Ich nutz mal die Vorlagen der anderen und schreibe meine Erfahrung mit so einer Beziehung hier rein. Vielleicht siehst du da gewisse Ähnlichkeiten und vielleicht hilft es dir etwas, die Situation zu verstehen. Kann natürlich sein, dass ich viel zu viel hineinprojiziere. Bei mir ging die Beziehung 9 Jahre und es wurde mit jedem Jahr schlimmer. Jedes Jahr Ende November/Anfang Dezember wurde alles in Frage gestellt und die Trennung stand im Raum. Und jedes mal wurde ein bisschen daran gearbeitet, so dass es bis zum nächsten November einigermaßen gut lief.
Zitat von Blake88: Ich bin ein Mensch der gerne seine Meinung zu etwas hin zu gibt, aber es ist eben nur eine Meinung. Meine Ex hat das immer als Angriff gesehen und am Anfang nur geschluckt. Ich habe das nicht gemerkt und nicht gesehen. Klar kann man das jetzt als meine Fehler sehen, aber ich kann erwarten das eine Frau mir Kontra gibt oder mir ihre Meinung mitteilt.
und
Zitat von Wintersonne22: Das unterschreibe ich zu 100%! Man bereitet sich auf Negatives vor, damit es einen nicht vom Stuhl haut, wenn es eintritt. Es geht in Richtung selbsterfüllende (selbstzerstörende) Prophezeiung.
Ich bin ebenfalls jemand, der gerne alles verbalisiert. Oft auch etwas zu sehr, wie mir in letzter Zeit immer öfter auffällt. Ich glaube meine Ex hat durch die vielen Gespräche darüber, was schief lief bei uns, und durch die Vorschläge zur Besserung usw geglaubt oder sogar erwartet, dass ICH das alles regele. Eigentlich habe ich dabei aber darauf gehofft, dass sie ihre Fehler nicht nur einsieht, sondern auch etwas dagegen tut. Aber sie hat es, wie Blake88 auch erlebt hat, nur aufgenommen, es teilweise als Angriff gesehen und mir dann viel später vorgeworfen. Da war das Thema für mich schon lange durch und alles war ok, auf einmal kommt sie mit einem Satz, den ich mal gesagt hab und meint, dass sie das extrem verletzt hat. Weil sie es falsch aufgenommen hat. Aber nein, sie hat das damals einfach so hingenommen, sich gemerkt und mir dann später vorgehalten, statt einfach direkt darüber zu reden und das zu klären. Währenddessen wurden meine Bemühungen entweder nicht wahrgenommen oder (unbewusst) sabotiert. Sabotiert insofern, dass ich nie wirklich Zeit für mich hatte und sie mir immer im Nacken saß und mich pushen wollte, dass ich doch endlich mal vorwärts komme. Da blockiert bei mir alles und es geht nichts mehr. Ist bei dir mit den Prüfungen vielleicht ähnlich, denn scheinbar passt es ihr ja nicht, dass du dich zurückziehen musst, um dich darauf konzentrieren zu können.
Und das ist in etwa wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Sie hat immer etwas Negatives im Hinterkopf, immer den Fuß in der Tür, um sich selbst Raum zu schaffen für den Fall, dass ihr alles zu viel wird. Wenn dieser Fall eintritt, wird alles aus der Vergangenheit vor geholt und dem anderen vorgeworfen. Ich habe mich dann immer zurückgezogen, statt Kontra zu geben. Und Zack war die Prophezeiung erfüllt. Weil ich ja scheinbar keine Lust mehr auf sie hatte. Dabei wollte ich nur Zeit für mich, denn ich wusste, sollte ich ihr jetzt Widerworte geben, dann eskaliert der Streit. Dann lieber runterkommen und später darüber reden. Kam nicht so gut an bei ihr, denn in ihrem Elternhaus wurde alles mit Streit und teilweise Gewalt gelöst.
