Votava
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Wie vermutlich jeder Mensch, so habe auch meine Vorstellungen von Beziehung mit all den Wünschen und Bedürfnissen. Diese Vorstellungen habe ich schon seit meiner Jugend. Ich hatte tolle Eltern, aber ich wollte eine Beziehung anders führen. Mit mehr Zeit füreinander, Augenhöhe, tiefem Vertrauen (eigentlich alles normal meines Erachtens). Meine langjährige Beziehung davor ist irgendwann kaputt gegangen. Die Beziehung war durch, da war nichts mehr zu retten. Wir haben es uns nicht leicht gemacht, aber die Trennung war der richtige Schritt. Dann ist einige Monate nichts passiert, ich habe auch nicht aktiv gesucht. Dann aber doch irgendwann. Online. Ich wusste gar nicht was mich erwartet. Und dann hat sie sich gemeldet. Und eigentlich vom ersten Tag war da ein Bombardement über Whatsapp. Ich habe das sehr genossen. (Die Erkenntnis, dass WA das optimale Instrument ist um Nähe und Distanz zu steuern, kam erst nach der Beziehung). Sei's drum. Es lief richtig gut. Total vertraut, viele Gemeinsamkeiten (na ja?), schöne Tiefe in im Austausch. Dann das erste Treffen und es passte so viel. Sie sagte mal, dass es unheimlich ist wie gut wir uns verstehen. So ging es weiter und es wurde immer intensiver. Allerdings hatte sie nie viel Zeit, obwohl ihre beiden Kinder schon größer waren, hat sie sie immer durch die Gegend gefahren. Ich habe das immer als "verantwortungsvolle Mutter" abgestempelt. Das mag auch zum Teil stimmen, aber ebend auch ein Instrument um Nähe und Distanz zu regulieren.
Um auf den Anfang zurückzukommen: es hat alles gepasst. Ich habe meine Erwartungen und Bedürfnisse erfüllt gesehen. Das es sehr gut passt, haben wir uns auch regelmäßig gesagt. Es war nur schön. Nach ca. 3 Monaten die Nachricht, dass sie Probleme mit ihrer Tochter (Borderline) hat, dann 2 Tage später die Trennung. Rumms. Das war nicht zu sehen. Überhaupt nicht. Nach ein paar Tagen kam sie wieder an, dann ein paar Wochen in die Verlängerung und dann wieder das plötzliche Ende. Sie schrieb dann so Sachen von Selbstbestrafung, "wie fühle ich wieder?", "Ich bin allem gegenüber egal geworden", usw. Dann habe ich den Kontakt abgebrochen und so ist es bis heute. Diese on/off Geschichten sind totaler Quatsch. Später habe ich auch noch von ihren früheren Essstörungen erfahren, die sie mir natürlich verschwiegen hat. Ich habe mich mit meinen Erwartunge, Bedürfnissen und Gefühlen voll auf sie eingelassen und bin dann mit Höchstgeschwindigkeit vor die Mauer geknallt. Es hat mir so viel bedeutet. Sie hat mir so viele Signale gesandt, dass sie es ernst meint. Und ich habe mich - ahnungslos - voll auf sie eingelassen.
So in etwa die Kurzversion der Geschichte. Für mich kam es meinen Vorstellungen wie ich eine Beziehung führen möchte sehr nahe. Wie habe ich es - etwas dramatisch - irgendwo gelesen: "Man muss sich sein liebendes Herz rausreißen". Ich habe es nicht rausgerissen, aber es hat sehr lange gedauert, bis die Gefühle abgklungen sind.