Liebe Schneeliese,
der Unterschied ist, dass Außenstehende
a) nicht emotional verstrickt sind, wie du es als direkt Betroffene natürlich bist, und
b) nicht deine aufgrund deiner Vorgeschichte (Kindheit) tief in dir verankerte "Betriebsblindheit" haben
Das bedeutet, Außenstehende können die Situation und die damit zusammenhängenden Mechanismen viel klarer erkennen und da sie auch oft besser als die Betroffenen erkennen können, was angemessenes von übergriffigem oder gar gewalttätigem Verhalten unterscheidet, ist es klar, dass sich den Mitlesenden an Stellen die Fußnägel aufrollen, an denen du bloß diffusen Schmerz und Verwirrung spürst.
Was du jetzt vor allem brauchst, ist Zeit. Und Menschen um dich herum, die verstehen und geduldig mit dir sind, denn du wirst wahrscheinlich noch sehr sehr lange um die immer gleichen Fragen kreisen. Als Betroffene ist das ja auch (erstmal - es wird einfacher und besser mit der Zeit) kaum zu verstehen, was einem da so zugestoßen ist. Dass du gerade nicht weißt wo vorn und hinten, was richtig und was falsch ist - das ist normal! Es gehört zum Prozess der Erkenntnis, und erst an die kann sich eine Aufarbeitung anschließen. Du hast schon zu viel "erkannt", um wieder ins Leugnen zurückzugehen, aber kannst die Wucht dieser Erkenntnis nur in kleinen Dosen zulassen. Das ist völlig in Ordnung so, denn schließlich tut das ja auch furchtbar weh.
Lass dir Zeit, dich in Ruhe mit deiner Situation, deiner Geschichte auseinander zu setzen. Zeit, den damit verbundenen Schmerz zu ertragen. Du musst im Moment überhaupt gar nichts entscheiden. Die meisten User hier machen sich Sorgen und meinen es mit dir gut. Diese Leute werden es also auch aushalten, wenn du dein eigenes Tempo gehst und auch wenn du Entscheidungen treffen solltest, von denen sie (wir) dir abraten würden.
Das ist sehr wichtig für dich - zu lernen, dir ein eigenes Bild von der Situation zu machen, dich gegen Druck von außen klar abzugrenzen. Kannst es hier auch üben, ich finde du machst das schon sehr gut indem du darauf pochst unsicher sein zu dürfen
