Zitat von GreenGirl:Ich denke das mir selber verzeihen gelingt auch nur schleppend. Ich neige dazu, mich fertigzumachen für meine Fehler, zu grübeln, wieso und warum ich so dämlich gewesen bin. Aber es ist nun mal so, dass man eben damals so gefühlt, und deswegen auch so gehandelt hat. Und ich kann es auch nicht mehr ändern.
Kenne ich. Ist mir ganz genauso gegangen. Zu akzeptieren, dass man genauso gefühlt und gehandelt hat, gehört auch dazu. Das dauert auch ein wenig. Irgendwann denkst Du dann voller Überzeugung und nicht nur so als Trostpflaster: ja, egal, es ist nicht zu ändern, aber ab jetzt wird alles anders.
Zitat von GreenGirl:Ich hoffe nur, ich habe keine Rückfälle mehr, wo ich ganz traurig bekunde, wie sehr ich ihn vermisse. Das Krasse daran ist ja auch, ich merke selber, also vom Verstand her: was vermisst du überhaupt, er war doch nie wirklich da für dich? Aber vom Gefühl her fehlt er..
Es war eine der wesentlichsten Erkenntnisse im Aufarbeitungsprozess, zu verstehen, dass mir mein AM als Mann, als er, der er ist, getrost gestohlen bleiben kann, aber das mir das Gefühl von Nähe, Wärme und Liebe total abgeht. Das war der eigentliche, tief sitzende Wunsch in mir, den er mir ja nur zum Teil erfüllen konnte. Aber weil in der Affäre ja alles doppelt und dreifach von irgendwelchen Dingen, z.B. Hormonen, Projektionen und auch durchaus echten (und intensiven) Gefühle überstrahlt wird, bemerkt man die defizitären Aspekte so spät bzw. manchmal eben auch gar nicht.
Ich habe mir im Trennungsprozess immer wieder ins Gedächtnis gerufen, wie ich mich gefühlt habe, wenn er die Tür hinter sich zu zog und ging. Er hat manchmal kurz gezögert, aber er ist jedesmal gegangen. Und das macht man irgendwann einfach nicht mehr, wenn man behauptet, dass man liebt. Dann geht man nicht mehr. So einfach ist das. Ich war nicht mal mehr ein kleines bisschen gefährdet, eine Rückfall zu erleiden, seitdem mir das klar wurde.
Zitat von GreenGirl:Ich neige auch immer dazu, ihn als den großen Held zu sehen..was er ja überhaupt nicht ist. Und aus diesen ganzen Gedankengängen, die ich mir jahrelang eingehämmert habe sozusagen, muss ich erstmal raus.
Ist auch ganz normal. Ich meine, nach 12 Jahren hast Du ihn wahrscheinlich besser auch von seine Schattenseiten kennenlernen können, als ich nach nur einem Jahr. Aber warte ab: mit der Zeit fallen Dir auch wieder mehr unschöne Situationen mit ihm ein oder Du erinnerst Situation, wo er sich absolut blöd verhalten hat, die Du aber verdrängt hast. Hab Geduld, weil der Heini ist bestimmt vieles, aber mit Sicherheit kein Held.
Zitat von GreenGirl:Und ich halte mich auch für einen wertvollen Menschen. Ich weiss, ich bin falsch abgebogen und in dieser falschen Entscheidung verharrt. Aber das heisst nicht, dass ich schlecht bin, und ich weiss, auch er hat seine guten Seiten, er ist nicht durch und durch böse. Ich will uns beiden verzeihen sozusagen.
Unbedingt bist Du ein wertvoller Mensch und die wesentliche Frage ist, was Du für Dich aus der Erfahrung machst. Aber das wird sich zeigen. Und Du machst für Dich daraus, was Du für richtig hältst. Damit erfährst Du als sowieso schon wertvoller Mensch einen nochmaligen Wertzuwachs
Joah, ob der Heini gute Seiten hat oder nicht ist momentan völlig Hulle. Das mit dem ihm verzeihen kannst auch später klären und machen. Bleib mal mit Deinen Gedanken immer schön bei Dir. Das ist viel wichtiger. Wertzuwachs und so ... verstehst Du?
