Herakles
Gast
Es war ein Sommerabend, angenehme Temperaturen, die Sonne war noch nicht ganz untergegangen.
Wir Kinder spielten noch draußen, alle meine Freunde waren da, um sich gleich zu verabschieden. Meine Mutter packte unsere Sachen, meine Tante und meine Oma halfen mit. Tränen liefen, immer und immer wieder, was ist wichtig? Was nehmen wir mit? Was lassen wir hier?
Das ganze Leben, reduziert und eingepackt in einem Koffer.
Onkel versuchte alles in den Kofferraum seines alten Seat Ibiza zu kriegen. "Jemand muss diese Tasche gleich auf dem Schoß halten."
"Ich nehme sie!" rief meine Mutter.
Im Sommer von 1989, genau genommen im Juli, waren in Griechenland schon Sommerferien. Wir spielten gerade draußen. Die üblichen sehr kurzen shorts, die kleinen Ärmellose Shirts und Sandalen halfen gegen die Hitze anzukommen. Aber an diesem Abend war es sehr angenehm. Das weiß ich noch.
Irgendwie realisierten wir nicht, was gleich wirklich passieren wird. Was das zu bedeuten hat, nicht nur für einen Moment oder kurzen Zeitraum, sondern für immer.
Es fühlte sich an wie ein großes Abenteuer, wie eine Klassenfahrt, auf die ich mich vor den Ferien gefreut habe. Mein bester Freund Dimi sagte zu mir,
"jetzt kannst du ohne Ende Bananen essen", die waren in Griechenland sehr teuer,
"meine Mama sagt, die sind dort sehr günstig".
Ich erinnere mich, wie meine Oma weinte. Sie saß auf einem kleinen Sessel neben der Eingangstür. Einer nach dem anderen umarmten wir uns. Ich weinte nicht, die Aufregung und Vorfreude war sehr groß. Die Sehnsucht nach sieben Monaten, nach so vielen Monaten endlich meinen Vater wiederzusehen.
"Sofia kommt, wir verpassen den Reisebus los." rief mein Onkel und ich sprintete über die Veranda ins Auto auf den Rücksitz.
Beim Wegfahren drehte ich mich um und sah durch die Heckscheibe alle meine Freunde, die sich mitten auf der Straße stellten und mir zum Abschied winken.
Wer hätte gedacht, dass das der Anfang eines ganz neuen Lebens sein wird.
Wir fahren nach Deutschland!
"Fortsetzung folgt…"