Talula88
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Zitat:Was Du gerade betreibst, ist Terror an Deiner eigenen Person. Wie kann man in einer Ehe mit täglichen Zusammensein und Alltag noch bemühter oder geheimnisvoller sein? Jedes Märchen erzählt davon, dass man mit dem gefährlichsten und geheimnisvollsten Hexer leben kann, nach ein paar Jahren kennt man auch ihn und seinen Zauber.
Ja, das ist natürlich wahr. Ich mochte ja auch viel mehr die Verbundenheit und Nähe, die ich gespürt habe oder gemeint habe, zu spüren. Ich mochte den Alltagsmann. Die Vertrautheit, das Vertrauen, das ist das, was ich so zu schätzen wusste.
Zitat:Du hast Dich ihm geschenkt und mehr geht nicht. Und er ist der Typ Mensch, der mit Sherazade höchstpersönlich leben könnte, auch dann würde ihm der Sinn nach irgendwas neuem/anderen stehen.
Ich glaube, es ist sehr wichtig für mich, mir das klar zu machen. Wenn es jetzt nicht passiert wäre, wäre es später passiert. Und jedes Jahr, das ins Land gestrichen wäre, hätte den Neuanfang noch schwieriger gemacht.
Zitat:Wie willst du solch einem Typen gerecht werden? Von Anfang an betrügt er dich und du fühlst Dich verantwortlich?
Es nagt halt. Ein paar Jahre habe ich es ja geschafft.
Aber natürlich, da kommt eine schwierige Phase, Umzug, Neuorientierung, Coronamüdigkeit und schwupps - ist er weg. Mir da vorzuwerfen, ich hätte mich noch mehr anstrengen müssen... Das klingt selbst in meinen Ohren albern. Es kann ja nicht sein, dass man ununterbrochen auf der Hut sein muss, damit einem der Partner nicht abhaut.
Dieser Gedanke kommt trotzdem sehr oft.
Zitat:Ihn "satt" zu machen ist unmöglich und liegt nicht in deiner Verantwortung.
Er hat mir in einem der Dramagespräche gesagt, er wisse auch überhaupt nicht, ob er noch mit mir zusammen war, weil er mich als Menschen geschätzt hat, oder mich in meiner Funktion. Auf meine Frage, wie lange das schon so gewesen wäre, hat er gesagt Ich weiß es nicht. Nach zwei Jahren? Nach drei Jahren? Nach fünf? Seit der Hochzeit?
Grausam. Ich kann nicht einschätzen, was er wirklich gemeint hat von den vielen verletzenden Dingen, die er zu mir gesagt hat (er hat mir vorgeworfen, er würde diese Sachen nur veräußern, weil ich ihm keinen Raum geben würde, sich zu sortieren), aber das ist mir hängen geblieben.
Ich denke, ich habe ihn "satt" gemacht in meiner Funktion und für eine gewisse Zeit. Und weil ich für ihn wahrscheinlich größtenteils nur in Bezug auf ihn existiert habe, kann er mich jetzt, da für ihn was Neues anbricht, auch so skrupellos abservieren. Er kann nicht nachfühlen, was er da anrichtet.
Zitat:Du hast gegeben was dir möglich war.
Ja. Das habe ich. Und ich weiß eigentlich auch, dass ich eine gute Partnerin war. Definitiv zu abhängig, aber das war kein präsentes Thema in der Beziehung, das war auf Augenhöhe im Alltag, so habe ich es empfunden.
Zitat:Diese Gedanken sind Energieverschwendung und dienen nur zur Selbstkasteiung. Erspare Dir das bitte selbst. Du hast es nicht nötig, Dich klein zu machen.
Ich hatte das schon vor Jahren mal in der Verhaltenstherapie: Man darf seinen Gedanken nicht immer alles glauben. Ich habe oft eine Art Zwang, da ganz genau hinzuhören. Und es ist ja auch schwierig, die Balance zu finden zwischen Trauer aushalten und ab und zu eben auch mal wegschieben, damit man überhaupt weitermachen kann, essen zubereiten, Wäsche waschen etc.
Seit gestern habe ich öfters gedacht, ich sollte noch mal die paar Übungen ausprobieren, die ich aus der Akzeptanz- und Commitmenttherapie kenne. Wenn ich mich dazu bekommen sollte.