Zitat von laralala: Er war dann auch in Therapiegruppen aber die hatten nicht so direkt was gebracht. Das hatte sich natürlich auch auf ihn ausgewirkt und er war auch in einer Selbsthilfegruppe die das psychologisch aufarbeitet. Ich hatte ihn da auch immer begleitet und entlastet wo ich konnte. Da aber in seinen Augen alles nichts gebracht hatte, hatte er bald resigniert und geht zu keiner Therapie oder Selbsthilfegruppe mehr.
Wenn es nicht mal seine eigene Idee gewesen ist, sich helfen zu lassen (den Verdacht werde ich leider nicht los), ist es nachvollziehbar, dass er keine wirkliche Motivation hat. Zu sagen, es bringt nichts bzw. hat nichts gebracht, ist natürlich das ultimative Todschlagargument und diplomischer als "Ich hab da überhaupt keinen Bock drauf".
Zugegebenermaßen kann sich das kaum einer vorstellen, der es nicht selbst erlebt hat:
Ein eben noch kerngesunder junger Mensch, der bisher vieles in seinem Leben scheinbar richtig gemacht hat, wird von einem Moment auf den anderen aus allem herausgerissen, was ihm mal wichtig gewesen ist: Sport, Arbeit, Hobbys usw.
Depression oder sogar Verbitterung können sich da ganz schnell einstellen und zu dieser mehr oder weniger starken Blockadehaltung führen, weil man die Haltung hat, dass eh außer rumgammeln, sich mit Junk Food vollstopfen und zocken nichts mehr geht. Das zieht den Selbstwert enorm runter, man ist mit sich selbst definitiv nicht mehr im Reinen. Da ist es dann in der Folge auch kein Wunder mehr, dass man/n auch kein Verlangen nach 6 mehr hat, egal wie verführerisch bestrapst die Partnerin daherkommen mag. Von Schuld und Scham nach missglückter Standfestigkeit mal ganz abgesehen.
Auf der anderen Seite kann ich auch die TE verstehen, die sich als pflichtbewusste Partnerin zunächst ins Zeug legt, um dann festzustellen, dass sich kurz- und mittelfristig an der Situation doch nichts wirklich ändert. Die negativen Veränderungen des Partners führen zu Frust und Enttäuschung, auch im 6uellen Bereich. Die Affäre ist fast die logische Konsequenz aus diesem Mangelzustand. Ob sie in der Situation hilfreich ist, sei dahingestellt, vom ethisch-moralischen Standpunkt ganz zu schweigen. Dass es hier nur ums Körperliche geht, nehme ich der TE nicht wirklich ab. Dafür spricht sie viel zu viel von anderen frustrierten Grundbedürfnissen in der Beziehung bis hin zur mangelnden Kommunikation. Da ist meines Erachtens schon zu viel kaputt gegangen.
Aus meiner Sicht wäre hier auch die Trennung der beste Weg. Mit dem Umstand der Affäre würde ich ihn nicht noch zusätzlich belasten. So hart das vielleicht klingt, aber je mehr die finanzielle und emotionale Dauerbelastung reduziert werden kann, desto mehr tut die TE sich den größeren Gefallen. Depression ist ansteckend, vor allem bei einem Partner, der sich allem Anschein nach auch nicht wirklich helfen lassen will und aufgegeben hat.
Vielleicht sähe die Sache anders aus, wenn er stattdessen aktiv versuchen würde, das Beste aus der Situation, wie sie nun einmal ist, zu machen. Da würde sich für mein Empfinden noch eher die Chance für eine Verbesserung auf der Beziehungsebene abzeichnen.