Zitat von Sohnemann:Sie scheint ja an einigen Stellen regelrecht taub zu sein, wo andere vor schmerzt an die Decke gehen würden.
Ohne diese Taubheit, Schmerzbefreitheit, hätte sie ihre Kindheit kaum überstanden. Das ist ja gerade der Witz, dass Menschen, die in solche Beziehungskonstrukte schlittern, oft eine große seelische Stärke besitzen. Diese Stärke setzen sie mit großem Gewinn für andere ein: Im sozialen Berufen wie Schneeliese, für den "Tox-Ex" und es ist noch genug da, sich selbst seelisch so zu stabilisieren, dass sie das ohne permanent schreiend durchzudrehen es durchstehen. Das wird dann zur Gewohnheit. Wie der Frosch, der sich langsam an das immer heißer werdende Wasser gewöhnt.
Meine Therapeutin sagte mir damals, als ich ihr das Verhalten meines Ex beschrieb: "Sehen Sie doch mal hin! Kinder benehmen sich so. Ihr Ex verhält sich wie ein fünfjähriger in der entsprechenden Entwicklungsphase!".
Wie ich schrieb, es ist ein Marathon. Ich laufe ihn auch. Jeder läuft für sich allein, aber ich weiß, dass es noch andere Läufer gibt.
@Sohnemann
Ich finde das Verteufeln und Pathologisierung der "Exen" nicht gut, ABER am Anfang KANN es hilfreich sein, zu diesem drastischen Mittel zu greifen, um sich überhaupt lösen zu können, um aus der Idealisierung des Ex herauszukommen. Als mir damals der Schleier vor den Augen runtergerissen wurde, wähnte ich in Dr. Frankensteins Gruselkabinett zu blicken -- von der Idealisierung zur Verteufelung. Das pendelt sich aber wieder ein -- ein Zeichen von Heilung.
@Schneeliese
Du schreibst, dass du Schuldgefühle hast, weil du dich so fühlst, als ob du mit deinem Mann Spielchen spielst. Das ist in der Tat so. Das ist das "Spiel", was ich oben beschreibe mit Drama-Beziehung. Du spielst da noch immer mit, aber du missdeutest das Ziel deiner Schuldgefühle. Nicht auf deinen Mann zielen deine Schuldgefühle, sondern auf dich selbst. Du ahnst bereits recht deutlich, dass dieses "Spiel" sehr ungesund ist für dich. Du eierst rum, schreibst mit deinem Mann, lässt dich wieder mit ihm ein und drückst dich vor einer Entscheidung, klare Verhältnisse zu schaffen = Schuldgefühle. Die Schuldgefühle sind schon gut und richtig an dieser Stelle -- du deutest sie nur falsch.