Ich hab dann doch schon gestern nochmal mit ihm geredet. Ist zwar immer etwas doof am Telefon, aber es ist einfach aus mir rausgesprudelt.
Ich habe ihm gesagt, dass ich keine Beziehung will, in der die Zukunft im dichten Nebel liegt. Er reagierte verständnisvoll und wirkte sehr bedrückt. Dann sagte er was Interessantes: Er kann sich durchaus eine Zukunft mit mir vorstellen, daran läge es nicht. Das Problem für ihn ist eher, dass er nicht weiß, wie wir das mit der Entfernung lösen sollen. Er kann sich aus verschiedenen Gründen derzeit nicht vorstellen, in meine Stadt zu ziehen. Aber er will auch nicht von mir verlangen, in seine Stadt zu ziehen. Er macht sich Sorgen, dass, falls es schiefgehen sollte (was nicht sein Plan ist, aber es gibt ja keine Garantie), ich dann alles umsonst hier aufgegeben habe. Aber er hätte schon gern, dass wir perspektivisch zusammenziehen. Er weiß eben nur nicht, wie.
Was die Kindersache betrifft, meinte er, dass er momentan keine will und er aus jetziger Sicht auch keine Problem damit sieht, nie welche zu haben. Er ist nicht grundsätzlich gegen Kinder, aber es ist ihm auch nicht so wichtig, dass das unbedingt sein muss. Das ist nur wieder eine Sorge von ihm, dass sich das irgendwann ändern könnte, dass er eines Tages aufwacht, welche will, und er sich dann von mir trennen müsste und sich im Zusammenhang mit einem potentiellen Umzug von mir wieder mies fühlen würde, weil er mir "das Leben verdorben hat".
Also mein Eindruck nach dem Gespräch war, dass er nicht nicht an die Zukunft denkt, weil er mich nicht dort sieht, sondern weil er sich Sorgen macht, keine guten Lösungen sieht und dann die Augen vor dem Thema verschließt, weil was ich nicht sehe, ist ja nicht da

Er hat auch allgemein eine etwas grüblerische, sorgenvolle Persönlichkeit, insofern passt das schon zu ihm und nehm ich ihm auch ab.
Tja, was mach ich jetzt damit? Ich weiß es nicht. Einerseits hab ich mich gefreut, dass es doch nicht daran liegt, dass er mich nur als Platzhalter sieht. Andererseits ist es natürlich ein Problem, dass er so passiv mit seinen Sorgen umgeht. Ich hab ihm gesagt, dass ich das gut finden würde, wenn er mir solche Dinge sagt, also dass er mit mir eine Zukunft will, aber keine Ahnung hat, wie es gehen soll, so dass wir dann zusammen nach Lösungen schauen können. Ich sehe es zwar auch nicht als so easy an, einfach alle Zelte hier abzubrechen und in eine andere Stadt zu ziehen, andererseits kann ich mir das mit genug Planungsvorlauf grundsätzlich schon vorstellen. Und ich würde das schon auch nur machen, wenn es sich für mich stimmig anfühlt. Und dass es schiefgehen kann, ist mir bewusst, das ist eben das Risiko im Leben. Es würde ja vermutlich nicht das Ende meines Lebens bedeuten

Ich bin also derzeit vorsichtig optimistisch, aber sein bisheriger Umgang mit der Thematik stört mich ein bisschen. Ich werde mal schauen, ob er jetzt diesbezüglich aus dem Quark kommt. Weil ich habe auch keine Lust, ihn an die Hand zu nehmen und ihm alle gefühlten Steine aus dem Weg zu räumen. Mal schauen...