Zitat von Hansl: Oder man hat die Kraft und das Engagement sich zusammen mit dem Partner dem zu stellen.
Ich wollte das damals. Ich habe mir irgendwann Gedanken gemacht, was es wohl sein könnte und warum unsere Beziehung in so eine Schieflage gekommen war. Dann googlete ich mal ein wenig und wurde schnell fündig. Unglaublich, zum Thema Bindungsangst gibt es ganze Bücher. Sofort las ich zwei und war geschockt. Insbesondere der Titel "Jein - Bindungsängste erkennen und bewältigen" von Stefanie Stahl war sehr nützlich, denn dort fand ich unsere Beziehung eins zu eins beschrieben.
Ich sprach mit ihm und ja, er war bereit, sich das anzuhören. Und dann las er selbst ein Buch darüber, denn er wollte es selbst künftig besser machen.
Ich war glücklich, denn ich hatte meine Mission gefunden: ich werde den kleinen Krisenpatienten schon auf den Weg bringen.
Natürlich klappte das nicht, denn er war es gewohnt auf dem Sockel zu stehen, was gleichzeitig bedeutet, dass ich unter ihm stand und zu ihm aufsah. Indem ich ihn zu einem machte, der "geheilt", also geändert werden muss, stellte ich mich über ihn. Und das vertrug er nicht. Er konnte Bindungen nur einigermaßen halten, wenn er die Oberhand hatte.
Er gab sich eine Zeitlang Mühe, aber ich spürte, es war Mühe. Es geschah nicht so aus freien Stücken, denn er handelte gegen die inneren Impulse.
Letztendlich ging er dann. Er hielt es einfach nicht mehr aus und verabschiedete sich per Mail, zu einem Zeitpunkt, wo es mir endlich besser ging, weil ich die Rolle der Ertragenden und Leidenden verlassen hatte.
Ich war wie gelähmt und las das, was ich doch die ganze Zeit gewusst hatte, aber auch verdrängt hatte. Er kann es nicht, egal wie lieb und verträglich und zugewandt die Frau auch ist. Es ist eben so. Er hat eine Beziehung und dann flaut recht bald die Verliebtheit ab und übrig bleibt - nicht viel.
Die ständige Irritation verunsichert die Partnerin, die bald nicht mehr weiß was sie tun soll und kann und darf.
Reden - ja, wenn seine Antennen gerade mal auf Empfang sind. Aber was bringt es? Nicht viel, denn sein innerer Imperativ ist viel stärker als alles andere. Vermeide feste Bindungen, denn Du wurdest damals verlassen und das tut so weh, dass Du es künftig vermeiden musst.
Ich wusste einiges über ihn. Einige Bruchstücke erfuhr ich von ihm, den Rest konnte ich mir zusammenreimen. Er war ein Kleinkind und es kamen Zwillinge zur Welt. Die Mutter, der Haus, Hof und Kinder oblagen, war wohl oft überfordert, müde, ausgelaugt. Und der kleine Alexander lief auf einmal nebenher, in einem Alter, in dem ein Kind mit dem Verstand nichts begreift und verarbeiten kann.
Zeitlebens ein sehr distanziertes Verhältnis zum Vater, der ihn wohl eher ablehnte. Anstatt stolz auf seinen Sohn zu sein, wertete er ihn ab. Geh weg, das kannst Du nicht, du machst immer alles falsch.
Botschaft des Vaters (der natürlich selbst beschädigt war): Du bist nicht so wie Du für mich sein solltest.
Das ist traurig und verstörend für ein Kind, das sich schließlich in seine Welt zurückzieht, um damit klar zu kommen. Und so wandern die Bindungsängste ins Unterbewusstsein, wo sie zwar nicht spürbar sind, aber den Menschen doch stärker dirigieren als er selbst es glaubt und will.
Ich vermute, er wurde auch geschlagen. Er hatte irgendwie etwas "Geprügeltes" an sich. Das meiste aus seiner Kindheit hatte er verdrängt, ausgeblendet, scheinbar vergessen, aber nicht bewältigt.
Und diese innere Unsicherheit, dieses Bestreben nach Bestätigung (im Beruf. bei Freunden, bei Frauen) merkt man dann auch, aber eine Partnerin kann diese Lücken niemals auffüllen, zumal sie oft selbst beschädigt ist.
Zwei Lahme können zusammen nicht gehen, selbst wenn sie es wollten.