Am Ende konnte ich mich auf den Kopf stellen. Es wurde alles falsch aufgefasst und gleichzeitig hatte sie keine Ambitionen gezeigt, etwas zu ändern.
Und ich denke das beantwortet auch deine Frage
Zitat von Columbo: Ich hab aber erst gestern davon erfahren, dass der Samstag eine Retourkutsche von diesem Ereignis im Dezember war.
Warum macht das ein Mensch? Für mich war das Thema schon lange vergessen. Noch dazu, weil ich ihr damit nichts böses wollte.
Das macht sie, weil sie so (vermeintlich) immer die Kontrolle hat. Auch wenn es natürlich noch andere Erklärungen dafür gibt, aber ich sehe da schon recht viele Parallelen.
Zitat von Sorgild: Ein Mann, der sich von mir so behandeln lässt, wirkt alles andere als anziehend auf mich.
Du hast es anscheinend versäumt, klare Grenzen zu ziehen.
Nach dem Motto: Bis hier hin und keinen Schritt weiter!
Auch hier muss ich zustimmen. Auch ich habe mich einfach so behandeln lassen von meiner Ex. Sie hat scheinbar nach und nach jeglichen Respekt vor mir verloren. Hat auch oft gesagt, dass sie glaubt, sie braucht einen dominanten Mann. Jemanden, der ihr sagt, was sie tun und lassen soll. Ist wahrscheinlich etwas extrem, ich denke sie braucht auch einfach nur Grenzen. Die habe ich ihr nie gesetzt, ihr Verhalten mir gegenüber entschuldigt, weil ich dachte "ach da spricht die Depression/das Kindheitstrauma/die Verlustängste". Oh Boy lag ich falsch. Ja Grenzen setzen ist nicht einfach in solch einer Situation, aber man darf sich nicht alles gefallen lassen. Auch nicht aus Liebe. Ich sehe das jetzt ca 1,5 Monate nachdem sie sich von mir getrennt hat. Ich habe einige Grenzen gesetzt, weil ich das, was sie sich vorstellt mit uns (enge, tiefe Freundschaft direkt nach der Trennung) nicht kann. Und siehe da, sie verhält sich auf einmal sehr viel angemessener mir gegenüber, macht wieder Annäherungsversuche usw. Wird niemals wieder eine waschechte Beziehung auf diese Art aber daran sehe ich wie wichtig es ist dem Partner auch mal Grenzen zu setzen.
Lange Rede kurzer Sinn: Setz. ihr. Grenzen. Zeig ihr, was du brauchst/kannst/willst und mach keinen Rückzieher, wenn sie deswegen traurig ist. Darüber kann man reden, aber das heißt nicht, dass du deine Grenzen sofort wieder einreißt. Denn du liest dich so, als würdest du ihr alles verzeihen, egal was sie tut. Das kann auf Dauer nicht gutgehen für dich.
Zitat von Tool: Ich glaube deine Freundin ist sehr unsicher, hat Verlustängste und fühlt sich nicht liebenswert.
Yes genau so sehe ich das auch. Ich will aber meinen Absatz ganz oben nicht nochmal wiederholen. Nur so viel: Wer sich selbst so sieht, wird auch nicht empfänglich sein für die Liebe und Aufmerksamkeit des anderen. Vielleicht kennst du Sätze von ihr wie "warum bist du eigentlich mit mir zusammen?", "warum liebst du mich überhaupt" oder "liebst du mich überhaupt noch", "Es gibt doch eh nix an mir, das man lieben kann/das ich überhaupt kann". Alles an ihr selbst wird abgewertet und der andere aufgewertet. Komplimente können ebenfalls nicht angenommen werden. Mir hat das nie gefallen, wenn meine Ex so gesprochen hat, denn für mich war sie perfekt so wie sie ist. Auch hier wurde erwartet, dass ich ihr das zeige, dass sie liebenswert ist. Ging natürlich nicht, denn sie hat mich mit der Zeit immer mehr und mehr ausgeschlossen und sich selbst so sehr abgewertet, dass sie komplett unempfänglich war für meine Annäherungsversuche. Und so liest es sich für mich auch bei euch.
