Danke liebe herz,
auch ich kann mich sehr gut bzw. die Familiensituation und deine persönlichen Erfahrungen bei mir wiederfinden! Schön, dass es dir besser geht, das kann man direkt spüren! Mir auch! Ich bin heute mit einem Gedanken beruflicher Natur aufgwacht, und ers t der 2. galt ihm. Aber auch der war gut: denn ich dachte: "Ich bin ihn tatsächlich los! Wie cool! Seine probleme sind nicht mehr meine! Ich bin frei!"
Ich habe mir am wochenende auch immerwieder Fotos von ihm angesehen. Die auf denen er sch**** aussieht, davon gibt es nämlich haufenweise! Das hat mir geholfen.
Noch ein paar Worte zu meiner Geschichte:
Vom Vater nie gewollt und geliebt, er war zwar physisch anwesend, aber ich habe noch nie ein positives Gefühl bei ihm gespürt. Als Kind sehr verwirrend, weil Mutter uns beiden Töchter immer animiert hat auf ihn zu zu gehen. Immer und immer wieder mussten wir Kinder AUF IHN ZUGEHEN um IHM Zuwendung zu geben!? Ich fand das normal. Wenn ich hingefallen bin und mit blutenden Knie dastand gab es ein Reisendonnerwetter wie ich es wagen kann mich zu verletzen. Keine Umarmung kein Trost vom Vater, nur hilfloses rumgeschreie. Trost gab es aber von Mama. Meine Mutter das komplette Gegenteil, überfürsorglich, überpräsent, übersprudelnd vor Liebe aber auch genausoviel Angst. Angst uns könnte was passieren. Er kalte Schulter und sie hat geklammert und die fehlende Liebe aus ihrer eigenen Kindheit und die Unzufriedenheit aus ihrer Partnerschaft mit uns kompensiert.
Es gab jeden Tag Streit, mein Vater beschimpfte gerne meine Mutter in der alleruntersten Schublade. "Kein recht zu leben", "Dreck", "Abschaum", "taugt nichts". Horror. Psychische Gewalt, wie ich heute weiß. Damals hieß es immer, dein Vater ist nicht gewalttätig, er schlägt uns ja nicht.
Auch ich habe versucht das alles zu kompensieren. In allem die Beste sein, ich habe haufenweise Einsen nach Hause gebracht. Gleichzeitg hat mich aber diese Ungerechtigkeit aufgeregt, und das klein machen aus eigenem Unvermögen meines Vaters. Also wurde auch ich total Vorlaut, besserwisserisch. Er sagte oft ich sei die schlimmste Tochter der Welt. Irgendwann glaubt man das dann, und alles an Komplimenten von Fremden prallt einfach nur noch ab...
Ach, ich könnt Seiten voll schreiben, stoppe das jetzt aber. Es ist bereits so oft durchgekaut, keine Lust mehr. Das Fazit ist viel wichtiger:
Ich habe heute erkannt, dass mein Vater der Unvermögende war. Dass er versagt hat, und nicht wir. Dass er ein 5-Jähriger ist und deshalb bis heute auf uns Kinder neidisch, weil er bemuttert werden möchte. Er hasst Kinder. Sie sind Konkurrenten. Er hat eine massive Persönlichkeitsstörung (ich tippe auf NPS), die er in Teilen auch an uns vererbt hat. Das ist für mich lange das Schlimmste gewesen. Ich bestehe ja auch aus seinem Genpool und Verhaltensweisen. Ich bin deshalb innerlich zerrissen! In mir drin sind sowohl der tyrannsiche Vater und die devote Mutter gleichermassen vertreten. Als mir das klar wurde kam nochmal ein Schub Selbsthass hoch.
Als ich angefangen habe das einfach als gegeben zu akzeptieren ist es besser geworden. Zur Zeit finde ich es wirklich sehr krass, wie sehr unsere erwachsene Suche nach Liebe aus unseren Mangelzuständen der Kindheit herrührt, eigentlich ausschliesslich. Mich wundert aber gar nicht mehr, dass soviele Menschen krankhaft darin werden, dass die Sehnsüchte so gross sind. Die romantische Liebe aus den Romanen existiert gar nicht! Eine doch ziemlich ernüchternde aber zugleich befreiende Erkenntnis. Wir kompensieren nur, ein Leben lang... oder?
Wir sind nicht der anderen Person verfallen, sondern diese eine Person vereint auf verrückte Weise soviele Eigenschaften des Vaters, oder soviel was früher schief lief, dass wir endlich auflösen wollen bzw. zur Erfüllung. Nicht wir selbst sind austauschbar, sondern der Mann mit dem wir das tun wollen. Er ist nur eine Projektionsfläche. Auch er ist nur ein Gefäß liebe herz! Es geht nicht um ihn, solche Typen wie er einer ist gibt es wie Sand am Meer. Geh in die nächsebeste Bar, 7 von 10 Männern kannst du mit nach Hause nehmen und alles nochmal durchspielen, was du mit ihm erlebt hast, 1:1.
Ich weiß, der Schmerz ist ja trotzdem da, aber versprochen, der Schmerz wird weniger. Der Schmerz hat aber nichts mit ihm zu tun. Er kommt aus dir - gegen dich. Du alleine hast die Macht über alles was du denkst. Über ALLES was du denkst!
Je mehr du versuchst diese Liebe, die du von ihm erwartest, die eigentlich vom Vater hätte kommen sollen, dir selbst schenkst, umso erfüllter wirst du dich fühlen. Du bist gut so wie du bist! Genauso wie du bist. Wir alle haben Macken, Makel, wir alle haben schöne Stellen und Besonderheiten. Alles zusammen macht uns unverwechselbar. Phrasen, ja, die man anfangen sollte nach innen zu leben, denn sie machen trotzdem Sinn. Der Weg dahin ist schwer, I know. Aber dann kann einem irgendwann nix mehr etwas anhaben. Schon gar nicht so ein unansehnlicher, ungebildeter Chauvi, der keine echte Persönlichkeit hat.
Du bist toll
