Gavin76
Gast
Wir hatten in den letzten 5 Wochen sehr viele gute Gespräche, so gut wie die letzten Jahre nicht mehr. Mir hat dieser Donnerschlag vor 5 Wochen die Augen geöffnet und wir vertragen uns so gut wie lange nicht mehr, ich fühle mich in meine Frau verliebt wie lange nicht und sage ihr das auch und versuche es ihr irgendwie auch zu zeigen. Aber im Moment möchte sie sich auf die neue Beziehung einlassen und möchte keine mehr mit mir. Sie ist aber traurig, dass ich sie jetzt wieder so positiv sehe und ihr so wertschätzend begegne, was die letzten Jahre wohl nicht ging.
Das Ganze kommt ja auch nicht aus dem Nichts. Wir sind seit 21 Jahren zusammen, seit 15 Jahren verheiratet, haben 2 Kinder und seit 2012 ein Haus. Ungefähr da fing es auch an, dass alles etwas zur Routine wurde, alles selbstverständlich wurde und die gegenseitige Wertschätzung abnahm.
Leider wurde ich 2018 schwer krank. Krebs. Das hat uns natürlich alle mega belastet. 2019 Reha und Wiedereingliederung und dann leider Ende 2019 Rückfall. Seither bin ich berufsunfähig berentet und seit da hatten wir auch getrennte Schlafzimmer, weil ich nachts so oft raus muss und es mir unangenehm war und auch sie nicht immer aufwachen wollte. Und seither lief auch nichts mehr.
2020 war dann ein weiterer Tiefpunkt. Ich versank immer mehr im Selbstmitleid und war nur mit mir beschäftigt, bedauerte, was ich alles nicht mehr konnte und trauerte um die verbaute Zukunft. Zu dem Zeitpunkt war auch unklar, wie lange ich noch habe. Meine Frau war mit der Situation völlig überfordert und ich konnte ihr keine Hilfe sein. Und mit Corona, den Kindern mit ihrem Homescooling, hatten wir es auch nicht unbedingt leichter. Meine Frau deutete oft an, dass sie es nicht mehr schaffe und regte auch Paartherapie an, aber ich winkte immer ab, ich nahm sie nicht ernst. Ich hätte ihr nie zugetraut, dass sie etwas mit jemand anderem anfängt. Aber wir hatten zuletzt ein recht abgekühltes Leben miteinander.
Und da hinein kam jetzt der Neue. Den kennt sie aus Schulzeiten und hat ihn zufällig getroffen. Und aus einer Kaffeeverabredung wurde jetzt eben mehr. Und mir hat das die Augen geöffnet, mich aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Der Verlust zeigt mir, was ich an ihr habe. Und nun ist die Krankheit in den Hintergrund gerückt und ich bin wie gesagt wieder verliebt und interessiere mich wieder für sie. Sie fühlt sich aber noch zu verletzt und fühlt sich jetzt mit dem anderen glücklich und möchte das ausleben.
Um der Kinder willen, war sie noch nicht über Nacht bei ihm. Also die Kinder wissen es nicht, auch nicht viele aus unserem Umfeld.
Und auch um der Kinder willen hätte sie gerne, dass alles so bleibt wie es ist - im Moment. Wir wohnen alle hier und sie trifft sich 1-2 mal pro Woche mit ihm, vielleicht auch mal ein Wochenende. Sie weiß es ja selbst nicht, es ist noch zu neu. Wir haben trotzdem ein gutes Verhältnis, es gibt Umarmungen, Bussis auf den Mund und sie sagt mir auch noch, dass sie mich lieb hat und nennt mich Schatz. Mehr aber auch nicht.
Ich bin im Moment wieder total in sie verliebt und will sie zurück. Das weiß sie. Aber ich halte sie nicht von den Treffen ab und bettle auch nicht, dass sie daheim bleibt. Ich bin mir bewusst, dass ich mir das zum Teil selbst durch die letzten Jahre eingebrockt habe.
Jetzt kann ich nur versuchen, es besser zu machen und hoffen, dass die twei doch nicht so gut passen. Dabei ist mir klar, dass ich schlechte Karten habe, denn sie treffen sich ja nur stundenweise für schöne Sachen und daheim haben wir halt den Alltag mit Stress und Herausforderungen. Sprich mit ihm kann sie ja immer machen was sie will, einfach Spaß haben und keiner stört.
Das Traurige ist auch, dass sie gesagt hat, dass wenn ich mal vor 2 Monaten angefangen hätte, so zu sein wie jetzt, wir noch etwas hätten retten können. Denn etwas moralische Gewissensbisse hat sie schon. Der arme, kranke Mann.
Der Punkt ist ja, wie lange ich das aushalte, mit ihr unter einem Dach zu leben, wenn ich dann weiß, dass sie von ihm kommt. Tatsächlich bin ich etwas eingeschränkt durch die Krankheit, aber nicht pflegebedürftig. Ich würde mir allein wohnen schon zutrauen. Aber ob es mir besser gehen würde? Gleiche Gedanken und weniger Familie. Und eigentlich wollen wir für die Kinder noch beide da sein. Die sind es ja gewohnt, dass wir getrennte Zimmer haben. Und im Moment haben wir ja noch ein gutes Verhältnis.
Ich kann mir für mich auch keine neue Beziehung vorstellen. Im Moment liebe ich meine Frau noch zu sehr und dann habe ich auch Bedenken wegen meiner körperlichen Defizite (naja, so schlimm auch nicht).
Bis jetzt war ich auf meine Frau noch kein bißchen sauer. Ist das normal? Ich bin nur auf mich sauer. Dem Typ will ich nur nicht begegnen.
