Zitat von Bumich:Mitleid oder Mitgefühl? Und meinst du nicht, wenn altes, verborgenes an die Oberfläche drängt, das es was gutes ist? Das Alte will von dir verdaut und ausgeschieden werden.
Mitgefühl @Bumich . Mitleid habe ich geschrieben, um es abzuweisen.
Mitgefühl ist bei mir nichts verborgenes. Es ist das stärkste Element in meinem Wesenskern . Seine Kumpel sind diverse Gebote zur Gewaltvermeidung . Wie "Biete an, doch dränge nicht auf." Oder: "Geschenke sind Geschenke. Erwarte keine Gegenleistung". Mit dieser inneren Ausrichtung stehe ich da wie ein magisches Leuchtfeuer für Zecken aller Art .
Zwecks Zeckenschutz habe ich - notgedrungen - diverse Abwehrstrategien gegen Sauger entwickelt. Er ist einer . Ich wusste es. Habe ihn dennoch erneut in meine Nähe gelassen . Seine Not und Hilflosigkeit waren -hmm- sehr real. Sie trafen auf tiefe Wünsche bei mir . Wünsche nach Heilung einer alten Geschichte .
Die Entscheidung, ihn wieder in mein Leben zu lassen, habe ich sehr bewusst getroffen. Ich habe das Scheitern als mögliche (und sogar ziemlich wahrscheinliche) Konsequenz bedacht . Deshalb habe ich meine Entscheidung mit einem Versprechen an mich verbunden.
Dies Versprechen forderte mich auf, gut darauf zu achten, dass auch für mich was in der Tüte ist . Schöne Stunden, magische Momente, an die ich gerne zurück denken mag . Es ist eingelöst worden. Deshalb ist meine Haut heil geblieben , was Selbstwert und Selbstbewusstsein anbelangt .
Jetzt, am aktuellen Punkt der Geschichte , ist das mit dem Mitgefühl für ihn so eine Sache. Ich habe den Eindruck, es abweisen zu müssen/ zu sollen. Da war doch was mit meinen Lernaufgaben . Ich bin diejenige, die gecancelt wurde . Nicht er . Ich bin diejenige, die Wunden zu versorgen hat . Nicht er .
Er reduziert mich momentan auf eine Funktion als soziale Mama . Seine Hausschuhe sprechen da symbolische Bände . Sowas darf da sein, in der Beziehung zwischen Mann und Frau. Doch wenn ein Zeitpunkt kommt, wo das Überhand nimmt, wo das alles ist, was bleibt, dann hängt was gewaltig schief .
Unsere Beziehung endet jetzt zum zweiten Mal damit, dass er mich in dieser Weise reduziert und dann nach meinem Segen ruft. Für einen Weg ohne mich, hinaus in die weite Welt . Ihm ist das nicht bewusst. Mir dafür umso mehr .
Beim ersten Mal habe ich ihm sein Anliegen verweigert. Zu schmerzhaft . Diesmal bin ich über den Schmerz hinausgegangen. Ich habe ihm den Segen gewährt, nach dem er so dringend verlangte. Der Sohn ohne Mutter empfing den Segen einer Mutter ohne Sohn.
Er hat nicht verstanden, was da passierte . Ist auch nicht möglich zu verbalisieren. Sein Trauma ist dafür zu tief . Doch ich bin sicher. Auf der Ebene, auf die es ankommt, da ist es angekommen . Jetzt müssen wir beide diesen Weg konsequent zu Ende gehen. Wenn er in die Welt hinaus will, dann muss er den Schürzenzipfel loslassen . Oder anders herum - ich muss ihm meinen Schürzenzipfel verweigern .
Auf der Ebene der Realwelt bin ich eben nicht seine Mutter, an deren warmen Ofen ein Sohn gelegentlich zurück kehren darf, um sich zu wärmen . Mit all seinen Berichten über seine Heldentaten. So leid es mir für ihn tut, dass er dies nicht erfahren wird . Ich habe das nicht in der Tüte für ihn.
Und mal ehrlich - er ist jetzt ein Großer. Er braucht das nicht wirklich . Wäre halt nur schön zu haben .
Was mich betrifft , so bin ich eine erwachsene Frau, die einen erwachsenen Mann als Partner möchte. Einen Mann , der mit ihr den uralten Tanz der Geschlechter tanzt . Ich habe ihn dazu eingeladen . Er mag nicht . Too much . Hat er Angst vor. Soviel Angst, dass er sich komplett verbarrikadiert .
Ist ok . Es wird einen anderen geben. Hoffe ich zumindest . Ich kann hinreißend sein. Das dürfte helfen
Doch momentan ist erstmal was anderes dran. Ich habe Wunden zu versorgen. Ich habe eine Menge Hausaufgaben zu stemmen. Du kennst die Liste .
Mitgefühl mit ihm - in der aktuellen Situation - ist verschwendete Energie . Es darf da sein. Als Grundausrichtung . Doch es darf mich nicht konsumieren . Da Energie reinzugeben, ist nichts als das Befolgen einer alten Gewohnheit . Die in der aktuellen Situation den Charakter einer schlechten Angewohnheit annimmt .
Meine Absicht ist es, diese schlechte Angewohnheit abzustreifen. Das Wort Absicht ist bewusst gewählt. Die Absicht unterscheidet sich vom Wollen und Können. Auf diese beiden ist wenig Verlass . Der Ärger hilft mir zu erkennen, wenn ich meiner schlechten Angewohnheit folge. Dafür ist er da. Er ist ein Hüter meiner Absicht .