Waltmeister
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Meine nun Ex-Freundin hat vor 14 Tagen nach über 7 Jahren die Beziehung beendet. Seit einigen Tagen kann ich sehr schwer schlafen und ich muss meine Situation hier einmal schildern, da ich nicht aus dem Grübeln rauskomme.
Kurz zu mir: Ich bin 38, hatte in meinem Leben eine Hand voll Beziehungen, die aber nie länger als 3 Jahre gingen. Ich bin mittlerweile im Berufsleben (habe spät studiert) als Sozialpädagoge und arbeite in einer leitenden Funktion mit einer Menge Verantwortung und Mitarbeitenden für die ich zuständig bin.
Meine letzte Freundin (vor meiner jetzigen Beziehung) hat mich ziemlich fies hintergangen und belogen. Als ich dahinter kam, habe ich es beendet und 1,5 ziemlich arbeitsintensive (Therapie und co.) Jahre verbracht. Ich war zu dem Zeitpunkt gerade 30 und ziemlich neben der Spur. Allerdings habe ich in dieser Zeit sehr viel über mich und meine Definition von Liebe gelernt und bin in dieser Zeit eigentlich erst ich geworden und habe einen klaren Willen und eine Identität gebildet. Und ab dem Zeitpunkt war mein Leben richtig richtig gut. Mein Elternhaus hat ebenfalls einen sozialpädagogischen bzw. therapeutischen Hintergrund und ich habe mich beinahe durchgehend sehr viel mit mir auseinandersetzen müssen.
Vor 7,5 Jahren habe ich dann meine jetzige Partnerin kennengelernt. Ich war noch im Studium, sie ebenfalls. Sie ist 4 Jahre jünger als ich und hatte gerade ihr Medizinstudium begonnen. Ihre Heimat liegt 380 Km entfernt und sie ist fürs Studium umgezogen. Wir haben uns getroffen und uns viel über Werte, Normen und Zukunftspläne unterhalten. Wir haben eine ziemlich intensive Nähe und Verbindung aufgebaut, was ich in dieser Form bisher nicht kannte. Es war unheimlich echt, authentisch, wahrhaftig und unumstößlich (für beide). Uns war klar, wir werden all die Schritte des Lebens (Haus, Kinder, Hochzeit) gemeinsam erleben und irgendwann alt werden. Die ersten Monate war sie sehr anhänglich und ich habe mit ihr gesprochen, dass das nicht geht. Ich habe ihr gesagt, dass es wichtig ist, dass sie ein eigenständiger Mensch bleibt und auch Ihre Sachen macht. Ich glaube, dass jeder seine eigene Säule bildet und man zusammen ein Dach schafft, was dann das Gemeinsame on Top ist. Viele Gespräche folgten. Wir haben einen guten Weg gefunden und eine richtig gute Zeit gehabt. Sie hatte ihre Wohnung und ihre Sachen, ich meine. Da Sie chronisch pleite war (elternabhängiges Bafög und kaum Unterstützung von zu Hause) war ich ein gefragter Mann. Ich habe sie (hatte selber nicht viel Geld) so gut ich konnte unterstützt und auch emotional versucht aufzufangen. Sie war im Rahmen ihres Studiums oft überfordert.
Nach ca. 3,5 Jahren zogen wir zusammen. Ich war mit dem Studium durch und startete in den Job. Nach etwas über 1 Jahr wurde ich direkt befördert und hatte eine ziemlich schwierige Zeit. Ich war kurz vor dem Burnout weil ich gnadenlos und bewusst verheizt (auf die Probe gestellt) wurde. Ich bin Weltmeister im Aushalten und Aufgeben ist keine Option. Also habe ich es durchgezogen. Das Problem war auch, dass ich den Löwenanteil des gemeinsamen Unterhaltes gewuppt habe. Es ging also nicht mehr nur um mich. Ich merkte, dass meine Freundin das belastet hat und sie mit meiner Überforderung nicht gut umgehen konnte. Es gab einige Streitereien und ich merkte, dass wir aneinander vorbei kommunizierten. Ich wollte jemanden, der mir eine Stütze ist und mir Halt gibt. Besonders emotional. Sie wollte, dass ich mehr im Haushalt mache, da sie sich allein damit fühlte.
