Der Dezember 2003 brachte nicht nur gute und erfreuliche Neuigkeiten mit sich, wie zum Beispiel die bevorstehende Hochzeit von Nadine und mir. Nachdem ich es meinem Schwiegervater sagte, mussten auch meine Eltern davon erfahren.
Genau an diesem Vormittag flog meine Mutter nach Griechenland. Aber aus keinem erfreulichen Anlass. Ihre Mutter, meine Großmutter, die so geweint hat, als wir 1989 aufbrachen, um nach Deutschland auszuwandern, lag im Sterben. Am nächsten Tag, genau ein Tag nach der OP und als ich beschloss Nadine zu heiraten, starb sie. Sie hat meine Mutter noch einmal gesehen, meine Mutter sie und dann hat sie ihre Augen für immer verschlossen und ist zu meinen Großvater gegangen.
Ich erinnere mich, was für ein riesiges Machoschwein ich gewesen bin. Mein Pflichtbewusstsein dass plötzlich da war in allen Ehren, aber hatte ich da nicht noch jemanden vergessen zu fragen, ob sie überhaupt will? Genau, Nadine!
Einen Tag später ging ich nach der Arbeit zu meinen Vater der momentan alleine war und wollte mit ihm sprechen bezüglich meiner angehenden Hochzeit. Wir setzten uns zusammen an den Tisch und er berichtete mir, dass meine Großmutter Tod war, ich wusste nicht, wie ich mich fühlen soll. Auf der einen Trauer um den Tod meiner Oma, Freude über mein Glück, Angst um meine Tochter.
"Papa, ich muss dir etwas sagen. Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, aber ich kann es nicht geheim halten.
Ihr alle wart gegen unsere Beziehung, ohne uns je gesagt zu haben warum. Nie habt ihr mir einen vernünftigen Grund gegeben, sie hat euch nichts getan.
Ich werde Nadine im kommenden Jahr heiraten. Entweder ihr seid dabei, oder ich werde euch für immer verlassen. Ich liebe diese Frau, und ich will sie heiraten."
Mein Vater schaute mich für einen Moment an und legte dann seine Gabel neben seinen Teller. Nachdem er aufgestanden ist um sich ein Wasser zu holen, sagte er:
"Ok, nachdem du gegessen hast, fährst du nach Hause. Ich werde es deiner Mutter sagen."
Wie gesagt, ich war der unromantischste Typ, den ich selbst je gesehen habe. So was von selbstüberschätzt, ja schon fast Arrogant kann man sagen, dass ich dachte, Nadine würde ja sagen, 100%. Schämen tue ich mich wenn ich zurückdenke und kann nicht aufhören mit dem Kopf zu schütteln.
Ich erinnere mich, wie wir aus dem Krankenhaus zusammen mit meiner Tochter nach Hause fuhren. Zuhause hatte ich alles vorbereitet und die Große wartete mit meiner Schwiegermutter bei uns.
Als wir ankamen, machte Nadine im Schlafzimmer die Klamotten zurecht und ich ging von hinten auf sie zu.
"Ahm, ich habe mit deinem Vater geredet."
"Worüber?" fragte sie mich.
"Über uns, und dass ich dich heiraten will."
Nadine schaute mich mit großen Augen an. Sie erinnerte sich, dass das Thema Heiraten schon mal beiläufig aufkam und ich sagte, ich werde niemals heiraten.
"Ich denke, du willst niemals heiraten."
"Ja, aber jetzt will ich es. Ich liebe dich und ich finde wir sollten heiraten."
Nicht dass ich zufällig einen Ring besorgt hätte, auf die Knie gefallen, mir etwas besonderes auszudenken. Ach, wo denkt ihr hin?
"Was ist mit deinen Eltern?" fragte sie mich.
"Die wissen es."
"Okay, dann lass uns heiraten. Wann denn überhaupt?"
Man merkte, wie Nadine kämpfte, um nicht loszuheulen. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob es Freudentränen waren. Vielleicht eher, weil sie sich so einen Esel wie mich hat aufbinden lassen.
Mein Vater berichtete meiner Mutter über die Neuigkeiten und sie freute sich, obwohl gerade ihre eigene verstorben ist.
Zurück aus Griechenland, kam sie mit vollen Taschen. Klamotten für die Kinder, oh mein Gott. Aber warum nicht schon vorher? Warum mussten so viele Jahre vergehen? "Sei es drum, das ist Vergangenheit." dachte ich mir.
Ich erinnere mich, dass danach alles sehr schnell ging. Ich kündigte meine Wohnung und zog zu Nadine, wir machten beim Standesamt einen Termin für Juni aus, und der Bürokratie Krieg begann, mit viel lauferei zwischen griechischen und deutschen Behörden, hin und her Übersetzungen und eine Menge mehr.
"Achja, Schatz….?!"sagte sie
"Ja, was denn?"
"Was ist eigentlich mit dem Auto? Willst du den Coupe behalten?"
"Fortsetzung folgt…"