Zitat von Sorgild: Für ihr Glück ist sie ganz allein selbst verantwortlich.
Den Satz habe ich irgendwann auch angefangen meiner Ex gegenüber zu sagen. Oh Gott, was durfte ich mir anhören, dass es ja an mir liegen würde. Wegen mir könne man nicht in den Urlaub fliegen oder gewisse Dinge erleben. Kam auch nicht so gut an
😅Stimmt aber nun mal, habe das nie verstanden, warum man sein Glück von anderen abhängig macht. Also klar wird man beeinflusst durch andere, aber man sollte sich da auch etwas abgrenzen können und selbst wissen oder zumindest versuchen herauszufinden, was einen glücklich macht.
Bei mir klingelt immer nur der Satz nach "ich weiß nicht wer ich bin/was ich will". Ja gut, da kann aber auch niemand helfen, das muss man selbst herausfinden.
zu deinen Aussagen
Zitat von Columbo: Also ist das der Situation geschuldet - was Sie einerseits versteht, aber andererseits mir dann offenbar vorwirft, dass wir zu wenig unternehmen.
und
Zitat von Columbo: Manchmal nimmt Sie es normal auf, wie jeder andere auch.
An anderen Tagen nimmt ihr das komplett den Spaß am kochen und meint gleich, dass ihr es überhaupt keinen Spaß mehr macht mir etwas zu kochen.
Auch das kenne ich. Wünsche und Träume und Pläne noch und nöcher, aber wenn es daran geht sie zu erfüllen oder etwas dafür zu tun, dann wird sofort das Handtuch geworfen, wenn etwas nicht direkt funktioniert. Stand dann auch oft allein in der Gegend und sie ist einfach gegangen. Man denkt sich seinen Teil und macht allein weiter mit kochen oder was auch immer man gerade tun wollte.
Kleine Anekdote: Wir wollten letztes Jahr grillen im Garten hinter dem Haus. Habe uns aus versehen ausgesperrt aus der Wohnung, so dass wir den Schlüsseldienst rufen mussten. Ja das war teuer, aber ich hätte das allein bezahlt, denn ich war selbst Schuld daran und ich habe für solche Fälle immer extra etwas Geld zurückgelegt. Aber für sie war der Tag gelaufen und sie wollte weder grillen, noch mit mir reden, noch mich überhaupt ansehen und ist einfach ins Bett gegangen. Gut, wurde das alles halt weggepackt und ich hab mich zurückgezogen, denn reden konnte ich ja nicht mit ihr. Dann war ich halt der Schuldige dafür, dass wir keinen schönen Nachmittag/Abend hatten.
Und da kommt dann das hier als direkte Folge davon:
Zitat von Columbo: Prinzipiell ist ihr das Thema "wenn ich eingeschnappt bin" ein nerviges. Aber hab ich nicht auch das Recht dazu mal eingeschnappt zu sein? Es ist ja nicht so, dass ich dann außergewöhnliche Dinge mache, ich brauche dann halt nur meine Zeit (je nach Anlassfall) um wieder normal zu werden.
Sie denkt dann, dass du eingeschnappt bist, obwohl sie das eigentlich ist. Ihr passt etwas nicht, aber du musst dafür herhalten. Klar brauchst du etwas Zeit für dich, denn du willst ja im Affekt nichts zu ihr sagen, das sie verletzen könnte. Hab ich auch immer so gehalten. Das wird aber auch wieder so aufgenommen, als wärst du eingeschnappt, als würdest du ihr das jetzt vorhalten wollen, ihr die Schuld für die Situation geben. Und vielleicht sogar, als würdest du sie nicht lieben. Und siehe da, wir haben die nächste selbsterfüllende Prophezeiung. Denn sie hat ja eh schon etwas Negatives von dir erwartet und denkt ja scheinbar von sich selbst, dass sie nicht liebenswert ist.