Nach nicht mal einem Jahr wurde ich erneut befördert und die Überforderung begann von neuem. Meine Freundin sagte schon, dass sie nichts mehr von der Arbeit wissen will und hat sich sehr stark distanziert. Da sie jedoch mittlerweile promovierte, habe ich sie über ein Jahr komplett, und davor schon 2 Jahre fast komplett, mitfinanziert. Alles aufzulisten würde zu weit gehen, aber wir reden von einem satten 5-stelligen Betrag. Zudem versuchte ich auch ihr ein guter Partner zu sein. Trotz der schwierigen Zeit auf meiner Arbeit habe ich mir jeden Tag die Zeit genommen sie nach ihrem Tag zu fragen und aktiv zuzuhören und sie versucht zu bestärken. Sie brauchte das sehr und hat mich zu meiner Belastung ziemlich leer gesaugt. Ich habe immer versucht ihr den Halt zu geben, der meiner Meinung nach in einer Beziehung wichtig ist.
Der Alltag kehrte mehr und mehr ein und ich war ziemlich am Ende meiner Kräfte. Ich war einfach nur noch froh, wenn nichts am Wochenende auf dem Zettel stand, ich mein Schlafdefizit aus der Woche aufholen konnte und ich es schaffte genügend Kraft für die nächste Woche zu sammeln. Groß Party machen und Freunde treffen war mir teilweise schon zu viel. Mir fehlte der Halt und die Unterstützung. Wir führten viele Gespräche und ich machte meine Bedürfnisse sichtbar. Sie konnte keine Nähe mehr zulassen. Nicht mal mehr Händchen halten war möglich. Ich fragte wo das Besondere was wir uns erschaffen haben hin ist? Sie sagte nur, sie kann das momentan nicht. Wir gingen zur Paartherapie. Dort wurde nach ca. 45 Minuten klar, dass sie dort erstmal alleine hingehen muss, da ihre Baustellen viel zu groß waren. Alle paar Monate führte ich mit ihr das selbe Gespräch. Und es kam nichts mehr von Ihr. Wir wurden praktisch Mitbewohner:innen. Ich war sehr unglücklich über die Umstände, wollte ihr aber auch nicht die Pistole auf die Brust setzen, da ich befürchtete, dass sie aufgrund der Abhängigkeit zu mir, nicht ehrlich und frei antworten würde. Also wartete ich, bis sie selber anfing zu arbeiten. Ihr verdientes Geld der ersten Monate nahm sie, um ihre Studienschulden zu bezahlen, was mich sehr schockierte. Zudem ist in den letzten Jahren so viel passiert, wo sie mich mit alleine mitgelassen hat, es ist zu viel um es aufzuschreiben. Ich hatte viele traurige Nächte, wollte aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir das Besondere und Echte was wir hatten nicht wiederholen können.
Also gab es vor 6 Wochen ein erneutes Gespräch, in dem ich sie gebeten habe, mal hinzufühlen was sie möchte, da es so nicht weitergehen kann. Sie ließ alles schleifen. Machte zu Hause nichts mehr. Ich habe durch meine Tätigkeit im Homeoffice den gesamten Haushalt übernommen, gekocht, eingekauft, fast alles habe ich gemacht. Sie hat total dicht gemacht. Selbst wenn ich sie angesprochen habe war sie bereits genervt und es war ihr zu viel. Über 1 Jahr habe ich sie nur noch im Schlafanzug gesehen (wenn sie nicht auf der Arbeit oder im Bett war).
Vor 2 Wochen dann sagte sie mir, dass sie keine Kraft hat ihre Gefühle zuzulassen und die Trennung will. Sie glaubt sie habe sich entliebt und sie hat sich ihr Leben so nicht vorgestellt. Sie will Dinge unternehmen und wäre ihr nicht planbar genug. Außerdem machte sich mich dafür verantwortlich, dass wir keinen Sex mehr haben. Ich war ziemlich durch, aber konnte es gut annehmen, da ich ebenfalls nicht mehr glücklich war. Es musste was passieren, wie auch immer das aussieht. So konnte es für keinen von uns weitergehen. Trotzdem war diese Antwort nicht meine Wunschantwort. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sie (auch durch die Therapie) wieder zu sich und damit auch zu uns findet.
