romulus753
Gast
ich falle gerade aus allen Wolken: Meine Frau und ich sind seit über einem Jahr verheiratet, und wir hatten bisher beide das Gefühl, dass zwischen uns im Großen und Ganzen eigentlich alles in Ordnung ist. Seit kurz nach der Hochzeit versuchen wir, ein Kind zu bekommen, was bisher aber noch nicht geklappt hat; wir wollten uns deswegen demnächst mal medizinisch untersuchen lassen.
Wir streiten schon immer mal wieder, haben das aber bisher nie als grundsätzliches Problem betrachtet, auch wenn unsere Streitkultur nicht immer konstruktiv ist: Ich möchte die Dinge gerne möglichst schnell bis zum Ende ausdiskutieren, während meine Frau es lieber (aus meiner Sicht ungeklärt) auf sich beruhen lassen will. Das führt dann dazu, dass ich mich reinsteigere, und unbedingt weiter diskutieren möchte, was sie wiederum rasend macht. Mit ein bisschen Abstand ein paar Stunden später haben wir aber bisher noch jedes Problem lösen können.
Jetzt hat meine Frau mir vor fünf Tagen nebenbei erzählt, dass sie etwas vorhat, was ich für grundverkehrt halte, und wovon ich auch nicht gedacht hätte, dass sie so etwas tun würde. Das hat mich erstmal aus der Bahn geworfen, und ich habe ihr sehr deutlich gesagt, was ich davon halte. Sie hat dann irgendwann recht genervt von ihrem Vorhaben wieder Abstand genommen, mir aber auch sehr deutlich klar gemacht, dass sie keinerlei Verständnis dafür hat, dass ich solche Dinge nicht für gut befinde, dass sie von meiner heftigen Reaktion völlig überrumpelt war, und dass sie sich von mir massiv angegriffen fühlt (was nie meine Absicht war). Ich finde jetzt, dass wir unbedingt darüber sprechen müssen, wie wir unsere Werte wieder in Deckung bringen können, sie verschließt sich seitdem aber jeder weiteren Diskussion, egal wie sachlich ich es versuche anzugehen: Ich hätte mich doch durchgesetzt, sie mit meiner Darstellung tödlich beleidigt, was sie wiederum von mir nie erwartet hätte, und sie würde darüber mit mir nicht mehr sprechen. Auch meinen Vorschlag, eine Therapie zu machen, hat sie abgelehnt, weil sie dann ja wieder darüber reden müsste. Sie will jetzt erstmal eine Trennung auf Zeit, das Thema ist für sie aber wohl auf alle Zeit tabu. Wie es nach dieser Trennung auf Zeit weitergehen soll, ist mir völlig schleierhaft, wenn wir dieses Problem nicht gemeinsam angehen können.
Jetzt sind wir nach vier Jahren glücklicher Beziehung und einem Jahr Ehe mit Kinderwunsch nach nur fünf Tagen Streit mit einem einzigen Auslöser plötzlich an einem Punkt, wo die Ehe vor der Scheidung steht, und sind glaube ich beide von dieser Entwicklung völlig überrumpelt. Kann es wirklich sein, dass es da im Hintergrund so tiefe Konflikte gibt, die nie jemand bemerkt hat, dass es jetzt völlig aus heiterem Himmel einfach vorbei ist? Was kann ich noch tun?
Vielen Herzlichen Dank schonmal für Euren Rat!