Zitat von Tinalein:Ach was Füße stillhalten...du machst das super ! ...da kommen sicher noch ein paar Runden ...dauert halt 2 so Dualsselen auseinander zu dividieren
Danke Dir für die Rückenstärkung .
Ein letzter Stein liegt noch im Feld. Die Übergabe unserer gegenseitigen Wohnungschlüssel. Ansonsten - Die Situation ist festgefahren. Wir brauchen beide eine laaaange Pause voneinander.
Der ist weg. Will mich nicht sehen. Will durchstarten. Er hat sehr sehr deutlich gemacht, dass in seiner neuen Welt kein Platz ist für mich. Mein Konter dürfte daher für ihn kaum zu wechseln sein. Genau wie seine Mail kommt es an der Oberfläche harmlos daher .
Du hast Interesse daran bekundet, auf welcher Ebene er und ich gerade spielen . Ich versuche mal zu erklären, aber - hmm - kleine Vorwarnung . Das taucht ab in die verborgene, schwarze Welt der manipulativen Rhetorik .
Seine Mail begann damit, dass er unser letztes Gespräch nicht mehr richtig zusammen bekommt , weil er sich zurückgewiesen fühlte . Das mag so sein. Dass er die Dinge nicht mehr zusammen bekommt . Doch gleichzeitig setzt er damit einen massiven Frame .
Ein Frame wird zur Eröffnung eingesetzt , um das Gegenüber zu manipulieren.
Dieser spezielle Frame appelliert an meine Nachsicht (Der arme Kerl ist überfordert). Er bringt ihn für alles, was danach kommt , aus der Schußlinie (Vermeidung von Verantwortung) .
In den folgenden Sätzen verdreht er Texte aus unserem letzten Telefonat in - hmm - ungebührliche Ansinnen meinerseits. Diese weist er in würdiger männlicher Entschlossenheit zurück . Abschließend bekomme ich ein - "Du handelst richtig".
Beim ersten Lesen des Textes hat es mich in der Einleitung rausgeschossen . Der Mittelteil ist durchgerutscht . (Frame fordert dazu auf, den zu vernachlässigen, unkritisch zu schlucken ). Das ging soweit, dass ich einen seiner Sätze darin mental nicht erfassen konnte . Dieses Ding, von wegen Zeit geben, was hier schon hochkam .
Der letzte Satz seiner Mail greift einen Text auf, den er im Telefonat rübergebracht hat . "Du handelst richtig". Die Erinnerung an seine spontane, warme Reaktion hat mein Lesen eingefärbt . Und zwar so stark, dass ich hier verkündet habe, seine Mail sei fair gewesen.
Habe ich auch tatsächlich geglaubt in dem Moment . Kleines Problemchen. Der vernachlässigte Mittelteil ist gespickt mit dicken Haken . Die dicken Haken pervertieren dieses "Du handelst richtig". Sie entfernen alle Wärme aus dem Satz. Wenn ich es mal ganz überspitzt formuliere: Da jagt ein Kerl ein unwürdiges Weib vom Hof .
Das schreit nach meinem Widerspruch . Der will diesen Widerspruch und der will mich betteln sehen . Nicht, dass er vorhätte mich auf den Hof zu lassen. Der will nur spüren, dass er in Kontrolle ist .
Sein Frame verbirgt das alles . Er fordert mich auf, den armen, verwirrten Kerl in den Vordergrund zu stellen, der mit Zurückweisung nicht umgehen kann . Kurzum - Mich in seinen Kopf reinzudenken, damit ich die richtigen Worte finde , um sein verschlossenes Herz zu öffnen .
Meine innere Reaktion lief zunächst auch ab wie von ihm bestellt . Habe mich dran abgearbeitet, aber wurde nicht rund . Bin immer tiefer in seine Mail abgetaucht . Schicht um Schicht hat sich dabei die Mail verwandelt . Von einem netten Text in ein höchst manipulatives Machwerk .
Ich bezweifel, dass all das, was ich da sehe, auch nur ansatzweise in seinem Bewusstsein ist. Der folgt einfach seinem Instinkt . Der hat, ohne nachzudenken, tief eingefleischte Techniken angewendet . Solange, bis sein der Text sich für ihn richtig anfühlte . Ist wie Autofahren . Du denkst nicht drüber nach .
Mein Aufwand ist leider deutlich höher als seiner. Ich bin da in gewisser Weise in der Situation eines Fahrschülers . Doch der Aufwand, den ich da betreibe, dient nicht ihm, sondern mir .
Mein Weg aus der Sch. führt über die Bewusstwerdung . Gibt keinen anderen . Wegdrehen, verdrängen, mir ein gutes Leben machen - das habe ich alles durch . Das hat nur bis zu einem gewissen Grad funktioniert .
Er war immer da in meinem Inneren . Selbst in den schönsten Stunden war in mir tief unten eine große Traurigkeit . Er hat mich blockiert für andere Männer . Ich war zuletzt so weit, dass ich mich da selber völlig aufgegeben hatte .
Sein Orbit ist ein massiver Schatten . Der klebte an mir . Bin ihn nicht losgeworden . Ich bin dem Leben dankbar, dass es mir eine zweite Runde mit diesem Mann erlaubt hat . Auch wenn's weh tut. Das Blatt, was ich auf der Hand habe, ist gut . Ich bin stark genug, der Zitrone endlich das Salz und den Tequila hinzuzufügen .
So.
Und nun, nach diesem leider mal wieder viel zu langen Text hüpfe ich flott unter die Dusche und mache mich fein . Und dann geht's raus in die Sonne . Ab ins Eiscafe, wo ich hoffentlich einen interessanten neuen Menschen kennenlerne . Drückt mir die Daumen , dass der Funke der Sympathie sich einstellt .