Mondblume
Gast
ich (40) bin seit einem Jahr in einer Fernbeziehung mit einem Mann. Nachdem er anfangs etwas zurückhaltend war und meinte, dass er gerade keine Beziehung will, hat es sich mit der Zeit doch so entwickelt, dass er von sich aus von Beziehung spricht und mir auch oft sagt, dass er mich liebt usw. Also für den Moment betrachtet ist alles in Ordnung und wir kommen wirklich gut miteinander zurecht, haben ähnliche Interessen, Weltanschauungen und können auch Konflikte gut klären. Und ich finde ihn wirklich toll und kann mir gut vorstellen, längerfristig mit ihm zusammen zu bleiben, perspektivisch auch zusammen zu ziehen, auch wenn es etwas aufwendiger ist, weil ja mindestens einer von uns den Ort wechseln müsste.
ABER. obwohl ich den Eindruck habe, dass er mich wirklich liebt und es ihm wichtig ist mit mir, kann ich mich gleichzeitig nicht des Eindrucks erwehren, dass da das letzte Quentchen fehlt, dass er sagen würde: Ja, die ist es. Ich merke das bei mir daran, dass ich irgendwie Verlustängste hege, obwohl das nichts ist, mit dem ich mich normalerweise in Beziehungen herumschlage. Aber bei ihm werde ich das Gefühl nicht los, dass er mir irgendwann davonlaufen würde. Er hat eben keine Vorstellung von der gemeinsamen Zukunft. Er denkt eher mittelfristig und sagt, dass ja keiner weiß, was die Zukunft bringt. Aber jetzt wäre ja alles gut zwischen uns und darauf sollten wir uns konzentrieren. Er weiß z.B. auch nicht, ob er nicht doch mal Kinder will (er ist ein paar Jahre jünger als ich) - aber da ist bei mir der Zug inzwischen abgefahren. Er sagt dann auch: JETZT will er keine und wer weiß, was in ein paar Jahren ist.
Gestern habe ich ihn nochmal darauf angesprochen, wie ich mich fühle. Und da sagte er, er versteht das schon. Ihm wäre es in vergangenen Beziehungen auch manchmal so gegangen, wenn er befürchtet hat, seine Partnerin zu verlieren, und er sehr an ihr hing. Ich habe ihn gefragt, ob das heißt, dass er nicht so an mir hängt? Und er meinte: Doch schon, aber bei mir würde er entspannter an die Sache rangehen.
Oh je, jetzt wo ich das so aufschreibe, fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren. Es ist halt so schwer zu kapieren, dass er nicht 100% bei der Sache ist, weil es eben für den Moment wirklich gut ist, er sich ständig meldet und so oft sagt, dass er mich liebt. Ich komme mir manchmal schon fast hysterisch vor, weil ich trotzdem so Ängste habe.
Aber ich merke, dass es mir nicht reicht, nur für den Moment zu leben. Ich will auch eine Zukunft haben mit dem Mann, mit dem ich zusammen bin. Natürlich weiß keiner, was die Zukunft bringt und ob das dann alles so läuft, wie man sich das erhofft. Aber ich will zumindest jemanden, der das grundsätzlich und von Herzen will, und zwar mit mir.
Ich merke, dass ich noch nicht so weit bin, mich auch tatsächlich zu trennen. Aber ich fürchte, darauf wird es wohl hinauslaufen.
Danke fürs Lesen.
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