Ich räumte in unserer Wohnung das Feld und schlafe seit dem in einem "Beistellbett" in unserer (Kammer des Grauens) Rumpelkammer (ca. 8 qm). Schlaf- und Wohnzimmer (inkl. Ausstattung die ich bezahlt habe) ist vorläufig ihrs. Allerdings ist sie kaum hier. Nach der Arbeit duscht sie sich, brezelt sich auf und fährt weg. Sie kommt dann meist erst nachts wieder.
Vor 3 Tagen dann sagte sie mir, dass sie eine Wohnung hat und in 3 Wochen umziehen wird. Wir hatten noch ein Gespräch in dem Sie mir Dinge an den Kopf geworfen hat, die ich zum 1. Mal gehört habe. Ich war ziemlich verdattert und habe ihr versucht klarzumachen, dass das was ihr fehlt nur die Symptome sind und das Problem darin besteht, dass sie dicht gemacht hat. Ich merkte, dass ich damit nicht weit kam. Sie war nicht mit dem Herz dabei und hat ihren Zugang weiterhin blockiert. Sie fragte dann noch nach ihrem Teil der Mietsicherheit, worauf ich einfach nur noch fassunglos war und ihr sagte, dass sie nicht einen Euro mehr von mir bekommt.
Natürlich gab es Tränen meinerseits aber ich konnte bis hierhin noch alles gut verkraften.
Heute jedoch habe ich erfahren, dass sie bereits mit einem anderen *beep*. Dieser Mensch ist ein gemeinsamer Freund, der einen riesen Sack voller Probleme hat und oft suizidale Gedanken mit sich führt. Schwer Depressiv. Ich habe ihm in den letzten Monaten so gut ich konnte versucht aufzubauen und zu stärken. Und es hat geholfen. Na gut, nun bumst er also meine "EX", die zwar die Trennung ausgesprochen hat, diese aber noch nicht vollzogen ist. Das hat mir heute den Boden unter den Füßen weggezogen und ich weiß kaum wohin mit mir. Ihre Unterwäsche nach Ihren Besuchen bei ihm wäscht sie weiterhin in meiner Waschmaschine und ich frage mich, was passiert wäre, wenn ich weiterhin im gemeinsamen Bett geschlafen hätte. Wahrscheinlich hätte sie sich weiterhin einfach danebengelegt. Ich bin wirklich erschüttert von diesem Verhalten und weiß nicht wie ich damit nun umgehen soll. Auf der Arbeit bin ich momentan gar nicht zu gebrauchen. Ich kann mich nicht konzentrieren und mache viele Fehler. Zum Glück habe ich ab nächster Woche 2 Wochen Urlaub. Ich habe tolle Freunde, die mich gut unterstützen (ihr *beep" natürlich nicht) und ich werde sicherlich ein paar Tage Couchsurfing betreiben. Aber all das hilft mir gerade nicht aus der Emotion zu kommen und mein Chaos zu sortieren. Ich hätte nicht gedacht, dass mich sowas nochmal so aus der Fassung bringt und bin gerade total froh darüber, dass wir keine gemeinsamen Kinder oder Besitz haben.
Dies ist nur ein Bruchteil der ganzen Geschichte und ich sehe auch klar meine Anteile in all dem. Aber ich hätte erwartet, dass sie mit sowas wenigstens noch wartet, bis sie umgezogen ist und ich sowas nicht mehr mitkriege. Ausserdem schockiert mich ihr Verhalten und ich finde es maximal rücksichtslos und bin komplett erschüttert über die Tatsache, welche Bewältigungsstrategien sie gerade fährt. In meinen Augen einfach nur dumm und schwach. Spätestens wenn sie nicht mehr vor sich selbst weglaufen kann und es nicht mehr schafft ihre Gefühle wegzusperren, bin ich mir sicher dass ihr das auf die Füße fällt. Und ich bin mir auch sicher, dass es dann für uns zu spät sein wird.
Vielen Dank an alle Lesende, die es soweit geschafft haben. Ich freue mich über Beiträge und danke euch für euren langen Atem.





