Also ich war in der Rolle des Betrogenen.
Und stand heute habe ich auch nicht zuletzt mit dem Austausch hier im Forum, aber auch durch private Weiterbildung/ (dreijähriges Beziehungsseminar) und in der gemeinsamen Entwicklung mit meiner Frau doch sehr viel gelernt und sehe es exakt wie @E-Claire
Zitat von E-Claire: Fremdgehen, Affären, der einseitige Bruch des Monogamieideals haben Kontext! Immer.
Bei uns war es so, dass schon 4 Jahre vor der Affäre meine Frau an dem Punkt war, dass sie so nicht mit mir alt werden wollte. Dies ist ihr zwar aufgefallen, aber alleine fand sie keine Wege der Kommunikation und sie hoffte auf eine wie auch immer gelagerte Verbesserung.
Ich wiederum dachte nichts Böses, lief doch so halbwegs. Und machte in meinem Stiefel weiter und steigerte so Stück für Stück meine Missachtung bzw. sah meine Frau immer weniger als Mensch. So weit so normal schätze ich- die Kinder waren ja auch noch da und dienten auch als Kitt- ohne dass wir das so wahr nahmen. Und so kam es dann 2018 dass meine Frau immer noch unzufrieden mit uns war, aber auch keine Alternative sah. Also hat sie ihren Marktwert getestet. Dabei kamen Bekanntschaften herum, die auch als Kumpelbeziehung starteten bis heute noch existieren und mit denen ich keine Probleme haben. Weil es eben Freunde sind und waren. Und sie fing an, eigene Wege zu gehen, weil sie keinen Bock hatte, mich Couchpotatoe zu motivieren.
Parallel dazu haben wir -aus heutiger Sicht stümperhaft- an der Ehe gearbeitet. Ein paar Probleme angesprochen, ne Lösung entwickelt, diese umgesetzt und dann wieder in alte Verhaltensschemata gefallen. Wie es hier so schön immer heißt: Eine gute Ehe mit Höhen und Tiefen.
Wir beide hatten allerdings nicht auf dem Schirm, dass wir dabei waren, unsere Ehe gnadenlos an die Wand zu fahren, bzw. in der Sprachlosigkeit des Nebeneinander zu landen.
Und so kam dann doch ein Mann, mit der sich Stück für Stück eine handfeste Affäre entwickelte. Und ich habe nichts, nada, riente gemerkt. Selbst als ich die beiden Mal auf derselben Veranstaltung getroffen hatte, habe ich nicht geschnallt, dass der Typ, der die lautstarke Auseinandersetzung, genauer meinen lautstarken Ausbruch verfolgte, in Wirklichkeit nicht so richtig wusste, wie er sie vor mir beschützen konnte, ohne die Bekanntschaft zu offenbaren.
Naja und dann ging es eben weiter wie bisher, meine Frau hatte mir zwar ne noch deutlichere Botschaft mitgegeben und dennoch ging es bis zu einem Seminar, das sie schon seit einigen Jahren alleine besucht, dieses Mal begleitet wurde.
Nach der Rückkehr war ihr dann klar, dass jetzt ne Zäsur da ist:
Die Affäre funktioniert nicht mehr, weil sie möchte mit einem Partner zusammen leben. Aber ihr AM wollte sich nicht von seiner Familie trennen, weil er der Überzeugung war, dass man zwar getrennt zusammen leben kann, aber niemals nicht die Kinder verlässt.
Bei mir war sie sicher, die Liebe verschüttet zu haben, aber tief im Innersten war da noch etwas, nämlich 2 gemeinsame Wunschkinder, und 18 Jahre Ehe und einige gemeinsam überstandene Lebenskrisen.
Und ich völlig von den Socken und geschockt, Ich war dabei über zwei Dinge geschockt: Erstens, dass nun unsere Ehe enden könnte und dass es möglich ist, dass sie mich hintergeht, ein zweites Leben führt.
Naja gut, die Story, wie wir es geschafft haben ist ne andere, vielleicht nur die Gründe, die aus ihrer Sicht dazu geführt haben, sich dem anderen Mann zuzuwenden:
Ich habe sie nicht gesehen und als genauso selbstverständlich wahr genommen, wie ein Möbelstück. Der andere konnte ihre Bedürfnisse stillen. Aber ihr kein neues Leben bieten.
Zitat von Trust_him: Dennoch haben alle Seitensprünge und Affären eines gemein:
Sie bringen vorrangig Leid und sollten deshalb vermieden werden.
Weiß nicht so genau. Ich bin sicher, dass meine Frau sehr schöne und intensive Momente, auch außerhalb des Bettes hatte. Und ich wusste ja nix. Ok, die Sache ist uns um die Ohren geflogen und brachte viel viel Tränen und Leid zu den unterschiedlichen Momenten.
Aber ich denke, dass man es nicht auf Affäre beschränken sollte. Ich würde formulieren, Heimlichkeit und Vertrauensbruch bringen vorrangig Leid und sollten deshalb vermieden werden.
Zitat von UngutesGefühl:Ich frage mich oft, wenn ich hier Beiträge lese, ob die eine oder andere Affäre vermieden werden könnte, wenn beide Partner offen miteinander sprechen würden. Ihre Wünsche & Bedürfnisse einander deutlich machen würden.
Klares Ja. Der Punkt ist, wer kann denn das aus dem Hüftgelenk. Wir schon einmal nicht. Jetzt ja, weil gelernt und mit den Erfolgen sehr zufrieden und erfüllt.