Zitat von GreenGirl:Aber die Quintessenz ist, ich fühle mich seltsam. Wie nach Verlust eines Menschen eben...aber wie hat mir das neulich jemand gesagt, ich fühle einen Verlust, aber ich weiss gar nicht, ob ich jemals etwas besessen habe.
Hallo Green Girl,
Deinen momentanen Gefühlszustand kenne ich ganz gut. Auf der einen Seite weiß man ganz genau, das absolut Richtige getan zu haben, indem man die Sache beendet. Wenn da nicht das Herz wäre, was schreit und weint und sich gegen die erstmal überwiegend rational getroffene Entscheidung wehrt. Und das wird auch noch eine ganze Weile zu weitergehen. Dein Herz muss erst einmal Deinem Verstand folgen können und das kann noch etwas dauern, ja.
Vielleicht hängt Deine momentane Ambivalenz aber weniger an dem Mann, als an dem Umstand, dass Du Dir eine richtige Beziehung wünscht, mit Geliebtwerden, füreinander Dasein etc. also mehr an den Gefühlen, als an dem Menschen selbst. Mir gings jedenfalls so. Ich habe am meisten die Gefühle wie diese unbändige Freude ihn zu sehen, in zu berühren etc. vermisst. Es war toll mit einem Mann zusammen zu sein, der sich so über mich gefreut hat, der mich bewundert hat und und mich nicht ändern wollte oder kritisiert hat, wie die Männer das sonst immer so gern und manchmal auch recht schamlos getan haben. Aber natürlich lag das auch daran, dass wir uns für einen "normaleren" Umgang gar nicht häufig genug gesehen haben. Das wird einem allerdings erst später bewusst, wenn sich die Gefühlsachterbahn ein wenig beruhigt hat. Klar ist, man bleibt in der Affärensituation immer ein wenig mehr als Schmetterling hängen, als das in einer normalen Beziehung der Fall ist, was meiner Meinung nach aber nicht heißt, dass man nicht geliebt hat oder geliebt wurde. Ich habe keine Erfahrung damit, so etwas über 10 Jahre zu leben, kann mir aber vorstellen, dass es durchaus so lange gehen kann. Und es ist auf jeden Fall richtig und wichtig herauszufinden, warum das so lange gehen konnte. Das heißt ja nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern das heißt, aktives "lessons learnt" zu betreiben.
Ob er der "Richtige" ist oder war, ich denke, die Frage kannst Du Dir ganz leicht selbst beantworten: Wenn er es gewesen wäre, dann hätte er Dir so eine Art zu leben und zu lieben nicht so lange zugemutet. So einfach das ist, so sehr tuts weh. Denn ist ist ja herauszulesen, dass Du niemals einfach nur die Affäre bleiben wolltest und das wirst Du mehr als einmal kundgetan haben. Allein es war nicht so wichtig für ihn, dass er Nägel mit Köpfen machen wollte. Er wird, wie so viele AM den Moment gelebt haben und dann wieder in seine Welt zurückgegangen sein ohne sich viele Gedanken darüber zu machen, wen oder was er da jedes Mal zurücklässt. Ich muss zugeben, dass ich damit meine grössten Probleme hatte und auch heute noch nicht verstehen kann, wie man so mit Menschen umgehen kann, von denen man behauptet, dass man sie liebt. Aber ich kann mittlerweile die Dinge akzeptieren, die ich nicht ändern kann. Es braucht schon einen sehr speziellen Charakter, um so eine Nummer so abgebrüht durchzuziehen. Ich ertappe mich jedenfalls auch heute immer noch dabei, dass ich manchmal Mitleid empfinde für so ein feiges, selbstverleugnendes und hochegoistisches Verhalten. Weil letztlich ist es total egal, ob der Typ sagt er verlässt seine Partnerin auf keinen Fall, oder wie bei mir, er setzt alles daran, sie zu verlassen um mit mir zusammen sein zu können. Spätestens wenn ein AP mitbekommt, dass der andere leidet, sollte man so viel Popo in der Hose haben, dass man die Sache beendet, wenn man doch weiss, dass sich die Sachlage nie ändern wird. Vor allem dann, wenn man behauptet zu lieben, dann wünscht man doch dem geliebten Menschen das Beste und das größte Glück und lässt ihn gehen (auch wenn das sehr weh tut), wenn man nicht der Partner an der Seite des geliebten Menschen sein kann, oder nicht?
Vor dem Hintergrund das man nur einmal lebt, sollte man sich klarmachen, dass Lebensträume ein natürliches Ablaufdatum haben. Wenn mich ein Mann daran hindert, eine Familie zu gründen, obwohl ich mir das wünsche, eine Beziehung zu leben mit Haus, Baum or whatever oder die Welt zu sehen, dann muss man - so schwer das auch ist - "Tschüss" zu dem sagen. Ich rede hier von Lebensträumen nicht von Kompromissen, die man in jeder Beziehung machen muss, so denn man denn eine leben möchte. Man verliert in dem Erleben solcher emotionalen Ausnahmezustände wie Affären nun mal sind aber nur allzu leicht den Überblick über dass, was wirklich wichtig für einen ist und leider auch den Zugang dazu.
Man kann Menschen, die man sehr geliebt hat nicht aus dem Herzen lassen. Aber man kann sie als das nehmen, was sie waren: Menschen mit einer tieferen Bedeutung als andere, die solche wunderbaren Gefühle (und ja, auch Trauer und Einsamkeit gehören dazu - ich weiß gar nicht, warum die Gefühle eigentlich so ein negatives Image haben) ausgelöst haben und das wir zu solchen Gefühlen überhaupt fähig sind. In diesem Sinne wünsche ich Dir eine baldige Besserung der Ambivalenz gepaart mit einer Besinnung auf Dich selbst und einem hoffnungsvollen bis freudvollen Blick in Deine spannende Zukunft.
Es liegt in Deiner Hand - und das ist übrigens die Beste aller Messages ...
