Zitat von DieFrau:Was heisst es für euch eine Frau sein? Fühlt ihr euch weiblich?
Wie muss man sich fühlen, wenn man sich "weiblich" fühlt?
Die Frage irritiert mich etwas. Ich bin von meiner Art her eher direkt, unromantisch, trinke schwarzen Kaffe und Pilsner B., und spiele Computer. Ja, auch die bösen Ego-Shooter. Ich kann mit flachen Sprüchen von Kerlen umgehen, ich kann sie ignorieren, ich kann aber auch entsprechend kontern, wenns mir zu blöd war. Die meisten "chauvinistischen Schweine" sind Männer mit sehr geringem Selbstwertgefühl, die kriegt man meist recht schnell ruhig, wenn man darauf abzielt. Passiert mir aber echt selten.
Trotzdem fühl ich mich weiblich, verstehe mich aber oft mit Männern besser. Weil die tendenziell ehrlicher und direkter sind, wenn man denen einmal verklickert hat, dass man keine potenteille Partnerin oder Bettgeschichte ist. Grundsätzlich verlasse ich mich da aber auf mein Bauchgefühl, mit wem ich 'kann' und mit wem nicht. Ein bestimmter Frauenschlag neigt ja auch dazu, hintenrum schlecht zu reden, die meide ich wie der Teufel das Weihwasser.
Zitat von DieFrau: Erlebt ihr dass man versucht euch auf euren Körper zu reduzieren? Wie reagiert ihr darauf?
In meinem privaten oder beruflichen Umfeld nicht, nein. Wenn ich was figurbetontes anziehe, und ausgehe, naja, da gucken Männer manchmal. Ich bin allerdingswenn dann eher in der gruftigen Szene unterwegs, und habe da die Erfahrung gemacht, dass wenn man angesprochen wird, das meistens sehr nett ist, und keinesfalls reduzierend. Im Gengensatz zu "mainstream" Etablissements. Und wenn ich in der Kneipe mit Minirock sitze, klar guckt mir da mal wer auf den Hintern. Bei manchen Frauen kann ich auch nicht am Ausschnitt vorbei gucken, wenn der bis zum Bauchnabel geht. Darauf ansprechen würde ich die Frau nicht. Ich würde mir eher meinen Teil denken. Und dieser Teil liegt irgendwo zwischen "Wow, die kann das tragen, sieht richtig gut aus" und "OMG, Bilder im Kopf, die ich nicht haben wollte"
Nein, meine Gedanken sind nicht political korrekt.
Zitat von Emma75: Ich hab Karriere in einer Männerdomäne gemacht
Das erinnert mich an einen Spruch, den ich mal gelesen habe:
Wenn Dir ein Mann sagt, der Job sei Männersache, dann schau ihn bewundernd von oben bis unten an und frage
"Was, sie machen das mit ihrem P*nis?"
Ich warte sehnsüchtig darauf, den Spruch mal bringen zu können

Zitat von Scheol:und es ist doch wohl nicht mehr zeitgemäß das ein Mann eine Frau in den Mantel hilft.
Dem gebe ich bedingt recht: wenn mein Freund das macht finde ich es niedlich. Bei Arbeitskollegen oder gar Fremden sehr befremdlich. Ich bin kein Kind mehr, ich kann mich sehr gut alleine anziehen. Außerdem mag ich es nicht, wenn mir Leute zu nahe kommen, ich hab meinen personal space, wenn da wer ungefragt rein trampelt, fühl ich mich unwohl. Mir braucht auch niemand den Stuhl zurecht rücken, das mag ich nicht, ich such mir meine Sitzposition gerne selber. Oder die Tür aufhalten. Außer, ich schleppe grad was großes oder schweres, da find ichs nett. Da halte ich Männern aber auch die Tür auf.
Zitat von Emma75:Folgendes habe ich vor, wenn ich am Freitag Mittag mit meinem Kumpel Kaffee trinken gehe: Ich rücke ihm den Stuhl zurecht, helfe ihm in die Jacke, halte ihm die Türen auf und sage am Ende 'lass stecken, selbstverständlich lade ich Dich ein, als Frau'. Und jetzt stelle man sich vor, wie er sich dabei vorkommt. Exakt so geht es mir.
Da bin ich völlig bei Dir.
Zitat von WW-Bärchen:Spätestens in der ersten Pause zieht einer ein Handy hervor und zeigt die Tit-ten seiner Frau/Freundin/Affäre.
Ja, solche Männer gibts.
Es gibt aber auch manche Frauen, die das Verhalten ihres Partners bis ins Details zerpflücken. In Gruppe mit ihren Freundinnen und Arbeitskolleginnen. Da werden privateste Details ausgepackt, und selten zu Gunsten des Mannes. Bei solchen Gesprächen suche ich fluchtartig das Weite. Auch wenn das jetzt blöd klingt, mir wäre lieber, wenn mein Freund stolz ein T+ttenfoto von mir zeigen würde, als dass er mit seinen männlichen Kumpels meine persönlichen Schwachstellen, Ängste und Probleme sezieren würde, worüber wir im Vertrauen gesprochen haben.
Zitat von DieFrau:Hinter diesem Gleichheitsgedanken steht immer die Angst dass man ungleich behandelt werden könnte
Ich finde es sehr wichtig, zwischen gleichartig und gleichwertig zu unterscheiden. Männer und Frauen 'ticken' nicht gleich. Haben sie noch nie. Das wirklich wichtige ist, keinen von beiden über den anderen zu stellen, und damit einem Geschlecht mehr "Wert" zu geben. Männlein und Weiblein sind für mich nicht gleichartig, aber auf jeden Fall gleichwertig.
Zitat:Von Frauen hab ich bisher keine negativen Vibes mitbekommen. Auch das schiebe ich auf meine Unempfindlichkeit.

Das denk ich mir auch öfter. Auch wenn mich wer anflirtet, dann müsste er das schon vorher explizit ankündigen, eh ich das mitkriege.
Zitat:Ich lege keinen Wert drauf, dass in offiziellen Schreiben die GendersterndingensInnen angewandt wird, mir ist es schnuppe, wenn nur die männliche Form benutzt wird.
Geht mir ganz genauso. Ich denke, für manche ist es auch so ein Alibi "Wir achten Frauen, wir reden sie genauso an": Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, das wäre ein klares Signal.