Vielleicht hat jemand ja Erfahrungen mit so einer Situation.
Mein Partner und ich sind nun seit über 20 Jahren zusammen. Wir sind ein großartiges Team in Krisen und lieben uns auf einer sehr tiefen Ebene sehr. Er war mein erster Freund und ich war quasi noch ein Kind, als wir zusammen kamen. Er ist 7 Jahre älter und damals war seine Mutter gerade verstorben. Wir haben vieles miteinander erlebt und haben in Krisen immer zusammen gehalten.
Leider haben wir auch einige Probleme, mit denen ich lange versucht habe zu leben. Wir haben seit 10 Jahren keinen Sex mehr und Zärtlichkeit beschränkt sich auf Bärenumarmungen. Mehr will er nicht. Auch wollte er keine Kinder und ich habe mich trotz viel Traurigkeit für ihn entschieden. Das war vor 5 Jahren unsere erste Krise. Auch haben wir sehr respektlos miteinander gestritten. Und uns auch phasenweise ignoriert, nebeneinander hergelebt.
Das Problem war (ist) dass er auf das Thema Sex immer mit einem klaren "dein Problem. Ich bin froh, dass das Thema in meinem Leben keine Rolle mehr spielt." reagiert hat. Auch hat er immer wieder in den letzten 10 Jahren gesagt: "such Dir eine Affäre". Wahrscheinlich wissend / glaubend, dass ich es nicht kann.
Vor 5 Jahren habe ich es einmal versucht und mich auf einem Datingportal angemeldet und mich auch einmal mit einem Mann getroffen. Ich konnte es aber wirklich nicht.
Das kommt allerdings auch immer wieder als Vorwurf.
Ich weiß, dass er schreckliche Angst vor jeder Veränderung hat und er das Thema eigentlich einfach "weg" haben wollte.
Bei der Aussage "such Dir eine Affäre." Und: "Dein Problem!" ist er bis vor kurzem aber immer geblieben.
Vor ca 1,5 Jahren hab ich auf einer Social Media Plattform einen Mann kennen gelernt. Zuerst war das alles sehr freundschaftlich. Er hatte gerade Liebeskummer und wir haben Scherzchen gemacht und uns ausgetauscht. Das ging lange so. Ich hab nichts davon je verheimlicht. Wir haben aber immer mehr miteinander geschrieben, bis wir irgendwann quasi online unsere Leben geteilt haben. Ich saß neben meinem Partner auf der Couch. Er guckte Fernsehen und ich chattete. Zuerst hab ich gemerkt, dass ich immer mehr und heftigere Verlustängste wegen dieser Chattfreundschaft aufgebaut habe. Ich hatte Angst, diesen geduldigen, intelligenten und liebenswerten Vertrauten zu verlieren. Irgendwann hab ich mich offensichtlich verliebt. Als mir das klar wurde (letzten Mai), wollte ich es erst mal beenden. Am Ende hab ich dem Mann es aber gestanden und er meinte es ginge ihm ähnlich. Mein Partner war besorgt, weil es mir so schlecht ging phasenweise, er war auch sauer, weil ich ständig am Handy hing, aber eifersüchtig war er nicht.
Ich glaub ich hab ihn bestraft, wir waren beide miteinander wie versteinert. Wütend, hoffnungslos. Ich dachte da wäre nicht mehr viel. (Großer Irrtum)
Kurz vor Weihnachten war ich den Mann dann das erste Mal besuchen. Mein Partner meinte nur "ich will nix wissen. Erzähl es mir nicht.". Das habe ich aber nicht getan. Ich hab ihm das angekündigt und ihn während dieses ganzen Verliebeprozesses immer wieder gebeten, ob er nicht mit mir sprechen und auch was an unserer mangelnden Zärtlichkeit und Intimität ändern wolle. Er sagte immer nein. Gelogen habe ich bei der ganzen Sache nicht.
Ich war insgesamt 3 Mal bei diesem Mann. Wir hatten keinen Sex, aber haben (angezogen) in einem Bett geschlafen, uns geküsst und gestreichelt. Es war unglaublich für mich. Als würde ich daran erinnert, dass ich als Körper noch existiere. Und die Vorstellung das aufzugeben tut schrecklich weh.
Nach dem letzten Mal, als ich da war (ich war die Tage davor schon sehr nervös und hatte Schuldgefühle) war mein Partner unglaublich verletzt. Und ich hab mich grauenhaft gefühlt. Da ist mir klar geworden: Das funktioniert so nicht. Ich muss mich entscheiden. So tut es nur allen weh.
Und ich kann es nicht.
Als ich das dem anderen Mann erzählte, meinte er wir sollten mal ein paar Tage Pause machen, weil ich ja die sei, die zwischen 2 Stühlen sitzt.
Ein paar Tage später bin ich dann zu einer Freundin. Eigentlich hatte ich eine Zwischenlösung und wollte mal 2-3 Monate was zur Untermiete suchen und mit beiden Kontakt halten und schauen was passiert. Beide waren einverstanden.
Dann hat mein Vater noch mal einen Herzinfarkt bekommen und ist fast gestorben. Ich war völlig panisch und unter Schock. Ich konnte nicht anders. Ich hab meinen Partner angerufen und er hat mich abgeholt und ich hab die Nacht zuhause geschlafen. Ich hab auch an dem Abend betont, dass ich wieder zurück gehe und dass er das nicht tun muss. Aber er meinte das sei kein Problem. Und er war toll.
Als ich dann fahren wollte, bin ich zusammen geklappt und alles ist dramatisch aus mir rausgebrochen: dass ich ihn liebe, dass ich mich verliebt habe, dass ich ihn nicht verlieren will. Ich hab mich an ihm festgeklammert und es war schrecklich. Und egoistisch.
Gestern war mein Partner das erste mal wirklich eifersüchtig und meinte, dass wir uns vielleicht wirklich trennen sollten und wir nicht an unserer Beziehung arbeiten können, wenn der andere noch da ist.
Seitdem bin ich völlig überfordert. Ich liebe ihn sehr und ich sollte die 3 Monate nutzen und schauen, ob wir noch mal was ändern können. Aber er hat so oft "mal schauen" und "vielleicht" gesagt. Ich sollte den anderen aufgeben. Aber es fällt mir sehr schwer. Er ist ein toller Mensch, wir können unendlich miteinander sprechen und ich hab mich verliebt und. so dumm und platt das klingt: er berührt mich gern. Und ich weiß nicht, ob ich noch mal 10 Jahre ohne Berührung (und ich meine nicht mal Sex) leben kann. Um genau zu sein weiß sich gar nichts.
Ich hab versucht ehrlich und aufrichtig zu bleiben. Aber das reicht eben nicht. Vielleicht tut es allen einfach noch mehr weh. Keine Ahnung.
Sorry ist sehr viel Text geworden.