Zitat von brokenforever: Nun ja, ein Beispiel für eine positive Entwicklung ist sicherlich Kompromissbereitschaft. Das "Zurück stecken" fühlt sich dann nicht mehr als solches an, weil die Waage im Ausgleich steht (stehen sollte).
Phasenweise bekommen wir das hin. Ich habe das Gefuehl, es funktioniert immer dann, wenn er gerade wieder eine bessere Phase hat (also nicht total ueberlastet ist). Dann faellt es ihm leicht(er), meinen Beduerfnissen entgegenzukommen. Im Sommer war es auch gut - weil er sich Zeit fuer Urlaub genommen hat, und da wir ja dann weg waren, konnte er auch entspannen.
Zitat von brokenforever: Was sind denn jetzt diese "Bedürfnisse" konkret? Haus putzen, und sonst?
Am Haus muss eigentlich ganz viel gemacht werden, was seit der Geburt des ersten Kindes liegengeblieben ist. Und zum Teil eilt das. Das war letzten Sommer ein riesen Konfliktthema, weil er in jeder freien Minute - und dann auch noch wetterabhaengig - Aussenarbeiten machen wollte. Damit ist er jetzt diesen Sommer endlich fertig geworden, aber er muesste noch die Wohnung im UG renovieren, um sie wieder vermieten zu koennen, und aehnliche groessere Projekte. In der Garage sackt die eine Wand ab..
Es ist aber nicht so, dass er wirklich in jeder freien Minute am Haus arbeitet. Er hat auch Tage, wo er wirklich gar nichts macht, und das ist ja voellig in Ordnung.
Zitat von brokenforever: Haushalt macht du auch noch brav mit. Wie eine Gratis-Nanny, die man dann wieder heim schickt, wenn man andere Pläne hat.
Da muss ich ihn echt verteidigen, denn er hat mich NIE um Hilfe gebeten. Nicht ein einziges Mal. Ich mache das voellig aus freien Stuecken - und da nur das, was mir nichts ausmacht aber ihm sehr hilft (Waesche, Kinderklamotten sortieren, alten Kinderkrams im Internet verticken), plus Kueche, weil es einfach gemacht werden muss und zu zweit schneller geht. Und ich weiss, dass er mir dafuer unendlich dankbar ist. (Auch vor dem Hintergrund, dass seine Ex i.d.R. strickend im Schaukelstuhl sass und er, wenn er nach vier Wochen Arbeit nach Hause kam, noch nasse und stinkende Waesche in der Waschmaschine gefunden hat, die er vier Wochen zuvor angestellt hatte...) Da geht es mir NICHT darum, "besser" als die Ex zu sein, sondern fuer mich ist das voellig selbstverstaendlich, einander zu helfen. Er macht dafuer andere Dinge fuer mich.
Zitat von brokenforever: Ein weiteres Beispiel für Entwicklung oder Wachstum einer Beziehung ist (in meinen Augen) der gemeinsame Umgang mit Konflikten. Also, dass es eben nicht zum riesen Streit mit Unterstellungen kommt, sondern man sich gegenseitig zuhört und versucht, es zu verstehen.
Ich fand am Anfang, dass wir sehr respektvoll miteinander umgegangen sind. Und ich finde das eigentlich immer noch. Klar gibt es mal einen Ausrutscher, der wird aber meist als solcher erkannt und dann entschuldigt man sich und dann ist es auch gut. Es gibt so ein paar Dinge, die immer wiederkehren und die nicht gut sind. Wir schaffen es dann irgendwann, das zu reflektieren. Zum Beispiel haben wir beide erkannt, dass es einfach destruktiv ist, staendig dem anderen vorzurechnen, wie oft oder wie selten wir uns in Zeitraum xy gesehen haben. Also jetzt die Vereinbarung, das sein zu lassen. Aber klar geht man immer wieder in irgendwelche Muster rein. Wir verstehen einander ja, und wir respektieren die Wuensche des anderen. Aber das hilft ja nicht, wenn sich die Wuensche nicht vereinbaren lassen.
Ich finde auch, dass er es sich in seiner Opferrolle sehr gut eingerichtet hat. Das kann ich ihm so aber natuerlich nicht sagen, waere ja super verletzend. Kind Nr. 2 war in der Tat nicht geplant, also okay, aber alles andere, Job, Kind Nr. 1 usw. war ja durchaus seine Wahl. Er fuehlt sich aber glaube ich in seinem Handlungsspielraum enorm eingeschraenkt (nicht durch mich). Was ich ein bisschen merkwuerdig finde, da wir beide sehr loesungsorientiert sind.
Ich habe das hier im Forum nie so direkt geschrieben, weil er sicherlich dafuer ganz enorm verurteilt wird, aber er wollte eigentlich keine Kinder und sagt immer, er sei nicht fuer Kinder gemacht. Das aendert nichts daran, dass er sie sehr, sehr liebt und auch weiterhin dafuer kaempfen wird, sie 50% der Zeit zu haben, mit geteiltem Sorgerecht, seinen Sohn evtl auch irgendwann Richtung 100%, wenn er aelter ist und das will. Und er ist ein ganz toller und liebevoller Papa. Aber es erklaert, warum er in Bezug auf seine persoenliche Freiheit einen so aggressiv-depressiven-Kurs faehrt, er betrauert wirklich den Verlust seines Lebens, so wie er es vor den Kindern hatte (goennt mir allerdings alle meine Freiheiten aus ganzem Herzen).