Zitat von Cocolores: Ich kann nicht erwarten - nur weil ich plötzlich in das Leben eines Menschen trete - dass dieser von seinen Überzeugungen extrem abweicht, damit es MIR gut geht.
Dem stimme ich zu. Allerdings, wenn es sonst gut passt und zwei sich lieben, funktionieren sogar die wildesten Konstellationen. Ich bin mit einem Paar befreundet, wo er pedantisch ordentlich ist und sie fast schon Messie.
Sie haben sich geeinigt, dass die Wohnung einigermaßen ordentlich und auch immer sauber gehalten wird, sie aber ein kleines Zimmer "zumüllen" darf. Die Wohnung sieht wirklich gut aus (nicht ganz so steril wie früher seine eigene) und sogar das "verrückte" Zimmer wurde von Jahr zu Jahr ordentlicher und dient jetzt beiden als "Zockerzimmer".
Wenn mich allerdings jemand ermahnt, weil mir aus Versehen etwas runtertropft oder mir Vorträge hält, wenn ich nicht gleich den Wasserhahn abtrockne, dann habe ich leider das Vorurteil, dass dieser Mensch auch sonst nicht "sehr locker" ist. Ich finde es ist auch ein Zeichen von Großzügigkeit, Gäste im Haus einfach mal machen zu lassen und nicht vorher zu planen, wer wo sitzen darf und die ganze Zeit die Wohnung im Zustand zu behalten, als sei kein Gast da. Ich finde es auch ungemütlich, wenn man bei jemandem zum Essen eingeladen ist und einem die Teller eine Sekunde nach dem Essen entrissen werden, damit gespült werden kann. Spätestens wenn der Gastgeber kehrt, nehme ich das als Zeichen für den Aufbruch.
Die Leute, die ich kenne, die es nicht aushalten, wenn Gäste Spuren hinterlassen, haben alle gemeinsam, dass sie allgemein nicht gut mit Veränderungen oder Spontanität umgehen können. Alles wird geplant und wehe es geht mal was schief. Einladungen bei diesen Menschen sind immer irgendwie steif und alle gehen früh - obwohl sie eigentlich nett sind. Aber übermäßige Ordnung ist einfach ungemütlich.
Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem jeden zweiten Tag das Haus geputzt wurde, man als Kind im Wohnzimmer nicht spielen durfte (Spielsachen!) und das Glas schon gespült war, wenn es gar nicht leer war.
Ich durfte selbst nichts aus meinem Schrank nehmen, weil ich sonst eventuell die Ordnung zerstört hätte - alles wurde zurecht gelegt. Das Haus war eine einzige Verbotszone, nur damit alles nach außen glänzte, die Menschen darin - vor allem wir Kinder - waren vor allem eine Störung der Ordnung. Ich fühlte mich total unwohl damit, hatte in meinem Elternhaus nie ein Gefühl von Heimat oder Geborgenheit und genieße vielleicht deshalb ein gewisses Maß an Chaos.