Zitat von UngutesGefühl: Hm, vermeiden, weil in der Regel mindestens einer verletzt wird?
Ich verstehe deinen Ansatz. Das setzt aber mMn voraus, dass beide Partner ungefähr am selben Punkt ihrer Beziehung stehen. Sonst bleibt es einfach unfair einen Menschen gegenüber, den man mal geliebt hat.
Was spricht also dagegen, reinen Tisch zu machen, bevor man jemandem kennengelernt hat?
Versteh mich nicht falsch. Für immer muss sich niemand gebunden fühlen. Aber der Begriff Affäre löst bei mir sofort Lüge und Betrug aus.
Zunächst einmal gibt es in einer Partnerschaft Tausendundeine Möglichkeit den anderen zu verletzten. Und außerdem ist es eben nicht immer so, daß man grundsätzlich zu jedem Zeitpunkt alles tut, um die Verletzung des Partners zu vermeiden.
Es ist ja jetzt nicht so, als können sich Partner in einem Streit die bösesten Dinge an den Kopf werfen. Außerdem und das ist wichtig, bestimmt nicht der, der verletzt, was eine Verletzung darstellt sondern, der der verletzt wurde.
Nichts spricht dagegen, daß man reinen Tisch macht, bevor (also wenn) man jemanden neues kennengelernt hat, aber das ist doch einfach auch wieder nur so ein Kinderglaube, wie das alle Erwachsenen wüssten, was sie tun.
Wie oft sind wir alle schon aus dem Haus gegangen ohne Regenschirm und dann hat es angefangen zu regnen. Hätte man halt den Wetterbericht geschaut, aber selbst der gibt Dir keine Garantie dafür, daß es nicht regnet. Also schlußfolgern wir, daß man eben am besten immer einen Regenschirm dabei hat, übertragen auf unsere Situation, wer nie in einer Partnerschaft ist, wird eben auch nie betrogen, für alles andere gibt es keine Garantie.
Der Punkt ist schon der, daß wir den einseitigen Bruch von Monogamie mit einer extremen Wertung versehen. Und dieser Wertung gemein ist auch, daß wir in dem Fall von einem Täter und einem Opfer reden. Was faktisch nicht zutreffend sein muß, denn, wenn ich jemanden 8 Jahre nicht beachte, mit dem nicht schlafe oder, oder, oder, der andere daraufhin mit jemandem anderen schläft, dann ist diese Wertung eben genauso wenig zielgerichtet zutreffend, wie zu sagen hättest Du halt den Wetterbericht geschaut.
Fremdgehen, Affären, der einseitige Bruch des Monogamieideals haben Kontext! Immer.
Es ist noch nicht so lange her, da lautetet die allgemeingültige Wahrheit, wenn ein Ehemann fremd geht, dann ist die Ehefrau schuld, weil sie xyz oder nicht xyz. Jetzt lautet die allgemeingültige Wahrheit der Fremdgehende ist der Täter, weil er sich ja hätte trennen können blahblub.
Ich glaube, daß man über Affären nur sinnvoll reden kann, wenn man gleichzeitig
über den Kontext redet.
Zitat von UngutesGefühl: Eine Wette setzt doch von vornherein voraus, dass es einen Gewinner und einen Verlierer geben wird. Ich für mich persönlich bleibe lieber bei dem Wort versprechen.
Naja Moment: Beide gehen diese Wette ja gemeinsam ein, sie gewinnen beide oder sie verlieren beide. Bei einer Trennung sind beide gescheitert.
Und genau das meine ich: Sobald wir über Affären allgemein reden, mögen wir alle keine ökonomischen Begriffe, wir mögen kein, was ist denn das eigentlich für ein Versprechen, was sich die beiden da gegeben haben und macht das überhaupt Sinn?
Wenn wir abstrakt über Affären reden, vermeiden wir eigentlich nur ein Gespräch darüber, authentisch über unsere Ängste zu reden. Jeder von uns hat Angst davor, von dem Menschen, den wir am meisten lieben, enttäuscht zu werden und jeder Mensch hat Angst davor, sich damit auseinanderzusetzen, daß in jedem von uns zu jeder Zeit eben auch ein Täter steckt.